Aargauer Kapo lobt Prognose-Software Precobs

Winterthur will sie nicht, Solothurn auch nicht, Zürich und der Kanton Aargau hingegen schon. Die Rede ist von der musterbasierten Tatvorhersage-Software Precobs (Pre Crime Observation System). Die Software erstellt aufgrund vergangener Fälle Prognosen, um Orte erhöhter Einbruchsgefahr besser schützen zu können.
 
Seit 2015 steht Precobs bei der Kantonspolizei (Kapo) Aargau im Einsatz. Seither ist die Zahl der Einbrüche um 37 Prozent zurückgegangen. Investiert wurden rund 100'000 Franken, wie Pressesprecher Roland Pfister zu inside-it.ch sagt.
 
Im letzten Jahr verzeichnete der Kanton Aargau zwar alle fünf Stunden und vier Minuten einen Einbruch. Doch was nach viel tönt, war deutlich weniger als noch vor ein paar Jahren. 2013 waren kantonsweit 2739 Einbrüche registriert worden, 2016 noch 1729, berichtet die 'Aargauer Zeitung'. Eine Entwicklung, die sich laut der Kapo Aargau in diesem Jahr fortsetzen wird, wie es heisst.
 
Precobs oder doch nur der Markt für Diebesgut?
Auch wenn sich der Erfolg des Systems wie bei allen Präventivmassnahmen nicht direkt messen lasse, dürfe dieser Rückgang an Einbrüchen sicher Precobs zugeschrieben werden, sagte die Kapo dem Blatt. Die Software arbeitet mit Informationen von bereits begangenen Einbrüchen, prognostiziert also desto genauer, je mehr Daten genutzt werden. Die Macht der Gewohnheit macht Precobs wirksam, da Einbrecher häufig mehrmals im gleichen Quartier zuschlagen. Droht in einer Region des Kantons eine Einbruchsserie, schlägt der Computer Alarm, rund 200-mal kam dies bisher vor. Mit gezielter Polizeipräsenz würden so in einem betroffenen Gebiet Einbrüche verhindert. Bleiben dort Folgedelikte aus, darf dieser Erfolg sicherlich Precobs zugeschrieben werden, so die Kapo.
 
Zwar spielten immer auch Zufälle eine Rolle und Precobs sei kein Wundermittel, aber doch ein wertvolles Instrument für die Polizeiarbeit, schiebt die Kapo Aaargau in dem Bericht nach. Zudem sei die Bevölkerung sensibilisierter als früher, es gebe weniger Bargeld im Haus und weniger Uhren und Schmuckstücke.
 
Anders sieht es Strafrechtsexperte Martin Killias. Er beurteilt das Vorhersage-System kritisch: "Nach heutigem Wissensstand ist die Wirksamkeit von Precobs nicht belegt. Ob und inwiefern der Rückgang bei den Einbrüchen mit der Software zusammenhängt, lässt sich nicht abschätzen", sagte Kilias der Zeitung. Er sieht vielmehr das Geschäft der Einbrecher grundsätzlich in der Krise, weil unter anderem der Verkauf von gestohlenen Handys und Laptops kaum mehr rentabel sei. (vri)