Bahn-Gewerkschaft fordert Abbruch des SBB-Softwareprojekts SOPRE

Die SBB-Software zur Einsatzplanung sorgt bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV für rote Köpfe. Sie fordert von der SBB, dass die "SOPRE-Übung" abgebrochen werde, bevor es zu spät sei.
 
Die "Fahrplanstabilität" und die Gesundheit des Personals stehe auf dem Spiel, warnte die SEV in einer Mitteilung. Die Probleme mit dem SOPRE getauften Tool seien eine "Zumutung" und die Geduld sei überstrapaziert, hiess es weiter.
 
Für die Planung des Zugpersonals kommt SOPRE seit Juni 2016 zum Einsatz. Seit November 2017 werden auch die Dienste der Lokführer damit geplant. Die SEV bemängelt nun, dass die Software noch immer Schwierigkeiten mache. Vor allem lange Wartezeiten und die schlechte Datenqualität seien zu beanstanden.
 
Laut der SEV seien zudem noch neue Probleme hinzugekommen: Die Lokführer-App (LEA) funktioniere nicht einwandfrei und Bestimmungen zur Arbeitszeit und zum Gesamtarbeitsvertrag (GAV) könnten nicht korrekt abgebildet werden. Dies könne bei der anstehenden Neuverhandlung des GAVs für zusätzliches Chaos sorgen, befürchtet die Gewerkschaft.
 
Leistung habe sich verbessert, so die SBB
Die Leistung des Systems habe allgemein verbessert werden können, schrieben die SBB auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'sda'. Trotzdem bestünden noch einige Probleme, besonders in Folge von Verspätungen. Es sei eine Taskforce im Einsatz, um zusammen mit dem Hersteller Lösungen zu finden.
 
Unbekannte Mehrkosten
Der Zuschlag für das Projekt SOPRE in Höhe von 18,8 Millionen Franken ging im Jahr 2011 an Accenture. Inzwischen sind aber Mehrkosten angefallen. Insider schätzten diese gegenüber der 'NZZ' im November 2017 auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Die SBB wollte den Mehraufwand nicht beziffern. Vor wenigen Tagen schrieb der 'Blick', ebenfalls mit Berufung auf einen Insider, dass die Software bereits über 70 Millionen Franken koste.
 
Mit dem Softwareprojekt musste sich mittlerweile auch der Bundesrat beschäftigen. FDP-Nationalrat und ICTswitzerland-Präsident Marcel Dobler wollte wissen, wie teuer das Projekt effektiv sei. Da die Einführung noch am Laufen sei, könnten die angefallenen Kosten noch nicht genannt werden. Dies sei erst nach Projektabschluss möglich, so die Antwort des Bundesrats im Ende letzten Jahres. (kjo/sda)