Was E-Gov-User machen und was sie wollen

Resultate der ersten nationalen E-Government-Studie.
 
Das E-Government-Angebot sollte in der Schweiz weiter ausgebaut werden. Behindert werde die Schaffung zusätzlicher Online-Angebote aber oft durch mangelnde finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen. Dies ist das Fazit, welches das Informatiksteuerungsorgan des Bundes aus der heute Montag veröffentlichten ersten nationalen E-Government-Studie zieht.
 
Die besagte Studie (Link öffnet PDF) wurde von der Geschäftsstelle E-Government Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) publiziert. Durchgeführt wurde sie vom Meinungsforschungsinstitut DemoSCOPE. Die Studie zielte darauf ab, Meinungen sowohl aus der Bevölkerung als auch aus Unternehmen und den Behörden selbst zu sammeln. Die Befragung wurde in diesem Sommer durchgeführt. Es beteiligten sich knapp 2500 Privatpersonen, knapp 1500 Unternehmen, der grösste Teil der Kantone und Gemeinden der Schweiz sowie rund ein Drittel der Departemente und Ämter des Bundes.
 
Die Studie soll in Zukunft alle anderthalb Jahre wiederholt und zum zentralen Monitoring-Instrument der Geschäftsstelle E-Government werden.
 
Auf allen drei Ebenen, so ein Resultat, bei der Bevölkerung, den Unternehmen sowie Vertreterinnen und Vertretern aller drei Staatsebenen, besteht das Bedürfnis nach einem weiteren Ausbau des bestehenden E Government-Angebots.
 
Die Bevölkerung nehme Behördendienstleistungen allerdings eher selten aktiv in Anspruch, schreiben die Studienautoren in ihrer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse. Die wichtigsten Argumente für die Nutzung des elektronischen Wegs seien die Zeitersparnis und eine grössere zeitliche Flexibilität.
 
Die Hälfte der Bevölkerung benutze insgesamt eine bis zwei Dienstleistungen jährlich, ein Fünftel nutze gar keine Dienstleistungen. Wenn Dienstleistungen in Anspruch genommen würden, geschehe dies in etwa 30 Prozent der Fälle ausschliesslich auf dem digitalen Weg. Etwa gleich viele Personen nutzten zumindest die Hälfte der Dienstleistungen online.
 
Die weitaus am häufigsten online abgewickelte Tätigkeit sei das Ausfüllen der Steuererklärung. Die Fristverlängerung für die Einreichung der Steuererklärung werde ebenfalls häufig digital vorgenommen. Informationen zu Landkarten oder statistischen Daten würden gesucht, E-Rechnungen von Behörden empfangen und E-Payments durchgeführt.
 
Wunsch nach E-Voting und E-Fundbüro
Die Befragten würden gerne viele Dienstleistungen, die sie bis jetzt nicht online erledigen konnten, über den elektronischen Weg nutzen. Dieses Interesse bestehe insbesondere bei Abstimmungen und Wahlen, aber auch bei der Meldung und Suche verlorener Gegenstände, der Bestellung von Kontrollschildern und der Bestellung eines Führerausweisersatzes.
 
Bei der Nutzung von Online-Dienstleistungen sähen 20 Prozent der Befragten Hindernisse. Die grössten seien demnach das fehlende Vertrauen in den Datenschutz und die Datensicherheit, gefolgt von der Schwierigkeit, die richtigen Angebote der Behörden zu finden.
 
Unternehmen nutzen E-Gov häufiger
Unternehmen würden häufiger aktiv Behördendienstleistungen in Anspruch nehmen als die Bevölkerung, heisst es weiter. Fast die Hälfte tue dies mindestens drei Mal im Jahr. Ein Grossteil der Unternehmen wickle dabei mindestens die Hälfte der Dienstleistungen digital ab.
 
Am häufigsten hätten die befragten Unternehmen online an statistischen Umfragen von Behörden teilgenommen. Knapp die Hälfte der Firmen habe die Steuererklärung online ausgefüllt und eingereicht oder online eine Fristverlängerung der Steuererklärung beantragt. Mehr als ein Drittel der Unternehmen habe Adressänderungen gemeldet, das Unternehmen bei der Sozialversicherung online angemeldet oder die Sozialversicherung elektronisch abgerechnet.
 
Mutationen im Handelsregister, Betreibungen
Am stärksten ausgeprägt sei bei den Unternehmen der Wunsch für Online-Angebote bei der Meldung von Mutationen ans Handelsregister sowie beim Bestellen von Betreibungsauskünften und dem Stellen von Betreibungsbegehren. Nur acht Prozent der befragten Unternehmen sähen bei der Nutzung von Online-Angeboten Hindernisse. Das Haupthindernis bestehe in der Schwierigkeit, die richtigen Angebote der Behörden zu finden.
 
Bei den Behörden sind die Online-Angebote je nach Verwaltungsebene unterschiedlich. Die Kantons- und Gemeindebehörden würden vor allem durch die Bedürfnisse der Nutzenden und die Möglichkeit einer Verbesserung der Dienstleistungsqualität zur Lancierung von Online-Angeboten motiviert. Bei den Bundesbehörden stehe dagegen eher die
Prozessoptimierung im Vordergrund. (hjm/sda)