Broadcom will Qualcomm für 130 Milliarden Dollar kaufen

Im Chipgeschäft könnte der bisher grösste Firmenkauf bevorstehen: Broadcom werde für 100 Milliarden Dollar den Konkurrenten Qualcomm kaufen, berichteten bereits am Freitag 'Bloomberg' und das 'Wallstreet Journal' mit Bezug auf nicht genannte Quellen. Nun ist klar, das sogar 130 Millarden Dollar bei dem Versuch einer feindlichen Übernahme gegen den Willen von Qualcomm fliessen sollen.
 
In dem Gesamtpreis sind auch Schulden von 25 Milliarden Dollar berücksichtigt, wie Broadcom heute mitteilt. Das Angebot liegt bei 70 Dollar pro Qualcomm-Aktie. Das Papier war am Freitag bei 61,81 Dollar aus dem Handel gegangen.
 
Qualcomm ist in einem Grossteil der Smartphones und Tablets mit den Chips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Zudem stellt das Unternehmen in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor und verdient Geld mit Patentlizenzen auf diverse Technologien. In der Qualcomm-Bilanz sorgen die Chips zwar für die meisten Erlöse, doch der Gewinn wird vor allem mit den Lizenzen erzielt.
 
Da sich das Geschäft von Qualcomm und Broadcom an vielen Stellen überschneidet, gehen Experten davon aus, dass die Regulierungsbehörden den Mega-Deal scharf prüfen werden. Ein neues gemeinsames Unternehmen könnte unter anderem eine Schlüsselposition bei der 5G-Technologie einnehmen.
 
Streit mit Apple drückte Aktienpreis
Das Angebot wurde auch möglich, weil Qualcomm seit Monaten in einem eskalierenden Streit mit Apple steckt, der die Geschäftszahlen der Chipfirma schmälerte und den Aktienpreis nach unten trieb. Der iPhone-Konzern weigert sich, an Qualcomm einen Prozentsatz vom kompletten Gerätepreis abzuführen.
 
Apple argumentiert, damit wolle Qualcomm an Technologien verdienen, die bei Apple selbst erfunden worden seien. Der Halbleiter-Konzern kontert, in den Apple-Geräten steckten Qualcomm-Technologien nicht nur in den Chips. Die Unternehmen verklagten sich gegenseitig in mehreren Ländern.
 
Vergangene Woche nun liess ein Medienbericht, wonach Apple in kommenden Generationen seiner Geräte ganz ohne Qualcomm-Chips auskommen wolle, die Aktie der Chipfirma an einem Tag um sieben Prozent absacken. Branchenbeobachter schliessen nicht aus, dass Broadcom nach einer Übernahme von Qualcomm den Streit beilegen könnte.
 
Die von Qualcomm angestrebte Übernahme des Chipspezialisten NXP für 39 Milliarden Dollar will Broadcom fortführen. Für sie gibt es bisher keine Zustimmung der Regulierer – und zudem wollen einige NXP-Aktionäre mehr Geld. (sda/kjo)