Grosse Studie zeichnet differenziert-rosiges Bild der Schweizer Software-Industrie

In Bern wurde die dritte Ausgabe des Swiss Software Industry Survey (SSIS), der grössten Studie zur Schweizer Softwarebranche, präsentiert. Die Autoren zeichneten ein durchaus positives Bild. Kernaussagen: Die Schweizer Softwarebranche wächst; so dürften die Erträge im nächsten Jahr um 14 Prozent wachsen und Tausende neue Stellen geschaffen werden.

 
Inside-channels.ch war vor Ort und kommentiert die wichtigsten Folien und Zahlen der Präsentation: Die Bedeutung der ausländischen Märkte, des Outsourcings und wer welche EBIT-Margen erzielt.
 
Durch Klicken oben beim Titel gelangen Sie durch die Studienergebnisse, die auf Angaben von 692 Firmen aus 21 Kantonen basieren. (Thomas Schwendener)
 
Interessenbindung: Wir sind Medienpartner des Swiss Software Industry Survey. Er ist die Fortsetzung des Swiss Software Industry Index, der vom Berner Beratungshaus Sieber & Partner zusammen mit uns entwickelt worden war.

Umsatz pro Mitarbeiter

 
Aufgrund eines neuen statistischen Verfahrens sind die vorliegenden Angaben nicht mit den älteren SSIS-Zahlen vergleichbar. Dafür erziele man solidere Resultate, die man künftig vergleichen könne, erklärt Thomas Huber, einer der Studienautoren, an der Präsentation.
 
So müssen die Zahlen für sich selbst sprechen: Im Consulting wird ein Umsatz von 330'000 Franken pro Berater erzielt, während die Hersteller von Individualsoftware die rote Laterne tragen und nur 170'000 Franken pro Mitarbeiter umsetzen. In der nächsten Grafik zeigt sich, dass aufgrund der unterschiedlichen Kostenstrukturen die EBIT-Margen auch bei ähnlichen Pro-Kopf-Umsätzen sehr unterschiedlich ausfallen.

Höchste EBIT-Marge erzielen die Consulter

 
Bei der EBIT-Marge führen ebenfalls die Consulting-Firmen die Rangliste in der Schweizer Software-Industrie an. 11,5 Prozent beträgt diese, während sie bei den Technologie- und Service-Providern bei nur gerade 5,7 Prozent liegt. Auch die Hersteller von Standard-Software (inklusive Software-as-a-Service) weisen eine relativ tiefe EBIT-Marge auf. Dies liege aber unter anderem auch an den hohen Ausgaben in Forschung und Entwicklung (F&E), erklärt Autor Huber. Das diese bei den Softwareschmieden erheblich sind, sieht man in der übernächsten Grafik.

Gute Wachstumsaussichten

 
Ein differenziertes aber durchaus rosiges Bild zeichnet der SSIS bei den künftig zu erwartenden Umsätzen. Die Branche rechnet 2017 mit 8,4 Prozent Umsatzwachstum, während im nächsten Jahr gar 14,2 Prozent mehr an Umsätzen erwartet werden. Dies könne etwa daran liegen, dass die Software-Industrie davon ausgehe, dass sich die F&E-Investitionen auszuzahlen beginnen, so Thomas Huber.
 
Besonders zu Buche schlägt in der aktuellen Studie die Fertigung von Standard-Software: 2018 dürfte diese nach Meinung der Befragten um fast ein Viertel mehr Umsatz als 2017 einbringen; dies ist der Software-Industrie-Bereich, der am stärksten in F&E investiert. Demgegenüber schneiden Consulting, Software-Integration sowie Technologie- und Service-Provider weniger gut ab, allerdings mit unterschiedlichen Entwicklungen über 2017 und 2018 gesehen.

Investitionen in Forschung und Entwicklung

 
Die Investitionen in F&E sind erwartungsgemäss bei den Herstellern von Standardsoftware am höchsten, wobei die Hersteller von Individuallösungen nicht weit dahinter zurückliegen. Setzt man diese Zahlen in Relation zu den Wachstumserwartungen der Firmen, stimmt das Bild: Die Standardlösungs-Schmieden sehen für 2018 das stärkste Wachstum der Umsätze, während die Hersteller von individueller Software an zweiter Stelle liegen. Zugleich knabbern die Investitionen anscheinend etwas an den Margen. Auf den hinteren Rängen ist dann aber die Korrelation nicht mehr eindeutig gegeben.

