Zwei Drittel der Spitäler wollen durchgehend digitalisieren

Treiber für den Wandel bei den Spitälern sind E-Patientendossier und Effizienzsteigerung. Security und Kosten sind die grössten Hemmschuhe.
 
Die digitale Transformation sei in den Schweizer Spitälern angekommen, schreibt Swisscom in einer Mitteilung zu einer aktuellen Studie. Rund 70 Prozent der Spitäler, Kliniken und Heime seien an der Entwicklung einer E-Health-Strategie oder hätten bereits eine. In gut 60 Prozent der Institutionen sei die Verantwortung dafür in der Organisation oder in einem Projektteam verankert. Etwas anders nuanciert MSM Research, das gemeinsam mit der Swisscom die neue Studie erarbeitet hat, seinen Schluss: Bei der Mehrheit der Institutionen sei das "Thema in seiner ganzen Tiefe und Bandbreite noch nicht angekommen", so die Marktforscher. Der Aufbruch habe zwar begonnen, aber eher noch im Bereich der Strategieplanung. Immerhin knapp 30 Prozent arbeiteten noch ohne Pläne im E-Health-Bereich. So heisst eine Präsentation des MSM-Research-CEO Philipp Ziegler dann auch: "E-Health und ICT – die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist eingeläutet".
 
Der Wandel geht weit über das elektronische Patientendossier hinaus
Als wichtige Treiber der Transformation nannten fast zwei Drittel der Befragten das elektronische Patientendossier (EPD), dahinter folgen das Klinikinformationssystem (KIS) mit 59 Prozent, mobile Lösungen (48 Prozent) und das ERP (46 Prozent). Die gesetzlich vorgeschriebene Einführung des EPD in den nächsten drei Jahren bestimmt grob den Zeitrahmen für die E-Health-Projekte. Die Spitäler "nehmen aber auch deshalb Tempo auf, weil sie auf der technischen Infrastruktur des EPD zusätzlich neuartige digitale Prozesse abwickeln können, die ihre Effizienz entscheidend steigern", lässt sich Thomas Bachofner, CEO von Swisscom Health, in der Mitteilung zitieren.
 
So gehen die Vorstellung der Digitalisierung weit über die Einführung des digitalen Patientendossiers hinaus: Von der Datenerfassung über den Datenaustausch bis zur Archivierung, wollen rund zwei Drittel der Institutionen die Prozesse durchgehend digitalisieren. Davon versprechen sie sich neben der Steigerung der Effizienz (73 Prozent) eine bessere Kommunikation (68 Prozent), individuellere und raschere Reaktionen auf Patientenbedürfnisse (52 Prozent) und mehr Transparenz der Prozesse (47 Prozent).
 
Mehr Budget für Managed Services und Cloud
Im laufenden Jahr fliessen noch 60 Prozent des IT-Budget in den Eigenbetrieb der traditionellen ICT. Die übrigen Gelder werden für Managed Services und Cloud Services ausgegeben. 2019 sollen es laut der Studie bereit 54 Prozent sein, die für externe Services aufgewendet werden. MSM Research sieht dann auch die Cloud als eigentlichen Motor der digitalen Transformation. So werde das Management hybrider Umgebungen zunehmend zu einem kritischen Erfolgsfaktor.
 
Bei ihrer Transformation setzen die Befragten auf Dienstleister mit Kenntnissen der Prozesse im Schweizer Gesundheitswesen und deren Digitalisierung. Als grössten Hemmschuh für die Umsetzung von E-Health sehen fast die Hälfte der Institutionen Security-Aspekte und nochmals 23 Prozent nennen Datenschutzfragen. 32 Prozent sehen die Kosten als grosses Hindernis, dahinter folgen fehlende Standards (32 Prozent) sowie Aufwand und Komplexität (27 Prozent).
 
Für die Studie haben MSM Research und Swisscom Health 44 Schweizer ICT-Verantwortliche von Spitälern, Kliniken und Heimen befragt. Zusätzlich wurden weitere Befragungen zu Ausgaben im ICT-Bereich ausgewertet. (ts)