Raiffeisen und Avaloq entflechten sich

Raiffeisen verkauft Anteile am Joint-Venture Arizon an Avaloq. Und stösst die 10-Prozent-Beteiligung an Avaloq an Warburg Pincus ab.
 
Die Verflechtung von Banken und IT-Dienstleistern gilt als veraltet. So hat man da und dort den Kopf geschüttelt, als Raiffeisen und Avaloq 2014 das Gemeinschaftsunternehmen Arizon gründeten. Arizon löst mit dem "Rainbow" genannten Projekt die Uralt-Lösung Dialba bei den vielen kleinen Genossenschaftsbanken ab und wird die Software für die Banken betreiben. Zudem wird Arizon auch gewisse Business-Prozesse für die Raiffeisen-Banken abwickeln.
 
Nun verkauft Raiffeisen den 51-Prozent-Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Arizon an Avaloq. Die Geschäftsleitung von Arizon bleibe unverändert, heisst es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Avaloq und Raiffeisen. Der Verkauf erfolgt nicht sofort, sondern per 1. Januar 2019.
 
Ein gutes Zeichen für das Monsterprojekt "Rainbow"
Dass Raiffeisen aus Arizon aussteigt, respektive aussteigen kann, scheint ein gutes Zeichen für das Monster-Projekt "Rainbow" zu sein. Die neue Plattform stehe "demnächst" vor der Einführung, heisst es selbstsicher in der Mitteilung. Schon diesen Juni sagte uns Raiffeisen-CIO Rolf Olmesdahl, dass Raiffeisen die Beteiligung an Arizon reduzieren wird, wenn Avaloq erfolgreich eingeführt wird.
 
Dass man schon heute mitteilt, Avaloq werde in einem Jahr Arizon ganz übernehmen, signalisiert, dass man sich sicher ist, dass "Rainbow" erfolgreich abgeschlossen werden kann. Raiffeisen will per 1. Januar die ersten Genossenschaftsbanken auf die neue Kernbankenlösung migrieren und Dialba abschalten.
 
Warburg Pincus setzt noch mehr Geld auf den Avaloq-Börsengang
Raiffeisen verkauft nicht nur den Mehrheitsanteil an Arizon für einen nicht genannten Betrag an Avaloq, sondern steigt auch als Aktionär beim Software-Entwickler aus. Die 10-Prozent-Beteiligung von Raiffeisen übernimmt die Beteiligungsfirma Warburg Pincus. Raiffeisen stieg im Dezember 2014 bei Avaloq ein, um die Kapitalbasis der Zürcher Software-Firma zu stärken.
 
Warburg Pincus besitzt nun 45 Prozent an Avaloq. Wieviel die Beteiligungsfirma für den 10-Prozent-Anteil bezahlt hat, ist nicht bekannt. Als Warburg Pincus im März einstieg, bewertete man Avaloq mit über einer Milliarde Franken. Somit hätte der Verkauf Raiffeisen etwa 100 Millionen Franken in die Kasse gespühlt.
 
Vertrag bis 2024
Avaloq und Raiffeisen teilen zudem mit, wie lange der Dienstleistungsvertrag laufen wird. Raiffeisen habe einen Service-Vertrag mit Arizon bis 2024, also für sieben Jahre, abgeschlossen, heisst es.
 
Der Vertrag garantiert der Avaloq-Tochter Arizon planbare Erträge. Das hilft Avaloq angesichts des erklärten Ziels eines Börsengangs. (hc)
 
Lesen Sie auch unser zweiteiliges Interview mit Raiffeisen-CIO Rolf Olmesdahl, in dem er über das Projekt Rainbow und die Zusammenarbeit mit Avaloq spricht:
 
"Funktional sind wir mit der Dialba-Ablösung fast fertig" (Teil 1)
 
"Wir hatten mit Avaloq harte Diskussionen" (Teil 2)