Exklusiv! 100-Millionen-Projekt ASALfutur wankt

Unterlegener Anbieter legt Beschwerde gegen die Vergabe des 100-Millionen-IT-Projekts ASALfutur beim Bundesverwaltungsgericht ein.
 
Das 100-Millionen-Franken-Projekt ASALfutur steht weiterhin unter einem schlechten Stern. Letzten November vergab das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO den Auftrag für die Neuentwicklung einer Lösung für die Auszahlung von Arbeitslosengeldern. Gewinner des Projekts namens ASALfutur ist das Zürcher SAP-Beratungshaus Novo Business Consultants. Nun hat ein unterlegener Anbieter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Vergabe eingelegt, wie man in der Branche hört. Die Beschwerde wurde von der Zürcher Firma Short Consulting eingereicht, bestätigt Geschäftsführer Klaus Marte gegenüber inside-it.ch. Auch das Bundesamt für Bauten und Logistik, BBL, das für Ausschreibungen beim Bund verantwortlich ist, bestätigte auf Anfrage, dass beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde eingereicht worden ist. Weitere Angaben zum Beschwerdeverfahren und zum Projektstand macht das BBL nicht, so Jonas Spirig vom BBL in einer E-Mail.
 
Ausschreibung löst Stirnrunzeln aus
Das Projekt ASALfutur stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Denn es ist das Folgeprojekt eines bereits früher gescheiterten Software-Projekts im SECO: ASALneu. Das Projekt ASALneu war 2013 ohne Ausschreibung (!) an den Dienstleister CSC (heute DXC) vergeben worden. Es geriet rasch in Schieflage und wurde im Sommer 2015 gestoppt. Das kostete den Bund 45 Millionen Franken.
 
Das Projekt wurde dann letzten Juli neu ausgeschrieben. Hatte man im gescheiterten Vorgängerprojekt noch vorgesehen, einfach die bestehende Uralt-Lösung ASAL neu zu programmieren, ist ASALfutur ambitiöser. Die Ausschreibung sei ungeheuer umfangreich ausgefallen, hört man von Kennern der Materie. Insbesondere für Kopfschütteln in der Branche sorgte der Umstand, dass die formellen Anforderungen und Musskriterien sehr weitgehend formuliert waren.
 
Folge davon war, dass nur gerade drei Firmen Angebote einreichten. Inside-it.ch kennt die Namen: Novo BC, IBM und eben Short Consulting. Short Consulting ist auf Software-Lösungen für Versicherungen spezialisiert. Andere Firmen wie Elca, DXC, Deloitte oder BearingPoint, die beim Bund gut etabliert sind und denen man zutraut, grosse, Datenbank-lastige Projekte zu stemmen, machten bei der Ausschreibung gar nicht erst mit.
 
Der Zuschlag ging für 108 Millionen Franken an Novo BC. Die Zürcher Firma will ASALfutur auf Basis von SAP-Software bauen. Nur 5,8 Millionen Franken sind fix als Grundauftrag vergeben, weitere 102 Millionen sind für optionale Aufträge für Weitereentwicklung, Wartung und Betrieb der Lösung vorgesehen.
 
Jetzt liegt der Ball beim Bundesverwaltungsgericht
Aufhorchen lässt, dass die Angebote der beiden unterlegenen Anbieter, IBM und Short, offenbar nicht inhaltlich geprüft wurden. Denn sie hätten die "formellen oder Musskriterien nicht erfüllt", heisst es bei der Veröffentlichung des Zuschlags auf Simap. Dies spricht nicht für die Qualität der Ausschreibung.
 
Ob Auschreibung und Zuschlag rechtlich korrekt erfolgt sind, wird nun das Bundesverwaltungsgericht beurteilen müssen. In einem ersten Schritt wird es entscheiden müssen, ob das Projekt bis zum endgültigen Urteil gestoppt werden muss. Dies wird darüber entscheiden, ob das Projekt ASALfutur schon vor dem Projektstart zu einem aus der Bundeskasse alimentierten Groschengrab wird.
 
Wird das Projekt bis zu einem Entscheid des St. Galler Gerichts gestoppt, wird es teuer. Das Seco als ausschreibende Behörde stünde einmal mehr im Zentrum der Kritik. Man beachte: Das heute noch verwendete System, ASAL, ist unterdessen 25 Jahre alt.
 
Pascal Bassin, Geschäftsführer von Novo Business Consultant, wollte zu dem Projekt und der Beschwerde nicht Stellung nehmen. (Christoph Hugenschmidt)