Die grosse Zuger Blockchain-Show

Auge in Auge mit der Jury, die Konkurrenz im Nacken. Hugo Moreau kämpft um 100'000 Dollar.
Versicherer und Risikokapitalisten schielen auf Blockchain-Startups.
 
Der Aufmarsch diese Woche am Zuger Blockchain Summit und die dazu gehörende Blockchain Competition war eindrücklich. (Meistens) junge Leute von Startups aus Europa und den USA waren da. Angezogen wurden sie vom Ruf des Zuger Crypto Valley, vom sagenhaften Preisgeld von 100'000 Dollar aber wohl noch mehr von der Gelegenheit, Investoren kennenzulernen. Und von diesen hatte es nicht wenige.
 
Geschickt haben die Veranstalter rund um den Zuger Blockchain-Investor und -Incubator Lakeside Partners den Wettbewerb auf das Thema Insurance eingegrenzt und damit mindestens einen Teil einer wichtigen Branche der Schweiz mit an Bord geholt. Das Schlagwort "disruptiv" trifft auf die Blockchain-Technologie für die Versicherungsbranche tatsächlich zu. Denn mittels Smart Contracts erlebt das klassische Konzept des "Versicherungsvereins" (Mutual Insurance) eine Renaissance. Versicherungen und sowieso Intermediäre wären dann ausgeschaltet.
 
Und so traten fünf Versicherungen als Sponsoren der Blockchain Competition auf und entsandten ihre Vertreter in die Jury des Wettbewerbs.
 
Wettbewerb als Schaulaufen der Ideen
Über 100 Apps, manche davon auch erst nur als Konzept, wurden für die Blockchain Competition engereicht. Davon hat die 17-köpfige Jury 60 näher angeschaut. Schliesslich konnten sich zehn Finalisten in Zug dem Publikum und einer sechs-köpfigen Schluss-Jury in 90 Sekunden präsentieren.
 
Eindeutig am meisten Applaus erntete der jüngste Teilnehmer, der 23-jährige EPFL-Student Hugo Moreau. Zwar gibt es die vorgestellte Peer-to-Peer-Versicherung ShieldIT noch nicht, doch Moreau hatte immerhin schon einen Werbeslogan parat. Und kam damit gut an. Dass sich die Jury schiesslich für ShieldIT entschied, war wohl auch ein "politischer" Entscheid. Die Gewinner studieren an der EPFL in der Schweiz, können überzeugend und witzig präsentieren und strahlen jene Selbstsicherheit aus, die man in der Schweiz so sehr an US-Firmengründern bewundert.
 
Nur vier der zehn präsentierten, auf Blockchain aufbauenden, Apps, bilden das Konzept von Peer-to-Peer-Versicherungen ab. Wie dies auch ShieldIT tun will, baut auch die Versicherung von Nexus Mutual auf einer Blockchain von Ethereum auf. Das britische Startup will als ersten Schritt schon nächstes Jahr eine Erdbebenversucherung anbieten.
 
Auch das italienische Startup Helperbit
Auch beim Jubeln professional. Die Gewinner der Blockchain Competition 2017 in Zug.
will eine Peer-to-Peer-Erdbebenversicherung aufbauen. Helperbit hat bereits eine ganze Reihe von Awards abgeräumt. Auf die Frage, warum er sich erneut an einem Wettbewerb beteilige, sagte CEO Guido Baroncini offenherzig, es gehe um die aussergewöhnliche Preissumme.
 
Eine weitere Peer-to-Peer-Versicherung kommt aus dem Kölner InsurLab. InsurLab will eine Micro-Ernte-Versicherung für arme Bauern weltweit aufbauen. Auch diese Versicherung wird mit einer Blockchain von Ethereum gebaut.
 
Regulierung entscheidend für Standort Zug und Schweiz
Unter dem Label Crypto Valley vermarkten Zuger Standortförderer, Investoren und Blockchain-Firmen den Zug und die Schweiz als idealen Ort, an dem Blockchain-Startups gedeihen können. Die Argumente sind andere als man sie in Zürich oder der Romandie hört. Während man in Zürich und Lausanne oft mit den ETHs argumentiert, sprach man am Zuger Blockchain Summit von Blockchain-freundlichen Behörden und Regulierung.
 
Die Technologie entwickle sich schneller als die Regulierung, sagte etwa Startup-Star Mona El Isa (Melonport). Es gehe nun darum, den Graben zwischen Technologie-Welt und der wirklichen Welt zu überbrücken und verbindliche Regeln zu schaffen.
 
Ins gleiche Horn stiess Olga Feldmaier. Ihre Firma, Smartvalor, sei nach Zug gekommen, weil sie auf die hiesigen Regulatoren gesetzt habe. Zug sei "the best place to be".
 
"Zug is too small for Blockchain"
Einen etwas anderen Aspekt brachte Nicolas Bürer, Managing Director von Digitalswitzerland, in die Diskussion. Er sagte, die von diversen Gross- und Grösstfirmen unterstützten Standortinitiative übe viel Druck auf die ETH aus, eine Blockchain-Einheit aufzubauen. Digitalswitzerland wolle drei bis fünf Themen aufgreifen und diese schweizweit fördern. Blockchain sei eines davon: "Zug is too small for Blockchain".
 
Entweder hat niemand im Saal bemerkt, dass Digitalswitzerland, ursprünglich aus Zürich stammend, sich das Thema Blockchain unter den Nagel reissen will. Oder es ist allen bewusst, dass Zug doch ein bisschen zu klein ist, um ein richtiges "Valley" zu sein. (Christoph Hugenschmidt)