Auch Microsoft muss sich Sexismusvorwürfen stellen

Im Rahmen einer Sammelklage sind rund 150'000 interne Dokumente von Microsoft zugänglich gemacht worden, die ein schlechtes Licht auf die Gleichstellung der Geschlechter im Konzern werfen. Die Redmonder bekunden demnach Mühe mit Reports über sexuelle Belästigung sowie bei der internen Debatte über die gerechte Behandlung von Frauen, schreiben drei Autorinnen von 'Bloomberg'.
 
Die betreffende Sammelklage wurde 2015 von drei weiblichen Angestellten von Microsoft eingereicht, die eine systematische Ungleichbehandlung von weiblichen Technikerinnen und Ingenieurinnen festgestellt haben wollen. Zwar hat Microsoft etwa zum "Equal Pay Day" ein Blogpost veröffentlicht, Frauen würden in derselben Position fast gleich viel verdienen wie Männer, die zugrundeliegenden Daten und Methoden wurden aber nicht offengelegt. So bleiben die Grundlagen der Einschätzung im Dunkeln. Zudem kommen die Klägerinnen zum Schluss, dass bei Microsoft – wie bei vielen Firmen – die reale Ungleichheit bei der Anstellung, der Beförderung, der Besetzung von Führungsposition und der Vertretung in nicht-traditionellen Rollen zu finden sei.
 
Die Klägerinnen stützen sich auf Dokumente zu individuellen Anschuldigungen, interner Kommunikation sowie auf die Daten-Analyse von Experten. In diesem Rahmen wurden auch Dokumente offengelegt, die die mutmassliche Vergewaltigung einer Praktikantin zum Inhalt haben. Damals, so lässt sich laut 'Bloomberg' den Unterlagen entnehmen, sei vieles schief gelaufen: So musste die Praktikantin etwa nach der Anklage weiterhin mit dem Angeschuldigten zusammenarbeiten; mittlerweile wurde das Strafverfahren gegen den Mann eingestellt, die Frau muss im selben Gebäude arbeiten.
 
Microsoft: "Wir arbeiten daran, uns zu verbessern"
Die Vorwürfe werden in einer Zeit erhoben, in der reihenweise bekannte und mächtige Männer und Firmen aufgrund von Sexismus ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Dieser wird auch in vielen Fällen nachgewiesen. Die Beweisführung wird aber oftmals nicht nur durch die Machtverhältnisse erschwert, sondern auch dadurch, dass etwa Angestellte Vertragsklauseln zustimmen müssen, die eine Veröffentlichung ausserhalb von Gerichtsverfahren verunmöglichen. Die Firmen sind dabei häufig bemüht, die Vorwürfe intern zu klären und sie vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.
 
Da ist es nicht gerade förderlich, was Microsofts CEO Satya Nadella vor drei Jahren an einer Konferenz zur Förderung von Frauen in der Techbranche sagte. Er meinte damals, Frauen sollten nicht nach höheren Löhnen verlangen, sondern schweigen und sich auf das "Karma" verlassen, das sie für harte Arbeit belohne. Satya entschuldigte sich damals nach Kritik und das offizielle Statement von Microsoft lautet heute auch etwas anders: "Während wir im Laufe der Jahre wichtige Fortschritte gemacht haben, wie zum Beispiel eine zunehmende Vielfalt an Repräsentationen und eine Ausweitung der Ausbildung, lernen wir ständig dazu und arbeiten daran, uns zu verbessern. Wir haben die Behauptungen der Klägerinnen geprüft und stimmen ihnen in diesem Fall nicht zu, da Daten und andere Informationen falsch charakterisiert wurden." (ts)