Trotz Rekord: Investitionsschub in Schweizer Startups erlahmt

Investiertes Kapital (in Millionen Franken) und Finanzierungsrunden. Quelle: Swiss Venture Capital Report 2018
Schweizer Investoren bleiben nach wie vor vorsichtig, so der Swiss Venture Capital Report. Am stärksten zogen die Investitionen in ICT-Startups an.
 
Schweizer Startups haben 2017 in insgesamt 175 Finanzierungsrunden rund 938 Millionen Franken gesammelt, wie aus dem Swiss Venture Capital Report hervorgeht. Das ist zwar ein Rekordwert, aber bloss drei Prozent mehr als im Vorjahr. Damit verlangsamt sich das Wachstum der Investitionen nach mehreren Jahren deutlich – 2016 hatte es 35 Prozent betragen. Dennoch zeigte sich Stefan Kyora, Chefredaktor von 'Startupticker.ch' und Mitautor der Studie, zuversichtlich. "Die Branche hat sich weiterentwickelt", sagte er an der Präsentation im Zürcher Restaurant Imagine.
 
So sehen es die Studienmacher positiv, dass die Beteiligungssumme im Median – einem statistischen Mittelwert – gestiegen ist und etwa Wachstumsfinanzierungen zwischen zwei und zehn Millionen deutlich häufiger sind als in den Vorjahren. Auch die teuren Late-Stage-Finanzierungen sind laut Studie deutlich gestiegen. Sie betrugen 2017 etwas über 700 Millionen Franken und damit 76 Prozent der gesamten Investitionen.
 
Hauptgrund für das verlangsamte Wachstum, sei eine "Atempause" des Kantons Waadt, der traditionell hohe Investitionstätigkeit verzeichnet – hier ist die EPFL angesiedelt. Über ein Drittel weniger wurde im Waadt investiert, während die übrige Schweiz um 43 Prozent anzog und etwa in Zürich über 150 Prozent mehr in Startups investiert wurde. Waadt liegt aber mit 298 Millionen noch immer knapp vor Zürich, wo 273 Millionen Franken geflossen sind. Aber auch in traditionell weniger starken Kantone wie St. Gallen und Freiburg nahmen die Investitionen zu. "Die Schweiz hat keinen Startup-Hub, die Schweiz ist ein Startup-Hub", unterstrich Kyora die Entwicklung.
 
Auch weiterhin stammt der grösste Teil des Geldes von ausländischen Investoren. Diese haben rund 70 Prozent des Investitionsvolumens beigesteuert. Thomas Heinen, Co-Autor der Studie, zeigte sich dann auch etwas enttäuscht von hiesigen institutionellen Anlegern wie Banken oder Pensionskassen. Es gebe aber auch positive Nachrichten aus der Schweiz: So nannte er Partnerschaften und Fonds von Unternehmen wie die Schweizer Post, Baloise Group, Helvetia Versicherungen und Six.
 
Risikokapital von internationalen Unternehmen spiele vor dem Hintergrund des Aufstiegs in Europa auch in
Investments in Millionen Franken. Quelle: Swiss Venture Capital Report 2018
der Schweiz eine Rolle. Genannt werden im Report nicht nur Intel Capital und Google Ventures, sondern auch die chinesischen Riesen Tencent und Alibaba. Letzteren findet man etwa unter den Early-Stage-Investoren, die 17 Millionen Franken in Wayray investiert haben. Das Startup entwickelt holographische Augmented Reality für Autos.
 
Starkes Wachstum im ICT-Bereich
Wachstumstreiber waren vor allem Biotech und ICT. Prozentual am stärksten nahmen Investitionen im ICT-Bereich und bei den Fintechs zu. Rund 76 Millionen Franken und damit 60 Prozent mehr als im Vorjahr konnten die betreffenden Startups einsammeln. Sie liegen aber immer noch weit hinter Bio- und Medtechs, die zusammen rund 595 Millionen Franken auf sich vereinigten.
 
Die grössten drei Finanzierungsrunden im ICT-Bereich schlossen folgende Startups ab:
  • Die Tourismus-Plattfom GetYourGuide erhielt von ausländischen Investoren 75 Millionen Franken.
  • Der Management-Software-Entwickler Beqom konnten 33,5 Millionen Franken sammeln, unter anderem von Goldman Sachs.
  • Knime, Entwickler von Datenanalyse-Software, schloss eine Finanzierungsrunde von 23,2 Millionen Franken ab.
Bei den Übernahmen haben ICT-Startups die Nase vorn. Gekauft wurden im vergangenen Jahr 17 ICT- und Fintech-Jungunternehmen. Darunter finden sich bekannte Namen wie Knip, Movu, Qumram, Safe Swiss Cloud, Dacuda und Contovista.
 
Den Swiss Venture Capital Report (PDF) hat 'Startupticker.ch' zusammen mit der Investorenvereinigung Seca erstellt. Er beruht auf der Auswertung der Publikation von Finanzierungsrunden, die mindestens 100'000 Franken schwer waren. (ts)