"Das E-Patienten­dos­sier ist auf gutem Weg"

Adrian Schmid, Leiter eHealth Schweiz.
Die neue E-Health-Strategie soll schlank sein, Begonnenes soll zu Ende gebracht werden. inside-it.ch war an der Präsentation Strategie E-Health Schweiz 2.0.
 
Heute informierte die Kompetenz- und Koordinations­stelle von Bund und Kantonen "eHealth Suisse" in Bern über Inhalt und Stand der Strategie E-Health Schweiz 2.0. Diese befindet sich noch bis Anfang Dezember in der öffentlichen Anhörung, soll ab Ende 2018 von Bund und Kantonen umgesetzt werden und gilt als Richtlinie für alle an der Digitalisierung des Gesundheitsbereichs Beteiligten.
 
Salome von Greyerz vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) betonte vor gut gefülltem Saal im Hotel National, dass die Strategie bescheiden bleiben werde. Ressourcen, Zeit und Geld seien begrenzt, so die an der Ausarbeitung der Strategie beteiligte Pharmazeutin.

Wohl auch deshalb konzentriert sich die neue Strategie hauptsächlich darauf, bereits Begonnenes zu Ende zu bringen und das zu präzisieren und ergänzen, was der Bundesrat bereits 2007 in der vorherigen Strategie verabschiedet hatte. Neu gibt es drei Handlungsfelder, die schwerpunktmässig jene Anforderungen behandeln, die bislang nicht oder unzureichend erfüllt wurden.
 
Digitalisierung fördern
Im ersten Schwerpunkt geht es darum, dass Bund und Kantone digitale Anwendungen, insbesondere das Elektronische Patientendossier (EPD), etablieren wollen. Dessen Durchsetzung als schweizweite Lösung war auf Ende 2015 geplant, dauert aber länger. Es sei aber generell auf gutem Wege, sagt Adrian Schmid, Leiter von E-Health Schweiz, in seiner Präsentation in Bern. So ist im April das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier in Kraft getreten, das die Rahmenbedingungen für die Einführung des Dossiers definiert oder etwa Spitäler sanktioniert, wenn sie nicht in Dreijahresfrist das E-Dossier einführen.
 
Des weiteren soll die Digitalisierung der papierbasierten Prozesse vorangetrieben und sollen die daran Beteiligten sensibilisiert werden. Die Minimalstandardisierung der Primärsysteme fällt ebenfalls in diese Kategorie wie auch die grenzüberschreitende europäische Vernetzung. "Digitale Inseln müssen unbedingt vermieden werden", gab Eliane Kraft, Bereichsleiterin Gesundheit und Alter beim Beratungs- und Forschungsbüro Ecoplan, zu bedenken.
 
Und schliesslich soll angesichts bekannter Risiken auch der Cybersicherheit des Gesundheitssystems grosses Gewicht eingeräumt werden. Hierzu sollen sich Bund und Kantone mit Fachleuten und Anwendern zusammensetzen, um die digitale Sicherheit zu verbessern.
 
Digitalisierung koordinieren
"Eine ganz grosse Herausforderung ist es, die Mauern einzureissen", mahnte Adrian Schmid. Er verwies damit auf die bestehenden Silos und die Schwierigkeit des Datenaustausches im Bereich des Gesundheitswesens. Der zweite Schwerpunkt der vorgestellten Strategie befasst sich genau mit diesem Problem: So sollen von der Datenerfassung bis zu den rechtlichen Rahmenbedingungen die Voraussetzungen zur Mehrfachverwendung von Daten geschaffen werden.
 
Ebenfalls sollen Infrastruktur wie Berufsregister oder E-Health-Government-Plattformen für die Benutzung verschiedener Stellen erschlossen werden. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Interoperabilität unter Berücksichtigung internationaler Standards und Best Practices.
 
Zur Digitalisierung befähigen
Das letzte Handlungsfeld schliesslich sollte nicht unterschätzt werden, wie in Bern mehrere Praktiker aus dem Gesundheitsbereich zu Bedenken gaben. "Das technisch Mögliche ist das eine, aber die Lösungen in der Gesundheitspraxis an den Menschen zu bringen, ist etwas anderes", so der Leiter von E-Health Schweiz. Sowohl die Gesundheitsfachpersonen als auch die Patienten müssten über digitale Kompetenzen verfügen und den risikobewussten Umgang mit den digitalen Angeboten beherrschen.
 
Im letzten Swiss-eHealth-Barometer wurde festgestellt, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung das EPD nicht kennt, schreibt eHealth Suisse im Strategiepapier. Es sei hier also ebenso noch viel zu tun wie etwa bei der Sensibilisierung für mobile Angebote. Aber auch die Fachanwender seien zu unterstützen, damit sie die Digitalisierung aktiv und verantwortlich nutzen könnten.
 
Die Umsetzung der "bescheidenen" Strategie
Die Umsetzung der Strategie (PDF) obliegt Bund, Kantonen und eHealth Suisse, allerdings mit Einbezug aller betroffenen Akteure. Bereits ab Frühling 2018 soll mit der Umsetzung begonnen werden. Nach der Verabschiedung der Strategie durch den Bundesrat und die Schweizerische Konferenz der Kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) Ende 2018 sollen dann alle Ziele in Angriff genommen werden. (Thomas Schwendener)