Syndicom-Strategie stellt digitalisierte Arbeitswelt ins Zentrum

Von Robotersteuer über Open Source zu Home Office. Mit ihrem Manifest "Arbeit 4.0" legt die Gewerkschaft die Strategie für die kommenden Jahre fest.
 
Mehr Open Source, Netzneutralität und alternative Steuermodelle – so drei Forderungen der Gewerkschaft Syndicom im Manifest "Arbeit 4.0: Die digitale Arbeitswelt". Die Gewerkschaft beschäftige sich schon seit über zwei Jahren intensiv mit dem Thema der digitalisierten Arbeitswelt. Vergangenes Jahr verabschiedete sie 13 Thesen zum Thema. An ihrem Kongresstag vor dem Wochenende in Basel haben die Delegierten der Gewerkschaften nun das Manifest "Arbeit 4.0 – die digitale Arbeitswelt" und die darauf basierende Strategie der kommenden Jahre verabschiedet.
 
Im Kern gehe es darum, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Aber "so wie Unternehmen, Verbände, Regierungen und Verwaltungen die digitale Transformation bisher anpacken, führt sie in ein gesellschaftliches Desaster", schreibt die Gewerkschaft. Es gehe darum, der industriellen Revolution eine soziale und demokratische Gestalt zu geben. Etwa sei der Versuch der Arbeitgeber, die Transformation durch die Deregulierung des Arbeitsgesetzes zu bestimmen, ein "Irrweg". Die öffentliche Hand müsse klare Regeln durchsetzen. Und zwar nach den Prinzipien: Schutz der Arbeitnehmer, soziale Sicherheit und gewerkschaftliche Rechte sowie gezähmter Einsatz von Big Data, Künstlicher Intelligenz und neuen Geschäftsmodellen wie Blockchains.
 
Von Open Source, Datenschutz und Robotersteuer
Im Manifest listet Syndicom 20 Resolutionen auf (PDF), darunter Regelungen für das Arbeiten im Home-Office, für den Gesundheitsschutz oder für Bildung und Weiterbildung. Daneben fordert die Gewerkschaft eine Strafe bei der Auslagerung von Arbeitsplätzen: Wenn ein Unternehmen in der Schweiz Firmenteile auslagere, soll sie die Unterstützung der öffentlichen Hand, etwa in Form von Forschungsgeldern oder Subventionen, verlieren.
 
Auch die Robotersteuer ist ein Thema bei der Gewerkschaft. Während der Bundesrat eine solche ablehnt, will die Gewerkschaft, dass über neue Steuermodelle debattiert wird. Wolle man verhindern, dass die Beiträge zum Sozialsystem sinken, müsse man über alternative Finanzierungsformen sprechen, schreibt Syndicom. Roboter und die Algorithmen der intelligenten Maschinen bezahlen keine Steuern. Ihr Einsatz aber verursache, wenn sie Arbeitsplätze zerstören, Kosten für die Gesellschaft. Eine Robotersteuer wäre ein möglicher Weg, es gebe auch andere Steuermodelle, etwa solche, die sich entlang der Wertschöpfungskette orientierten.
 
Die digitale Transformation, so die Gewerkschaft, könne nur dann demokratisch gestaltet werden, wenn der Zugang zur Grundinfrastruktur gewährleistet sei. Dies sei heute nicht immer der Fall. Deshalb wolle sich Syndicom für Open Software und Open Hardware, Commons-Lizenzen und offene Netze einsetzen. Etwa sollen die ICT-Systeme der öffentlichen Hand auf eine Open-Source-Basis umgebaut werden. Auch setzte man sich für die Gewährleistung der Netzneutralität ein. Sie sei eine zentrale Voraussetzung, um die Kontrolle durch wenige Konzerne zu verhindern. (kjo)