Schweizer Banken wollen keinen API-Zwang

Die Schweizerische Bankiervereinigung ist für Open Banking. Einen Zwang, Schnittstellen zu öffnen, wie dies in der EU die PSD2 fordert, lehnt sie aber ab.
 
Open Banking - Ja, PSD2 - Nein: So die Haltung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Ab dem Januar 2018 tritt in den EU-Ländern die zweite Edition der Zahlungsverkehrsdirektive (PSD2) in Kraft. Unter anderem werden damit die Banken verpflichtet, Drittanbietern wie Fintechs Zugang zu Bankkonten zu gewähren. Dabei müssen die Banken den Drittanbietern Schnittstellen kostenlos zur Verfügung stellen.
 
PSD2 gilt in der Schweiz nicht. Ausschliesslich Finanzinstitute mit einem Geschäftssitz in einem EU-Land müssen die Direktive umsetzen. Dennoch wird die Frage, ob es in der Schweiz eine zur PSD2 analoge Regulierung braucht, diskutiert. Die SBVg lehnt eine entsprechende Regulierung ab. "Wir sind für Open Banking, aber gegen einen Zwang uns zu öffnen", sagt Rolf Brüggenmann, Leiter Tax, Legal & Compliance und Regulatory SBVg, heute im Rahmen eines Medienanlasses. Seiner Ansicht nach besteht kein Handlungsbedarf. Der Wettbewerb funktioniere und die Banken würden bereits heute schon eine Reihe von Lösungen, auch in Zusammenarbeit mit Fintechs, anbieten. Als Beispiele nennt er etwa Twint oder die Zusammenarbeit von mehreren Banken mit dem Buchhaltungssoftwareanbieter Bexio.
 
Ausserdem, so glaubt Brüggenmann, sei eine staatlich erzwungene Öffnung gefährlich, da bankenspezifische Sicherheitsprinzipien und datenschutzrechtliche Fragen nicht vollständig adressiert werden. Aus Sicht der Banken würden zusätzliche Kosten entstehen, insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Compliance. Dem stimmt auch Christoph Wille zu, der bei der Valiant Bank für die Digitalisierung der Customer Points zuständig ist. Ein regulatorischer Zwang, fügt er an, wäre ein unnötiger Eingriff in einen funktionierenden Markt.
 
Fintechs und Techfins
Die neue EU-Direktive sieht vor, dass Drittanbieter einen Zugriff auf sensible Bankdaten erhalten und zwar, ohne dabei in einem direkten Vertragsverhältnis mit der Bank zu stehen. In der EU ist ein Register von zertifizierten Anbietern geplant. Gibt der Kunde seine Einwilligung, können diese dann über entsprechende Schnittstellen auf die Kontoinformationen zugreifen oder Zahlungen über das Konto auslösen.
 
In der Schweiz würden die Banken bereits beweisen, dass sie offen für Fintechs sind. Aber man wolle den Markt aktiv mitgestalten und selbst entscheiden können, wem man APIs zur Verfügung stellt. "Wir wollen bestimmen, wer die Türen nutzen kann", fasst Wille zusammen.
 
Wie am heutigen Pressefrühstück herauszuhören war, haben die Schweizer Banken keine Angst vor Fintechs. Es scheinen eher die "Techfins", die Sorge bereiten. Gemeint sind die grossen IT-Player wie Google oder Amazon, die ebenfalls in den Finance-Sektor drängeln könnten. (kjo)