Londoner Gericht macht Uber-Fahrer zu Angestellten

Der US-Fahrdienstvermittler Uber muss seinen Fahrern in Grossbritannien den Mindestlohn zahlen. Die Fahrer seien als Angestellte zu betrachten und damit mindestlohnberechtigt, stellte ein Arbeitsgericht in London fest. Für Uber fahren allein in der britischen Hauptstadt 40'000 Fahrer.
 
Zwei Uber-Fahrer in Grossbritannien, James Farrar and Yaseen Aslam, hatten im Oktober 2016 vor einem Arbeitsgericht in erster Instanz durchgesetzt, dass sie Anspruch auf Feriengeld, Krankengeld und den britischen Mindestlohn von umgerechnet knapp zehn Franken pro Stunde haben. Dagegen legte Uber Berufung ein. Diese Berufung wies das Arbeitsgericht in London nun zurück.
 
Einer der Kläger, Yaseen Aslamn, hatte gesagt, Uber-Fahrer seien wegen der hohen Kosten "an die Arbeit gekettet". Er nennt unter anderem Versicherungen und den Führerschein. Es gebe Fahrer, die im Auto schliefen, und solche, die 90 Stunden pro Woche fahren würden, um dann mit einem Verdienst nach Hause zu kommen, der dem Mindestlohn entspreche.
 
Uber dagegen argumentierte, die grosse Mehrheit der Fahrer wollten ihre "Freiheit" und ihr eigener Herr sein. Bei Uber hätten sie die freie Wahl und könnten Arbeitsdauer und Arbeitszeiten selbst bestimmen.
 
Von der britischen Tagespresse wird das Urteil als wegweisend bezeichnet. Auch wenn Uber eine erneute Berufung angekündigt hat, könnte es weitere Auswirkungen auf die "Gig-Economy" in Grossbritannien haben. Gewerkschaften würden in diesem Zusammenhang die Arbeitsbedingungen der "fingierten Selbständigkeit" untersuchen, schreibt etwa der 'Guardian'. Eine der grössten Gewerkschaften des Landes, Unit, gründete hierfür eine eigene Abteilung. (kjo/sda)