Europa bietet dem Silicon Valley Paroli

Die Anzahl der Entwickler pro Land. Source: Atomico & Slush, State of European Tech, 2017
Die Deep-Tech-Hubs in Europa werden immer grösser. Die Schweiz zeichnet sich mit Know-how in den Bereichen Crypto, Blockchain und Quantencomputing aus.
 
Wie steht es um die europäische Tech-Branche, insbesondere was Forschung und Entwicklung anbelangt? Dieser Frage widmete sich Atomico in Zusammenarbeit mit Slush im zum dritten mal erschienenen "State of the European Tech"-Report. "In Europa entsteht ein technologisches Ökosystem, das durch tiefgreifende technische Fachkenntnisse, eine geografische Diversifizierung und einem einzigartigen kollaborativen Ansatz mit der traditionellen Industrie definiert wird", so das optimistische Bild der Studienautoren.
 
Die Frage, ob Europa Innovationen von Weltrang hervorbringen könne, sei ebenso beantwortet wie die Frage, ob Europa eine 100-Milliarden-Dollar-Firma produzieren könne. Die Wahrscheinlichkeit, so heisst es weiter, dass das nächste branchenbestimmende Unternehmen aus Europa kommen und zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt werden könnte, sei nie höher gewesen.
 
Talent ist Lebenselixier
Als Indikator für die Weiterentwicklung der Tech-Branche untersuchte die Studie auch den Talentpool der jeweiligen Länder. "Jeder Gründer wird sagen, dass Talent das Lebenselixier seines Unternehmens und seiner Branche ist", so die Autoren. Aber wie solide ist die Tech-Talent-Pipeline in Europa, wie konzentriert und wie wettbewerbsfähig ist sie?
 
In fast allen europäischen Ländern gebe es im Vergleich zu 2016 heute mehr professionelle Entwickler. Hierzulande arbeiten laut dem Bericht aktuell 144'000 Professional Developers. Zum Vergleich: Gemäss ICTswitzerland gab es im Jahr 2015 210'800 Beschäftigte im ICT-Berufsfeld, darunter 30 Prozent Softwareentwickler, weitere 15 Prozent können im weitesten Sinne dem Entwicklungsbereich zugeordnet werden.
 
Glaubt man den Zahlen von Atomico liegt die Schweiz auf Rang elf gemessen an den Entwicklern pro Land. Allein in Zürich sollen 60'000 Entwickler arbeiten. Die Spitzenplätze werden von Deutschland, Grossbritannien und Frankreich belegt, wobei unser nördliche Nachbar erstmals Grossbritannien überholte. Die Schweiz zieht ausserdem Talente aus dem Ausland an: Immerhin auf dem siebten Land liegt die Schweiz, was die Einwanderung von IT-Talenten
Welches Land ist am besten aufgestellt, um in einem bestimmten Bereich eine führende Position zu erlangen? (Source: Atomico & Slush, State of European Tech, 2017)
anbelangt.
 
Vergleicht man die von Atomico genannte Zahl der Entwickler mit der Bevölkerung der Länder, rückt die Schweiz deutlich vor Deutschland und Grossbritannien. Demnach zählt die Schweiz 17 Entwickler pro 1000 Einwohner, Deutschland zehn und Grossbritannien kommt auf zwölf Developer pro 1000 Einwohner.
 
...und was passiert in der europäischen Tech-Welt?
Künstliche Intelligenz und Blockchain werden als die Bereiche genannt, in denen Europa besonders gut positioniert sei, um eine global führende Position einzunehmen. Die Befragten im DACH-Raum nannten daneben auch autonome Autos und Robotics.
 
"In welchem Bereich kann welches Land eine weltweit führende Position einnehmen?", so eine weitere Frage in der Studie. Die Schweiz wurde in den Bereichen Crypto und Blockchain, Genomik sowie Quantencomputing genannt.
 
In Europa gebe es über 8000 Blockchain-Projekte. An den meisten wird in Grossbritannien gearbeitet, die Schweiz rangiert auf dem siebten Platz mit über 300 Projekten. Somit ist auch nachzuvollziehen, dass die Befragten in der Schweiz für den Berich Crypto/Blockchain Änderungen bei den Regulierungen als dringlich beurteilen.
 
Die Ergebnisse der Atomico-Studie beruhen auf einer Reihe von Datenquellen. Daten stammen unter anderem von Linkedin, Stack Overflow und dem London Stock Exchance. Ausserdem wurden Interviews mit Vertretern von Unternehmen, Investoren und Startups geführt. Die vollständige Studie gibt es online. (kjo)