2030 soll in der Schweiz jede vierte Tätigkeit automatisiert sein

Eine neue Studie zeigt, welche Jobs betroffen sind und wo neue Stellen entstehen.
 
In den reichen Nationen wird die Automatisierung bis 26 Prozent der heutigen bezahlten Tätigkeiten ersetzen, während in ärmeren Ländern wie Indien nur rund neun Prozent von Maschinen übernommen wird. Diese Tätigkeiten sind Bereiche innerhalb von Jobs, so sind nur etwa fünf Prozent der Jobs ganz automatisierbar während noch rund 60 Prozent zu mindestens einem Drittel automatisiert werden können. Dies prognostiziert das McKinsey Global Institute (MGI), die Forschungsabteilung der Beratungsfirma McKinsey, für das Jahr 2030. Als Gründe der Differenz zwischen den reichen und den armen Ländern nennen die Forscher unter anderem die finanziellen Mittel für Investitionen sowie das Lohnniveau. Dieses ist ein wichtiger Antrieb zur Ersetzung von menschlicher Arbeit. Die Schweiz, für die keine detaillierten Angaben veröffentlicht wurden, rangiert bei der Automatisierung mit 25 Prozent weit vorne und hat von den 45 untersuchten Ländern nur noch Japan und Südkorea vor sich.
 
Etwa gleich auf wie die Schweiz liegt der grosse Nachbar Deutschland für den genauere Angaben publiziert wurden. Die BRD hat eine etwas andere demographische Zusammensetzung und auch die wirtschaftliche Landschaft sieht anders aus, aber einige der Feststellungen für Deutschland dürften auch die Schweiz betreffen: Die Forscher sehen bis 2030 rund 24 Prozent der Arbeitsaktivitäten automatisiert, in einem verschärften Szenario sogar bis 47 Prozent. Dem stehe aber ein Wachstum von Arbeitsplätzen gegenüber, welches im normalen Szenario die Verluste überkompensiere und in der zugespitzten Variante zumindest abfedere.
 
Zugleich werde wegen der alternden Bevölkerung die Anzahl der Arbeitskräfte abnehmen, wobei MGI für die Schweiz von einer leicht jüngeren Einwohnerschaft ausgeht. Alles in allem also prognostiziert MGI nun nationenspezifisch, was die Forscher schon im Januar erklärt hatten: Kein Grund zur Panik.
 
Rund ein Drittel der Arbeiter müssen den Job wechseln
Denn schon im Januar hatte MGI vorsichtige Entwarnung gegeben: Der Effekt der Automatisierung auf den Arbeitsmarkt entfalte sich langsamer und schwächer als in einigen alarmierenden Studien (Etwa aus Oxford: PDF) angenommen. Damals fehlte aber die Darstellung, um welche neuen wie alten Jobs es sich in welchem Land handeln werde. Dies wurde nun etwa für Deutschland nachgeholt: Am meisten neue Jobs, an die die Freigestellten andocken könnten, werden bei den Anwälten und Business-Spezialisten geschaffen, gefolgt vom Gesundheitsbereich. Gleich dahinter folgen der ICT-Sektor mit Entwicklern und IT-Spezialisten.
 
Am stärksten von der Automatisierung Betroffen sind laut McKinsey Büro-Angestellte sowie die handwerklichen Berufe in vorhersehbaren Umgebungen wie etwa Maschinisten oder Köche.
 
Bis zu 32 Prozent der Arbeitskräfte in Deutschland sei bis 2030 gezwungen ihre Berufsgruppe zu wechseln, so MGI. Wichtig sei hierbei, dass sie eine entsprechende Ausbildung erhalten. McKinsey stellt der Schweiz mit dem dualen Bildungssystem recht gute Noten aus und verweist auf Grundlage von OECD-Zahlen auf die wachsenden Ausgaben in diesem Bereich.
 
Warum solche Prognosen mit Vorsicht zu geniessen sind, sie sehr stark voneinander abweichen und was die Probleme der Datenlage und -Interpretation sind, haben wir im Januar dargelegt.
 
Die aktuelle Studie kann bei McKinsey heruntergeladen werden. (Thomas Schwendener)