Six baut die Konzernleitung um, IT-Chef geht

Der Börsenchef Christoph Landis wird neuer IT-Chef und Robert Bornträger tritt ab. Inside-it.ch erklärt er, warum.
 
Die Börsen- und Finanzinfrastrukturbetreiberin Six treibt ihre Neuausrichtung voran und bildet ihre Konzernleitung um. Heute gab das Unternehmen die Zusammensetzung der Konzernleitung ab 1. April bekannt.
 
Neben dem neuen Konzernchef Jos Dijsselhof, der bereits seit 1. Januar im Amt ist, gibt es acht weitere Mitglieder der Konzernleitung.
 
Im Zentrum der Neuausrichtung von Six stehe die konsequente Fokussierung auf Infrastrukturdienstleistungen für die Aktionäre und den Finanzplatz in den Bereichen Wertschriftengeschäft, Zahlungsverkehr und Finanzinformationen, heisst es in einer Mitteilung.
 
Im neu geschaffenen Geschäftsbereich Securities & Exchange werden Handel, Abwicklung und Verwahrung von Wertschriften vereint. Der Umbau beinhaltet zudem auch die Bereiche Payments und das Kartengeschäft – das Bezahlen mit Karten an Ladenkassen –, der von der Kernorganisation getrennt wird. Wie bereits im November angekündigt, soll es in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden, an dem Six nur noch eine Minderheitsbeteiligung halten wird.
 
Innovation und Digital in einem neuen Geschäftsbereich
Six schafft einen neuen Geschäftsbereich Innovation & Digital, in dem die Firma ihre Innovationsaktivitäten zusammenzieht. Dieser Bereich wird von Daniel Dahinden geleitet, bislang Head Corporate Development. Dahinden hat laut dem LinkedIn-Profil einen Master in Chemical Engineering der ETH, ist seit zwei Jahren bei Six und vorher unter anderem ein Jahr Vice President Strategy & Transformation for Services and Spare Parts bei Sulzer und ebenso lange als Head Business Development von Oerlikon Surface Solutions.
 
Christoph Landis, bislang Chef der Swiss Exchange, übernimmt die Leitung der IT von Robert Bornträger, bislang als Chef der Division Global IT verantwortlich für die Weiterentwicklung und den Betrieb der Six-IT-Infrastruktur.
 
Landis ist seit 1992 für Six tätig und leitet seit 2015 den Geschäftsbereich Swiss Exchange und ebenso lange ist er Mitglied der Konzernleitung von Six. Zuvor war er CIO von 200 Informatikern und Geschäftsleitungsmitglied von Six Swiss Exchange und ab 2015 Chef der Schweizer Börse und damit für X-stream INET als technologische Handelsbasis zuständig. Noch letzten August hatte er gegenüber 'Finenews' während der Suche nach einem neuen Six-CEO Aspirationen auf den Posten dementiert mit dem Argument, er sei erst zwei Jahre Börsenchef. Nun also wird Landis IT-Chef.
 
"Ich bin nun 57"
Der aktuelle IT-Chef Robert Bornträger verlässt das Unternehmen Ende Februar. "Ich orientiere mich aus persönlichen Gründen neu", erklärt Bornträger auf Anfrage von inside-it.ch. Er sei zwölf Jahre in der Führungsverantwortung erst bei Telekurs, dann bei Six gestanden. Im Rahmen der Transformation des Unternehmens unter dem Titel "Six 2020" sei es wichtig, diesen Prozess während der ganzen Projektdauer leiten zu können. Dies sei im Spannungsfeld Stabilität und Delivery-Tempo eine anspruchsvolle und anstrengende Aufgabe.
 
"Ich bin nun 57", so Bornträger, der 2013 alle IT-Funktionen von Six in einer einzigen Division zusammengeführt hat. "Ich will mich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und meine Erfahrung strategisch in Verwaltungsrats-Mandaten einbringen."
 
Die IT von Six sei auch fit für die Zukunft, so Bornträger: "Agile und das SAFe-Framework sind eingeführt, Six arbeitet jetzt mehr und mehr agil". Ebenso stolz sei er auf die Stabilität der Systeme. "Six hat zudem substantiell in die IT-Systeme investiert", soeben seien beispielsweise zwei grosse Projekte zur Ablösung von Legacy-Systemen gestartet worden.
 
Auf der anderen Seite muss noch offen bleiben, wie die zentrale IT künftig konkret operieren wird und dies nicht nur im Zusammenspiel mit dem neuen Bereich "Innovation & Digital". Dadurch, dass sich Six vom Kartengeschäft trennt, gibt das Unternehmen nicht nur fast einen Drittel des EBIT weg, sondern es sind auch fast 30 Prozent der IT-Organisation aktuell im Kartengeschäft tätig. Ganz abgesehen davon entern immer neue, innovative Player den Finanzsektor. "Es wird mit harten Bandagen gekämpft und auch Six ist dabei", so Bornträger.
 
Verwaltungsrat und Konzernleitung haben laut Medienmitteilung seinen Entscheid mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Man dankt "für sein Engagement und seinen wertvollen Beitrag zur Stabilität und Verfügbarkeit der IT-Infrastruktur". (Marcel Gamma/sda)