Swisscom erläutert das Business-Modell des Open Banking Hubs

Swisscom lanciert einen Open Banking Hub, um den Playern in der Finanzbranche eine Plattform zur Zusammenarbeit zu geben. Via API sollen sie dies tun können. Dies teilt Swisscom mit.
 
Als Erste nutzen die Baloise Bank SoBa und das RegTech-Startup Apiax den Hub, sie arbeiten neu zusammen. Ein klassischer Finanzdienstleister und ein Zürcher Fintech verbinden sich; Legacy Systeme und aktuelle Anwendungen werden verknüpft über APIs. So die Grundidee.
 
Warum steigt die Swisscom jetzt ins "Banking-API-Business" ein? Ist PSD2, die Payment Services Directive, und die damit verbundenen Änderungen im Banking und speziell im Zahlungsverkehr der Katalysator? Dies wurde jedenfalls für Finanzdienstleister prognostiziert. "Banken sehen je länger je mehr Chancen in der Zusammenarbeit mit Dritten wie Fintech-Unternehmen", erläutert Swisscom-Sprecher Armin Schädeli auf Anfrage. "Einerseits geht es um Mehrwerte für ihre Bankkunden, andererseits um prozessuale Verbesserungen, Automatisierung – auch im Bereich von regulatorischen Anforderungen. PSD2 ist im Moment eine europäische Direktive, die für die Schweiz nicht direkt relevant ist. Grundsätzlich unterstützt der Open Banking Hub aber den Austausch zwischen Banken und Dritten, während die hohen regulatorischen Anforderungen für schützenswerte Daten (CIDs) jederzeit erfüllt sind."
 
Es gebe zwei Varianten, den Hub zu nutzen, teilt Swisscom mit: Die Sandbox-Variante, um ihn auszuprobieren ist die eine und produktiv setzen in der gesicherten Banken-IT-Infrastruktur von Swisscom die zweite.
 
Aber wie sieht das Businessmodell von Swisscom eigentlich aus? Schädeli: "Das Businessmodell basiert auf dem Zugang zum Open Banking Hub und dem darüber abgewickelten Traffic."
 
Fintechs will Swisscom anlocken mit dem Argument, dass sich mit dem Hub auf einen Schlag diverse Compliance-Fragen lösen liessen. Ausserdem kann Swisscom auf dem eigenen Startup-Programm aufbauen und diese in den Hub bringen. So ist der "Hub Early Mover" Apiax seit September 2017 im Kickstart Accelerator-Programm in Zürich, das von Swisscom mitgetragen wird.
 
Im Banking-Sektor will Swisscom wachsen. Der neue Chef des Bereichs Enterprise erläutert heute im Exklusiv-Interview mit inside-channels.ch wie: "Es gibt neue Lösungen wie Digital Onboarding oder Digital Signage, RegTech-Lösungen oder auch den Open Banking Hub."
 
Neuerdings sieht Swisscom sich primär als Integrator im Banking-Bereich. Der Open Banking Hub sei genau ein Beispiel für diese Integrationsleistung, so Schädeli.
 
"Das geht ziemlich einfach"
Wenn der Traffic Wachstum und Geld bringen soll, dann sind die klassischen Finanzplayer erfolgsentscheidend. Auf der eigenen IT-Infrastruktur, so Swisscom, betreibe man aktuell die Kernbankensysteme von rund 80 Finanzdienstleistern. Wieviele Kunden sind aktuell konkret interessiert an der Teilnahme? "Wir haben rund 170 Banking-Kunden. 80 davon haben den Grossteil ihrer Systeme inklusive Kernbankenlösung an uns ausgelagert. Viele unserer Kundenbanken sind daran interessiert, die Leistungen von Dritten möglichst einfach zu erschliessen," so Schädeli.
 
Und welche der von Swisscom betriebenen Kernbankensysteme sind dafür technisch bereit? "Grundsätzlich können alle Kernbankensysteme an unseren Open Banking Hub andocken. Für Banken, deren Kernsystem – mehrheitlich ist dies Avaloq oder Finnova – bei uns betrieben wird, geht das ziemlich einfach."
 
Technologisch gesehen läuft der Hub mit der API-Gateway-Lösung von CA Technologies. Das Unternehmen war laut Forrester Wave 2014 ein "Early Mover" ins Business mit API-Management, und ist also nicht auf Open Banking beschränkt. (Marcel Gamma)