(Update) Gerade für kleine Schweizer KMU ist Digitalisierung ein Fremdwort

87 Prozent von 1294 online für die Studie "Digital Switzerland" befragten Unternehmen stufen Schweizer KMU als "digitale Dinosaurier" ein. An der Durchführung der dritten Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) ist erstmals Localsearch beteiligt gewesen, was zum Teil drastisch veränderte Resultate gegenüber den vorherigen Versionen ergab.
 
Denn 2015 waren zum Beispiel nur 56 Prozent der Befragten Unternehmen als "digitale Dinosaurier" eingestuft worden. Christos Bräunle, Mediensprecher Localsearch, vermutet auf Anfrage von inside-it.ch, dass sich diese drastischen Abweichung aufgrund einer nun viel breiteren KMU-Basis der befragten Unternehmen ergeben habe. Damals waren erst 463 Personen befragt worden. Da Localsearch aber erstmals an der Studie beteiligt sei, könne er die Hintergründe dieser Differenz nicht detailliert erklären, fügt Bräunle an. Die HWZ war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
 
Inzwischen hat sich die Manuel Nappo, Leiter des Institute for Digital Business, das die Studie verantwortet, per Mail gemeldet. Er hält fest, dass sich die "ein Vorjahresvergleich nicht ziehen lässt, da sich die Stichprobenzusammensetzung verändert hat". Wie von Bräunle vermutet, ist das "auf die Partnerschaft mit localsearch zurückzuführen, denn damit konnten endlich auch die Mikrounternehmen (1-9 Mitarbeitende) erreicht werden, die sonst fast nie richtig erfasst werden", so Nappo weiter.
 
Bei den diesmal 1294 befragten Unternehmen hätten zu 58 Prozent Kleinstunternehmen mit bis drei Mitarbeitern teilgenommen, 18 Prozent beschäftigten vier bis neun Mitarbeiter, 12 Prozent zehn bis 49 Mitarbeiter, vier Prozent 50 bis 99 Mitarbeiter und acht Prozent mehr als 100 Mitarbeiter. Nappo resümiert in seinem nun vorliegenden Statement, "die Studie bildet somit immer getreuer die Schweizer Firmenlandschaft ab".
 
Potential bleibt ungenutzt
Jedenfalls weisen die diesjährigen Ergebnissen einen erheblichen Nachholbedarf der hiesigen KMU beim Digitalisierungsgrad auf. Viel Potenzial bleibe noch ungenutzt und gleichzeitig bestehe ein Ressourcenproblem, um die digitale Transformation überhaupt voranzutreiben, heisst es in einer Mitteilung.
 
Und das gelte, obwohl von den Befragten als wichtigste Ziele der digitalen Transformation Kundenbindung, Kostenreduktion und erhöhte Reichweite für die Neukundenakquise angegeben worden seien.
 
Ressourcen fehlen
Überproportional stecken laut Studie Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern in dieser Situation. Geprägt sei diese von fehlenden finanziellen Mitteln, problematischer technische Ausstattung und der nicht vorhandenen Zeit sowie dem Fehlen von Fachwissen, um sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen zu können, wie die Studie belegt haben will.
 
Demnach verfügen 67 Prozent der Befragten noch nicht einmal über eine Lohnbuchhaltung. Bei 77 Prozent der befragten Unternehmen könnten terminierbare Leistungen etwa in Coiffeurebetrieben oder bei Physiotherapeuten heute nicht online gebucht werden. 60 Prozent hätten noch nicht einmal eine dafür nötige Software. Diese Mikrounternehmen täten sich auch beim Online-Marketing schwer, denn "nur etwa ein Drittel der Befragten kontaktiert die Kunden online mit personalisierten Angeboten und gerade mal 11 Prozent setzen ein digitales Treuesystem ein".

Kaum anders sähe es bei der Nutzung von Social Media und Online-Bewertungen aus. 74 Prozent der Umfrageteilnehmer verfügten demnach über keine Möglichkeiten, über Online-Bewertungen informiert zu werden und nur 34 Prozent würden aktiv auf Bewertungen und Erfahrungsberichte im Internet eingehen. 78 Prozent verzichteten denn auch darauf, Kunden aktiv dazu aufzufordern, das Unternehmen oder dessen Produkte respektive Dienstleistung online zu bewerten.

Bei grösseren Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern habe sich in der Studie hingegen gezeigt, dass ausser einem ebenfalls vorhandenen Know-how-Mangel die "nicht vorhandene Veränderungskultur und unklare Verantwortlichkeiten zu den grössten Herausforderungen" zählen, heisst es weiter. (vri)