Amazon: Roboter ersetzen unter dem Strich Menschen

Die Automatisierung vernichtet massiv Arbeitsplätze, sagen die einen. Alles halb so wild, beruhigen die anderen. Auf Makroebene bleibt vieles spekulativ. Die Tech-Publikation 'Quartz' hat nun konkret am Fall Amazon untersucht, wie sich der Einsatz von Robotern auf die Beschäftigungszahlen auswirkt. Das Resultat: Es werden in den USA insgesamt Stellen im Einzelhandel verschwinden, auch wenn Amazon im Jahresvergleich 40 Prozent mehr Menschen beschäftigt.
 
Die Argumentation geht so: Bei den Konkurrenten von Amazon, wie etwa Buchhandlungen, werden im Jahresvergleich 2016 und 2017 rund ein Prozent der Stellen verschwinden – das erste Mal seit 2009 seien die Zahlen rückläufig. In absoluten Zahlen heisst das, dass 170'000 Arbeitsplätze in den USA wegfallen. In der selben Zeit stellt der wachsende Tech-Riese weltweit 146'000 Mitarbeiter an. Unter dem Strich bedeutet das ein Minus von 24'000 Stellen in jenen Bereichen des Einzelhandels, in denen Amazon tätig ist.
 
Das Minus erklärt 'Quartz' mit dem Einsatz von Robotern. So habe Amazon dieses Jahr bereits 55'000 Roboter in Einsatz genommen und plane noch mehr, so dass Ende 2017 schätzungsweise 75'000 neue Roboter in den Amazon-Hallen ihren Dienst verrichten werden. Zwar kann 'Quartz' die Kausalität nach eigenem Bekunden nicht nachweisen, aber die Korrelation zwischen Stellenabbau und Robotereinsatz liege auf der Hand.
 
Diese Entwicklung ist deshalb bedeutend, weil Amazon auf Kosten seiner weniger automatisierten Konkurrenten wächst. So macht Amazons Wachstum rund einen Drittel des Online-Shoppings aus, dessen Volumen laut Prognosen dieses Jahr um zehn Prozent steigen soll. Am Ende des Jahres übersteigt laut Wall-Street-Analysten Amazons Anteil am US-Online-Shopping die 50-Prozent-Grenze. Im gesamten Einzelhandel liegt der Anteil des Giganten bei gerade mal drei Prozent, aber Amazon habe auch hier 20 Prozent zum Wachstum beigetragen.
 
Und in der Schweiz…
Auch hierzulande ist Amazon beliebt: Im August rangierte der Gigant im Carpathia-Ranking mit 475 Millionen Franken Umsatz auf Rang drei. Und kürzlich hat Amazon eine Kooperation mit der Schweizer Post vereinbart. Fraglich ist natürlich, ob die Abfertigung bei Amazon etwa jener von Digitec oder Brack technisch überlegen ist.
 
Die Tendenz zur Automatisierung im Einzelhandel dürfte aber, das ist wohl nicht allzu spekulativ, auch vor der Schweiz nicht halt machen. Wer hier allerdings Vorreiter sein wird und ob sich die Zahlen analog zu jenen in den USA entwickeln, bleibt abzuwarten. (ts)