Cloud: Das Prinzip Hoffnung regiert

Schlüsselfaktoren beim Entscheid für einen CSP (Grafik: Veritas)
Viele Firmen haben grosse Pläne in der Cloud, so eine Studie von Veritas. Aber viele gehen von falschen Annahmen aus.
 
"Die Wahrheit in der Cloud", heisst ein Bericht von Veritas vollmundig. Er soll zeigen, welche Cloud-Strategie Unternehmen verfolgen, auf welchen Entscheidungsgrundlagen diese basieren, und wohin der Trend-Kompass zeigt.
 
Zuerst der Ist-Zustand: Geht es um Anwendungs- und Workload-Installation, so findet die "Cloud-First"-Strategie immer mehr Anhänger unter IT-Entscheidern. 56 Prozent geben laut Veritas an, wenn immer möglich in die Cloud gehen zu wollen. Gar 75 Prozent von ihnen nutzen aktuell IaaS-Angebote.
 
Multi-Cloud ist der beliebteste Weg für die Teilnehmenden. 67 Prozent definieren für sich mindestens zwei Cloud-Service-Anbieter für IaaS als zielführend. 17 Prozent haben oder wollen drei Partner und 25 Prozent vier oder fünf. Die Zahlen umfassen sowohl aktive Nutzung wie entsprechende Pläne. Und die Multicloud-Strategie scheint international bislang aufzugehen, im Schnitt dauern die Partnerschaften nämlich schon seit vier Jahren an.
 
Etwas anders sieht die Situation in der Schweiz aus: 57 Prozent der Schweizer haben nur einen CSP und 30 Prozent sind damit so zufrieden, dass sie keine Multi-Cloud-Pläne schmieden.
 
Die Gründe, um in die Cloud zu gehen, sind weitgehend deckungsgleich: Kosten senken, Verfügbarkeit erhöhen und die Informationssicherheit verbessern.
 
Und mit welchen Argumenten überzeugt ein Cloud-Service-Provider (CSP) am meisten? Da diese Umfrage international ausgerichtet ist, sind die Antworten wohl auch davon geprägt: Wegen der EU-Datenschutzverordnung DSGVO mit ihren drakonischen Bussenandrohungen zieht das Argument Datenschutz/Compliance am stärksten.
 
Hingegen antworten nur 40 Prozent der Befragten, dass das Pricing unter den drei wichtigsten Entscheidungskriterien für die CSP-Wahl sei.
 
Security, Compliance und weitere populäre Irrtümer
Auch wenn Cloud und Multicloud die IT-Entscheider stark interessieren, hapert es bei vielen an Basiswissen, das zeigt die Umfrage auch: 76 Prozent der Befragten glauben nämlich, sie würden in der Cloud ihre Datenschutz- und Compliance-Sorgen los. "Darum kümmert sich mein CSP", so lautet ihre Überzeugung. Diese Überzeugung könnte aber durch juristische Fakten widerlegt werden.
 
Auch was Security und Datenschutz betrifft, delegieren 83 Prozent die Verantwortung an die CSP, obwohl in den Verträgen etwas ganz anderes stehen könnte. Das Prinzip "Vertrauen ist gut, Verträge lesen ist besser" leben offenbar einige CIOs, CTOs und andere Entscheider noch nicht. Immerhin scheinen die Schweizer besser darüber informiert, rund die Hälfte weiss, dass die Besitzer der Daten für Security und Datenschutz zuständig sind.
 
Auch eine weitere, weit verbreitete Hoffnung könnte sich in der Cloud-Praxis zerschlagen: Die Hoffnung nämlich, dass der CSP dafür verantwortlich sei, die Workloads und Daten zuverlässig vor Ausfällen zu schützen. "Angesichts der massiven Auswirkungen einer Service-Unterbrechung, müssen sich die Unternehmen unbedingt darüber klar werden, dass sie wahrscheinlich die Hauptverantwortung für die Geschäftsverfügbarkeit tragen, selbst bei Anwendungen, die in der Cloud ausgeführt werden", warnen die Autoren von Veritas.
 
Traumatisiert von Cloud-Ausfällen zeigen sich denn auch schon einige Befragte. 36 Prozent von ihnen haben Cloud-Serviceunterbrüche zu beklagen und 73 Prozent Ausfallzeiten.
 
Die Cloud ist nicht aufzuhalten
Nichtsdestotrotz ist der Weg in die Cloud vorgespurt, über 90 Prozent wollen bis 2021 noch mehr Infrastruktur und Workloads in die Public Cloud bringen und sie wollen 50 Prozent mehr Budget dafür ausgeben – 18 Prozent, statt wie aktuell 12 Prozent des Gesamtbudgets.

Die meisten wollen aber soweit möglich und sinnvoll unabhängig von einzelnen CSP werden. Sie überlegen, die eigene Cloud-Strategie konsequent auf Multicloud auszurichten: "Multi-Cloud ist von Dauer", bilanzieren die Autoren selbstsicher. Das gelte irgendwann dann auch für die Schweiz. Thomas Benz, Country Manager Switzerland bei Veritas sagt, das sei eine Frage der Aufklärung, "insbesondere bei Themen wie Compliance und Datensicherung in der Cloud. Langfristig wird sich dieses Konzept auch in der Schweiz durchsetzen."
 
Es wurden zur Findung "der Wahrheit in der Cloud" 1'200 "hochrangige" IT- und Geschäftsentscheider in zwölf Ländern, darunter 200 aus der Schweiz, befragt. (Marcel Gamma)