Schweizer befürworten Robotersteuer

"Sehen Sie die Digitalisierung eher als Chance oder als Gefahr?" Aufteilung nach Einkommen und Bildung. (Quelle: Vimentis, 2018)
Schweizer sind zur Digitalisierung positiv gestimmt, fordern aber subventionierte Weiterbildung und die Besteuerung von Robotern, zeigt die neue Vimentis-Studie.
 
Die Digitalisierung ist eine Chance. Dies glauben 51 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Etwa ein Drittel beurteilt die fortschreitende Digitalisierung hingegen als Gefahr. Dies geht aus einer umfangreichen Befragung von Vimentis hervor.
 
Zwischen den Geschlechtern zeigt sich ebenso ein Unterschied, wie bei der Bildung und den Einkommensverhältnissen. Kurz gesagt: je höher die Bildung und das Einkommen, desto eher wird die Digitalisierung als Chance wahrgenommen. Frauen stehen der Digitalisierung kritischer gegenüber als Männer. 37 Prozent beurteilen sie als Gefahr, während dies 27 Prozent der Männer machen.
 
Gefragt danach, ob die Digitalisierung politischen Handlungsbedarf erfordere, sagte 46 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung, dass es eine stärkere Regulierung benötige. Nur 19 Prozent fordere weniger Regulierung, so Vimentis. 16 Prozent würden keinen politischen Handlungsbedarf sehen, wobei aber jeder Fünfte Befragte unentschlossen ist.
 
Im Zuge der Digitalisierung soll das Arbeitsrecht bezüglich der Definition der Selbstständigkeit gelockert werden, so eine weiterer Punkt der Studie. Bei dieser Frage gebe es mit 34 Prozent der Antworten einen grossen Anteil von Unentschlossenen. Eine relative Mehrheit von 36 Prozent befürwortet eine Lockerung des Schweizer Arbeitsrechts im Zuge der Digitalisierung. Auch hier zeigt sich das Bild: je grösser das Einkommen und je höher die Bildung, desto eher wird die Lockerung befürwortet. Auch sagten Männer mit 42 Prozent der Teilnehmer eher ja als die befragten Frauen.
 
Robotersteuer wird befürwortet
Eine absolute Mehrheit findet die Idee der Robotersteuer gut. Maschinen und Roboter, die Arbeitnehmer ersetzen, sollen im Unternehmen mit einer Steuer belastet werden, die die wegfallenden Sozialabgaben deckt. Dies befürworten 62 Prozent der Befragen. 26 Prozent sind gegen eine Robotersteuer während zwölf Prozent unentschieden oder neutral sind.
 
Bei allen Parteien, mit Ausnahme der FDP, besteht eine absolute Mehrheit für eine Sozialabgabe für Maschinen und Roboter, die Arbeitnehmende ersetze. Mit höherem Einkommen und Bildung
"Maschinen und Roboter, die Arbeitnehmer ersetzen, werden für das Unternehmen mit einer Steuer belastet, welche die wegfallenden Sozialabgaben deckt." (Quelle: Vimentis, 2018)
nimmt der Anteil der Befürworter ab. Der Bundesrat hatte sich Ende 2017 gegen eine Roboterstuerung ausgesprochen. Denn sie würde eine "Besteuerung von Innovation und Fortschritt" entsprechen. Gefordert wird sie hingegen unter anderem von der Gewerkschaft Syndicom, um sinkende Beiträge in das Sozialsystem zu verhindern.
 
Staat sollte IT-(Weiter-)Bildung unterstützen
Wie weiter aus der Befragung hervorgeht, sieht die Mehrheit der Bevölkerung dem Lehrplan 21 positiv gegenüber. Rund zwei Drittel sind dafür, dass das Modul "Medien und Informatik" in der Volksschule weiter ausgebaut wird. Niedrige Zustimmungsraten dazu gibt es vor allem unter den konservativen EDU- und SVP-Wählern, während die Grünliberalen- und SP-Wähler die höchste Zustimmung aufweisen.
 
Bei der Weiterbildung von Erwachsenen zeige sich ein ähnliches Bild. Fast 70 Prozent sind dafür, dass der Staat Aus- und Weiterbildungsprogramme für Erwachsene subventioniert, die die im Zuge der Digitalisierung notwendigen Fähigkeiten vermitteln.
 
Der Marktforscher Vimentis führt jährlich eine Meinungsumfrage zu aktuellen und wichtigen politischen Themen in der Schweiz durch. Die Daten sind mit einer Onlinebefragung im Herbst 2017 erhoben worden. Mit über 22'300 Teilnehmern seien die Ergebnisse mit einer Fehlerquote von +/- vier Prozent repräsentativ. In der diesjährigen Befragung ging es neben der Digitalisierung auch um Fragen bezüglich SRG, Post, Altersvorsorge sowie die Energie- und Klimapolitik. (kjo)