Bern vergibt Aufträge von fast 90 Millionen freihändig an Bedag

Das KAIO verzichtet unter anderem wegen eines ausstehenden politischen Entscheids auf eine Ausschreibung, so das Berner Amt.
 
Das Amt für Informatik und Organisation des Kantons Bern (KAIO) lässt seine ICT-Anwendungen auch künftig von der kantonseigenen Bedag Informatik in einem RZ betreiben. Dazu hat die Kantonsverwaltung dem Unternehmen freihändig für die Jahre 2018 und 2019 Aufträge im Umfang von je 44 Millionen Franken vergeben.
 
Für die beiden Vorjahre betrugen die Aufträge noch jeweils 37 Millionen Franken. "Der Grund dafür ist nicht, dass die Kosten für den Betrieb im Rechenzentrum von Bedag gestiegen sind, sondern dass der Kanton Bern dabei ist, seine ICT-Grundversorgung zu zentralisieren. Daher werden zukünftig mehr Aufträge zentral vom KAIO an Bedag vergeben, die früher dezentral von den einzelnen Direktionen vergeben wurden", erklärte Thomas M. Fischer, Leiter Stab Amtsleitung des KAIO, auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Die Aufträge erfolgten im Vollzug eines 1999 zwischen Kanton und Bedag abgeschlossenen Rahmenvertrags, schreibt das KAIO auf Simap. Dazu nennt das Amt drei Gründe für die freihändige Vergabe.
 
Erstens erfolge diese, weil die öffentliche Sicherheit gewährleistet sein müsse. "Mit Blick auf die aktuelle Bedrohungslage im Bereich der Informationssicherheit besteht das ernstzunehmende Risiko, dass, wenn der Auftrag für den Betrieb der entsprechenden Anwendungen einer nicht vom Kanton, allenfalls sogar ausländisch beherrschten Unternehmung vergeben würde, diese in den tatsächlichen Einflussbereich ausländischer Nachrichtendienste oder anderer ausländischer Behörden geraten könnte", so die Begründung des KAIO.
 
Zweitens komme aufgrund der technischen Besonderheiten nur ein Anbieter in Frage. Nur Bedag könne die kontinuierliche Weiterbetreibung der "teilweise relativ alten Eigenentwicklungen mit einer Reihe teils komplexer gegenseitiger Abhängigkeiten und Schnittstellen" sicher gewährleisten. Es gehe schliesslich um heikle Anwendungen, die neben dem Zahlungsverkehr des Staates, dem Personalwesen und der Lohnzahlung auch die Steuerveranlagung und die Sicherheit im Strassenverkehr betreffen würden.
 
Die Anforderungen an die Kontinuität bringt das KAIO auch in Anschlag für einen weiteren freihändigen Zuschlag an Bedag. Bei diesem Zuschlag in Höhe von 1,14 Millionen Franken geht es um Arbeiten an der Registerführungssoftware GERES sowie der E-Gov-Plattform BE-Login.
 
Drittens schliesslich werde demnächst über die neue Eigentümerstrategie für Bedag sowie die Geschäftsbeziehungen zwischen Kanton und dem IT-Unternehmen entschieden. Das KAIO verweist auf ein Postulat von 2016, demzufolge der Verkauf der Bedag geprüft werden soll. Die Regierung untersucht derzeit mit mehreren Experten die künftige Strategie bezüglich Bedag. Dabei werde die ganze Bandbreite von Möglichkeiten berücksichtigt, erklärt Reto Burn, stellvertretender Generalsekretär der Finanzdirektion, auf Nachfrage. In Frage komme die ganze Palette: vom Verkauf des Unternehmens bis zur In-House-Vergabe von kantonalen Aufträgen.
 
Man wolle hier nicht vorgreifen, denn würde die Firma "wesentliche Teile der Aufträge verlieren, könnte dies das wirtschaftliche Überleben des kantonseigenen Unternehmens gefährden, zum Verlust der hohen Investitionen des Kantons in Bedag führen, und die zur Erarbeitung der neuen Eigentümerstrategie für Bedag laufenden Arbeiten gegenstandslos machen", so das KAIO. Mit den beiden Vergaben wird über ein Jahr fast die Hälfte des letztjährigen Bedag-Umsatzes von 100 Millionen Franken sichergestellt.
 
Ein Bericht der Regierung zur Strategie wird noch in diesem Jahr erwartet. Er soll dann im Grossen Rat diskutiert werden. (ts)