Immer mehr Patentanträge für IoT aus der Schweiz

ABB-Erfindungen etablieren die Schweiz auf der IoT-Weltkarte, so das Europäische Patentamt. Aber Software-Patente sind umstritten.
 
Das Internet of Things (IoT) wird heute schon immer bedeutender und mit Industrie 4.0 noch viel bedeutender werden. Dies sind Fakten, Hoffnungen und Versprechen gegenwärtig, und sie manifestieren sich auch bei Patenten. Um zu zeigen, was im IoT-Markt an Erfindungen läuft, hat das europäische Patentamt (EPA) für eine Studie seine Datenbanken auf Patentanträge hin durchforstet.
 
Auch Patentanträge für Schweizer Entwicklungen finden sich unter den Analysen. Und es sind nicht wenige. Führend seien zwar in Europa Deutschland und Frankreich, aber dann folgen sogleich UK, Schweden oder auch die Schweiz: Ein Prozent aller Industrie-4.0-Patentanträge weltweit stammen aus der Schweiz und das herausragende Beispiel sei ABB, errechnet die Studie. 24 Prozent der ABB-Anträge seien zwischen 2011 und 2016 alleine aus der Schweiz gekommen, der Rest verteile sich auf Erfindungen aus mehreren Ländern.
 
Wegen des Erfindungsreichtums von ABB also rangiert die Schweiz in der europäischen Spitze, aber auch die Anzahl von Patenten lässt sich sehen: Wurden 2013 noch 34 Patentanträge aus der Schweiz registriert, so sind es mittlerweile stabil über 60 (2016: 67).
 
Drei Prozent aller Patentanmeldungen beim EPA stammen aus den Bereichen Computing, Connectivity, Smart Objects und Data Exchange. Diese definieren die IoT- und Industrie-4.0-Welt, die am Entstehen ist und die Anzahl von Erfindungen wachse schnell, so die Studie.
 
In den vom EPA definierten drei IoT-Oberkategorien steht nach Anzahl Patentanträge "Core Technologies" (Hardware, Software und Connectivity) an der Spitze, primär werden patentwürdig scheinende Connectivity-Produkte entwickelt.
 
Den zweiten Rang hat "Application Domains" (Home, Personal, Enterprise, Manufacturing, Infrastructure, Vehicles) inne, mit Schwergewicht Erfindungen im Privat-und Enterprise-Bereich.
 
Und noch nicht ganz so bedeutend in Europa sind die Innovationen in der dritten Kategorie "Enabling Technologies" (Analytics, Security, KI).
 
Sorgenkind Software
Ein "grosser Teil der gegenwärtigen Erfindungen", so das EPA, basiere auf "Software-Implementierungen" und nicht auf Hardware. Ein interessanter Punkt, denn Software-Patente sind schwieriger zu erlangen als Hardware-Patente in Europa. "Software an sich" ist je nachdem von Patentierung ausgeschlossen, beziehungsweise muss vertiefte Prüfungen durchlaufen, um als eigenständige Erfindung gelten zu können. Was das genau heisst, ist immer wieder Gegenstand von Debatten und Gerichtsfällen.
 
Interessant: Die Anzahl der Patentanträge steigt zwar rasant, aber dies ist nicht darauf zurückzuführen, dass einzelne Giganten mehr und schneller erfinden. Nein, schreibt das EPA, es seien immer mehr Firmen, die ihre IoT-Entwicklungen patentieren lassen wollen.
 
Patentanträge sind nicht damit gleichzusetzen, dass auch Patente für die Innovationen erteilt werden. Nichtsdestotrotz seien sie ein gutes Indiz für den Ist-Zustand von IoT-Entwicklungen: "Diese Studienergebnisse zeigen, dass neue Anwendungen des IoT in vielen Sektoren der europäischen Wirtschaft Einzug halten und damit die vierte industrielle Revolution in Europa beschleunigen werden", bilanzieren die EPA-Autoren.
 
Ihre Datenbasis umfasst 100 Millionen Patentdokumente aus aller Welt, 48'000 wurden bis und mit 2016 im Bereich IoT erfasst. (mag)