Valora geht in die Cloud

Der Kiosk ist nur einer der 1100 POS von Valora in der Schweiz. (Source: Valora)
Google hat einen neuen Vorzeige-Cloud-Kunden. Die Kiosk-Mutter Valora hat mit der Migration in die Cloud ihre IT-Landschaft homogenisiert.
 
Der Besitzer von unter anderem Avec, Kiosk, und Press & Books, Valora, ist neuer Cloud-Kunde von Google. Zusammen mit dem US-Cloud-Anbieter und dem Google-Partner Wabion hat Valora heute im Rahmen eines Medienfrühstücks einen Einblick in das Projekt gegeben.
 
In der Cloud sind nun die Lösungen an rund 1100 Verkaufsstellen (POS), von 70 Mitarbeitenden am Hauptsitz und die Kommunikationslösungen für die Zusammenarbeit mit rund 500 externen Lieferanten und Partnerfirmen, erklärt Valora-CIO Roberto Fedele.
 
Heterogene IT-Landschaft sollte vereinfacht werden
Mit dem Schritt in die Cloud sollte unter anderem die heterogene IT-Landschaft vereinfacht werden. Das Unternehmen betrieb eine Reihe von Lösungen, die der Kommunikation und Abwicklung der Geschäftsprozesse der POS dienten. Darunter mehrere Mail-Domänen, Salesforce und Wink, Intranet und Extranet sowie Sharepoint und Office-Programme.
 
"Die Prozesse waren wenig abgestimmt und die Kommunikationsabläufe unstrukturiert", so Fedele. "Im Sinne des Wachstums warem wir nicht effizient."
 
Für eine Cloud-Lösung habe man sich wegen der klassischen Vorteile entschieden. So sollte sich die Agilität erhöhen, Schatten-IT abgelöst und Synergien geschaffen werden, die Skalierung sollte ebenso vereinfacht werden wie die interne und externe Kommunikation. Ausserdem wollte Valora die Vertriebsprozesse automatisieren sowie die Kommunikationsprozesse standardisieren. "Das Management der Informationen zum und vom POS", fasst der Valora-CIO das Projekt zusammen.
 
Kommunikationsprozesse wurden standardisiert
Im Einladungsverfahren hat Valora sich schliesslich für die Google-Cloud-Plattform entschieden, die vom Partner Wabion entsprechend angepasst und eingeführt wurde. Der Google-Partner Wabion ist in der gesamten DACH-Region aktiv und mit einer Niederlassung in Olten in der Schweiz präsent.
 
Es habe sich nicht um das "billigste" Angebot, aber um das "wirtschaftlich günstigste gehandelt", so der Valora-CIO. Wabion sei eines von sechs Unternehmen gewesen, das offeriert habe, fügt Co-Geschäftsführer Michael Gomez an.
 
Insbesondere der kollaborative Aspekt der Plattform habe überzeugt, so Valora. Es wurden sieben IT-Lösungen abgelöst. Das nun eingeführte Cloud-Produkt "Vapos.Info" besteht im Wesentlichen aus der Google G Suite, inklusive den SaaS-Lösungen Drive, Mail und Kalender. Vom Google-Partner Wabion wurden auf der App-Plattform Firebase noch Zusatzfunktionen aufgebaut. Darunter etwa eine App, über die Mitarbeitende in den Geschäften einen standardisierten Prozess auslösen können. Als Beispiel wird "Kühler defekt" genannt.
 
IT-Abteilung soll nicht verkleinert werden
Konkrete Zahlen zu den Kosten und oder Einsparungen des Cloud-Projekts wollten die Partner nicht nennen. Valora sei noch daran dies im Detail zu evaluieren. Aber es handle sich um "erhebliche Kosten", die man einspare, jetzt "wo wir die Stecker ziehen."
 
Die Valora-IT-Abteilung soll laut Fedele nicht verkleinert werden. Es gebe kein Abbauprogramm, sondern man wolle sich jetzt um neue, spannende Projekte konzentrieren, so der CIO. "Talente sind rar. Wir wollen die IT-Leute so effizient wie möglich einsetzen".
 
Als nächstes ist der Rollout in Deutschland geplant
Vapos.Info wurde in der Schweiz im zweiten und dritten Quartal 2017 ausgerollt. Als nächstes soll Deutschland folgen und danach beginne der Rollout in Luxemburg. Daneben wolle man im Frühjahr 2018 prüfen, wo sich der Cloud-Einsatz neben den POS noch eigne, insbesondere soll geprüft werden, welche Kommunikations- und Kollaborationslösungen für Zentralfunktionen eingesetzt werden können. Danach folge eine Evaluation für den Einsatz im Bereich Food Service, wozu etwa die Marken Ditsch oder Brezelkönig gehören.
 
Valora reiht sich zu Ringier, Tamedia und Roche
Google gibt sich, wie man es von US-Unternehmen gewohnt ist, eher bedeckt, was die Zahl der Kunden in der Schweiz anbelangt. Die Cloud aber sei ein Wachstumstreiber. Urs Hölzle, SVP Engineering, erwarte, dass die Cloud so wichtig für das Unternehmen sein werde wie es zur Zeit der Ad-Verkauf ist.
 
Zu den Google-Cloud-Kunden hierzulande gehören unter anderem Ringier, LafargeHolcim mit 100'000 Usern weltweit, der Küchenhersteller Franke und Roche. Auch Tamedia gab letztes Jahr bekannt, die bisherige Kollaborationsplattform mit Google Apps for Works abzulösen. Wie auch bei Valora war beim Tamedia-Projekt der Google-Cloud-Premier-Partner Wabion beteiligt. Daneben zähle man eine Vielzahl von KMU als Cloud-Kunden, führt Pascal Keller, bei Google Schweiz für das Cloud-Geschäft verantwortlich, aus. Weltweit seien es drei Millionen Firmen. Diese beziehen die Cloud-Dienste direkt und ohne Implementierungsparter. Das Partnermodell, so Keller, sei aber ein Erfolgsmodell für Google. (Katharina Jochum)
 
(Update 18.11 Uhr: Der zweite Absatz wurde präzisiert.)