Zürcher Startup Qumram wird von Dynatrace übernommen

CEO Patrick Barnert erklärt inside-it.ch, warum Qumram die Strategie gewechselt hat und welche Rollen die Gründer künftig einnehmen.
 
Dynatrace übernimmt das Regtech-Startup Qumram, dies melden die beiden Unternehmen.
 
Qumram hat eine so genannte Session-Replay-Technologie für mobile und webbasierte Anwendungen entwickelt. Die Lösung könne sämtliche Interaktionen auf allen digitalen Kanälen rechtssicher aufzeichnen. Die aufgezeichneten Daten könnten jederzeit wie ein Film abgespielt werden.
 
Die Lösung der Zürcher ist bei Compliance-Beauftragten und Risikospezialisten, speziell bei Finanzdienstleistern wie UBS, ZKB oder Mobiliar, aber auch in anderen Branchen und grossen Verbänden im Einsatz. Qumram gewann Preise und expandierte rasch und international, so verdeutlicht es ein Porträt von inside-it.ch. Man investierte in Behaviour Analytics und eröffnete Niederlassungen rund um die Erde und baute auch ein Entwicklungsteam in Barcelona auf.
 
"Die Entscheidung für die Akquisition basierte nicht nur auf passenden technologischen Funktionen. Die Geschäftsführung von Dynatrace erkannte auch Synergien bei der Fokussierung auf Innovationen und der Förderung einer starken Development-Teamkultur", so schreibt Dynatrace.
 
Eigentlich war für das dritte Quartal eine Serie-A-Finanzierungs-Runde geplant, um das Wachstum weiter voranzutreiben, sagte uns Qumram-Sprecher Mathias Wegmüller vor wenigen Monaten. Nun kommt es offensichtlich anders.
 
"Es ist eine Riesenchance für uns"
Warum Qumram die Strategie gewechselt hat, erläutert CEO Patrick Barnert auf Anfrage: "Wir waren bereit für die Series-A-Runde als Dynatrace auf uns zukam. Es ist eine Riesenchance, die wir packen wollten. Dynatrace hat 1600 Mitarbeiter und 5000 Kunden weltweit. Das ist gigantisch und wir können wachsen und können danach streben, der Goldstandard weltweit zu werden, wie wir es immer wollten. Wir können unser Produkt bei grossen Firmen beispielsweise aus der Pharmabranche positionieren."
 
Und was wird aus den Gründern wie ihm? "Der CTO, Simon Scheurer, zieht nach Barcelona um. Er wird dort das Entwicklerteam ausbauen. Der Director Sales, Mathias Wegmüller, übernimmt eine globale Rolle im Bereich Digital Expierence und ich eine globale Sonderrolle im Partnergeschäft. Und ich betreue bisherige Kunden."
 
Im Rahmen dieser Übernahme will Dynatrace die Qumram-Lösung in die eigene integrieren und übernimmt die Qumram-Ingenieure. Zudem plane man 2018, die Anzahl Mitarbeiter in Barcelona zu verdoppeln. Allerdings gibt es personelle Überlappung, erklärt Barnert, doch momentan würden alle bisherigen 35 Mitarbeitenden von Dynatrace übernommen.
 
Gleichzeitig übernimmt Dynatrace alle Rechte an der Qumram-Lösung.
 
Dynatrace Umsatz-Leader im APM-Segment
Dynatrace, bis 2014 Teil von Compuware, ist heute nahe Boston beheimatet und bietet Digital Performance Management, beziehungsweise Application Performance Management (APM). Das heisst Daten sammeln und gleichzeitig Interaktions-Monitoring von Anwendern und Transaktionen über Applikationen hinweg. Dabei kommt laut dem Unternehmen künstliche Intelligenz zum Einsatz und das Monitoring sei vollständig automatisiert.
 
Dynatrace erzielte 2016 laut 'Gartner' einen Jahresumsatz von 415 Millionen Dollar und hat zweistellige Wachstumsraten. Im APM-Segment sei das Unternehmen unangefochtener Leader, klar vor IBM, New Relic, CA Technologies oder AppDynamics (bevor die Firma von Cisco übernommen wurde). (mag)