Flynt: VR weg, CEO weg, Software weg

Was bleibt vom viel gehypten Fintech Flynt?
 
Das Zuger Fintech-Startup Flynt gehört zu den Startups, die Fantasien auslösen. Im Juli hat Flynt eine Banklizenz erhalten und firmiert seither unter dem Namen Flynt Bank AG.
 
Das Startup bietet sehr, sehr reichen Menschen und Vermögensverwaltungen eine Plattform, um Vermögen online zu managen. Mit Flynt kann man nicht Geld und Wertschriften managen, sondern auch so genannte "non-bancable" Assets.
 
Hauptinvestor bei Flynt ist Jan Schoch, den man als Gründer und ehemaligen CEO des Derivate-Spezialisten Leonteq kennt. Diesen März holte er mit dem Wirtschaftsanwalt Peter Forstmoser, den beiden Investoren Daniel Halter und Tze Hoe Chan sowie ETH- und HSG-Professor Elgar Fleisch bekannte Namen in den Verwaltungsrat. Doch alle vier sind aus dem Verwaltungsrat per sofort ausgetreten, wie das SHAB heute publizierte.
 
Forstmoser bestätigte den Rücktritt aller vier Verwaltungsräte gegenüber inside-it.ch. Grund seien "Meinungsverschiedenheiten mit dem Hauptaktionär", also mit Jan Schoch. Die einzige Verwaltungsrätin ist damit Jasmin Schmuki, die Schoch im VR vertritt. Er werde nun als "interessierter Zuschauer" das Schicksal von Flynt verfolgen, so Forstmoser.
 
CEO geht, Software wird verkauft
Doch nicht nur die unabhängigen Verwaltungsräte setzen sich von Flynt ab, sondern auch CEO Stijn Vander Straeten wird das Unternehmen per Ende Januar 2018 verlassen, wie es in einer Pressemitteilung heisst. Vander Straeten beantwortete unsere Bitte um Rückruf bisher nicht. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass auch CTO Steffen Lentz das Handtuch geworfen hat.
 
Beim Zuger Fintech scheint kein Stein auf dem anderen zu bleiben, denn man will auch die Software, das "Worth Ecosystem" verkaufen, teilt das Unternehmen heute mit. An wen und für wieviel die Software abgestossen wird, ist (vorläufig) unbekannt. In der Medienmitteilung ist von einem "erheblichen Mittelzufluss" die Rede. Als Käufer wird "eine Gruppe von Schweizer Unternehmern, die bereits zum Kundenkreis" zählten, genannt.
 
Unklare Zukunft
Welche Zukunft Flynt ohne unabhängige Verwaltungräte, ohne CEO und ohne eigene Software-Plattform bleibt, ist unklar. "Flynt Bank AG ist unabhängig vom Verkauf des "Worth Ecosystem" bis Ende 2017 ausreichend kapitalisiert. Das Unternehmen wird über weitere Änderungen in der Kapitalstruktur, der Strategie und der Governance rechtzeitig informieren," heisst es in der Pressemitteilung von heute.
 
Jan Schoch wolle zu einen späteren Zeitpunkt "über die weitere Strategie und Neuaurichtung der Flynt Bank AG" informieren, schreibt Verwaltungsrätin Jasmin Schmuki in einer Mail an inside-it.ch.
 
Unsere Frage, ob und wie die Finanzmarktaufsicht Finma die Geschehnisse bei Flynt Bank AG beurteilt, wurde nicht beantwortet. Die Finma äussere sich nicht zu einzelnen Beaufsichtigten, so die Pressestelle. (Christoph Hugenschmidt)