Cloud-Business bleibt klein

 
Letztes Jahr schaute sich inside-it.ch und inside-channels.ch insbesondere die Umsätze der Hersteller von Standard-Software an und stellten fest, dass diese geringe Umsätze mit dem Verkauf von Lizenzen und noch kleinere mit Cloud-Diensten erzielten.
 
Nach dem neuen statistischen Verfahren ist der Cloud-Bereich gewichtiger, bleibt aber mit 7,8 Prozent immer noch eine untergeordnete Grösse. Gerade für diesen Bereich wäre ein Vergleich mit dem Vorjahr interessant gewesen. Software-Lizenzen, Wartung und Anpassung machen zusammen über drei Vierteil des Umsatzes aus.

Die Umsätze im Ausland

 
14,5 Prozent der Umsätze der Schweizer Software-Industrie werden 2017 im Ausland erzielt. Hier gebe es grossen Nachholbedarf, bemerkte Jens Dibbern in der Präsentation von Internationalisierung und Outsourcing.
 
Der wichtigste Markt bleibt Deutschland, wo über 45 Prozent der Auslandsumsätze eingefahren werden. Dahinter folgen mit grossem Abstand die USA, Frankreich, Italien, England und Österreich. In der Studie wird festgehalten, dass sich auch die Wertschöpfung internationalisiere und Schweizer Firmen im Ausland vermehrt Mitarbeiter im Ausland beschäftigen.

Die Wertschöpfung wird internationaler

 
Die Internationalisierung der Wertschöpfung widerspiegelt sich in den Anstellungszahlen. Diese zeigen, dass sowohl im Inland als auch im Ausland ein beachtliches Wachstum der Zahl der Angestellten von Schweizer Software-Firmen erwartet wird. In einer Pressemitteilung erklärt ICTswitzerland, dass man 2017 und 2018 zusammen mit rund 15'000 zusätzlichen Arbeitsplätzen bei den entsprechenden Firmen in der Schweiz rechne.

Software-Integratoren führen beim Outsourcing

 
Zum ersten Mal wurde im SSIS der Zukauf von externen Dienstleistungen durch Schweizer Software-Firmen untersucht. Über ein Drittel der hiesigen Unternehmen lagern Aktivitäten an Externe aus. Angeführt wird die Rangliste von den Software-Integratoren, von denen über die Hälfte auf Outsourcing zurückgreift. Das Schlusslicht bilden die Technologie- und Service-Provider, von denen bloss 13,3 Prozent angaben, auf Outsourcing zu setzen.
 
Als wichtigste Tätigkeits-Bereiche für das Outsourcing wurden mit 17,3 Prozent Entwicklung und mit 16,6 Prozent Operations angegeben. Planning, Projektmanagement und Organisation bleiben mit jeweils unter drei Prozent weit dahinter zurück. Insgesamt ist das Outsourcing relativ gering: Nur gerade 3,5 Prozent der gesamten Wertschöpfung der Schweizer Software-Industrie wird damit erzielt.
 
Wohin wird ausgelagert? Auch dies zeigt die Studie.

Wohin Sourcen die Firmen aus?

 
Fast ein Drittel des Sourcings wollen die Befragten in der Schweiz belassen. Darauf folgen wenig erstaunlich die tiefpreisigen osteuropäischen Länder. Zählt man die Länder als ganze Region zusammen, so ist Osteuropa mit 32 Prozent nach wie vor bedeutend.
 
Nach Deutschland wollen immerhin 16,8 Prozent auslagern. Indien, der Inbegriff des Offshoring, bevorzugen noch 5,6 Prozent der Studienteilnehmer.
 
Zur Studie:
Die Swiss Software Industry Survey ist branchenweit die grösste Studie der Schweiz und die einzige, die Aussagen über das Umsatz- und Mitarbeiterwachstum macht. Gemacht wurde sie vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Bern im Auftrag von ICTswitzerland.
 
An der Umfrage teilgenommen haben die Rekordzahl von 692 Unternehmen mit einer Bruttowertschöpfung von 26 Milliarden Franken im Jahr 2014. Damit bildet die ICT die sechstgrösste Branche der Schweiz.