UBS, CS und Six testen Blockchain und Smart Contracts für Datenabgleich

Die neue Finanzmarktrichtlinie MiFID II reguliert die Bedingungen für den Wertpapierhandel europaweit neu. Dies nimmt eine Gruppe von Finanzakteuren unter der Führung von UBS zum Anlass, ein Blockchain-Pilotprojekt zu lancieren, so eine Mitteilung.
 
Beim Projekt geht es nicht nur um Clearing oder Abrechnung, sondern um die Datenqualität, welche man mit Blockchain und Smart Contracts sicherstellen will.
 
MiFID II beinhaltet unter anderem, dass Akteure von Finanztransaktionen neu einen individuellen Legal Entity Identifier (LEI) haben, einen eindeutigen und weltweit gültigen Identifikator des Rechtsträgers. Neben Namen und Adressen sind dies auch Attribute wie Branchenklassifizierung, Kennungen und Daten der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde.
 
Der Abgleich zwischen den unterschiedlichen Parteien ist nicht trivial, es geht um Tempo, Datenqualität, Transparenz, Systemstabilität und Kosten gleichzeitig. Mit dem Pilotprojekt wollen die Beteiligten – Barclays, Credit Suisse, KBC, SIX, Thomson Reuters und UBS – alle diese Aspekte in den Griff kriegen.
 
"Üblicherweise führt ein Unternehmen wie unseres Qualitätsprüfungen von Daten anhand mehrerer Quellen durch, aber wir haben keine zuverlässige Baseline in Bezug auf andere Vertreter unserer Branche", erklärt Christophe Tummers, Head of Data bei UBS das Projekt. "Durch die Verwendung von Blockchain-basierten Smart Contracts kann der Datenabgleich für alle Beteiligten nahezu in Echtzeit erfolgen, und das anonym."
 
Die Medienmitteilung spezifiziert das Projekt weiter: Die spezifischen Referenzdaten für jede Rechtseinheit bleiben mit Hashing verschlüsselt. Die Quelldaten werden beim teilnehmenden Institut geführt und bleiben auch dort. Nur gehashte Daten werden anonym an eine private Blockchain von Ethereum weitergeleitet, die auf Microsoft Azure läuft. Die Ethereum Smart Contracts gleichen dann die Daten mit dem Konsens ab und jeder Teilnehmer könne via eine Schnittstelle seine eigenen spezifischen Daten in Echtzeit suchen und kontrollieren. "Ein Benutzer kann so Anomalien im Datensatz schnell identifizieren und beheben", so die Mitteilung.
 
Der Pilot, beim UBS-Innovationslabor Level39 in London lanciert, ist mit grossen Hoffnungen verknüpft. "Die Nutzung von Blockchain für die Lösung realer regulatorischer Anforderungen auf kostengünstige Weise ist äusserst attraktiv", lässt sich Emmanuel Aidoo, Head of Blockchain Strategy bei Credit Suisse, zitieren.
 
Das Pilotprojekt läuft aktuell in einer Test-Umgebung mit 22‘000 nicht sensiblen LEI-Referenzattributen für Aktienemittenten. Ende Januar 2018 wollen die Beteiligten wissen, wie weiter. "Je nach den gewonnenen Erkenntnissen erfolgt dann ein weiteres gestaffeltes Rollout".
 
Die MiFID II Regulierung der Finanzmärkte tritt am 3. Januar 2018 in Kraft. Sie will mehr Transparenz schaffen, mehr Geschäfte an geregelte Märkte verlagern, KMUs den Zugang zu Kapital erleichtern, den Anlegerschutz stärken und den Hochfrequenzhandel neu regulieren sowie die Aufsicht und die Kooperation zwischen den zuständigen nationalen Behörden stärken. (mag)