Die neueste höhere Fachschule für Informatiker ist ziemlich digital

Mit viel Fernunterricht und einem eigenen Lernkonzept will sich das Institut namens SIW etablieren. inside-it.ch hat mit dem Gründer gesprochen.
 
Die Schweiz kriegt eine neue höhere Fachschule (HF), nämlich eine für Wirtschaft und Informatik namens SIW. Es sei die erste digitale Höhere Fachschule der Schweiz, so Initiant und Alleinaktionär Renato Cadisch auf Anfrage von inside-it.ch.
 
Im Herbst beginnen die ersten neun Lehrgänge in den Bereichen Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik und technische Informatik. Man kann sich beim SIW unter anderem zum "dipl. Wirtschaftsinformatiker/in HF" oder "ICT-System- und Netzwerktechniker mit eidg. Fachausweis" ausbilden lassen.
 
"Wir orientieren uns an den Vorgaben der international anerkannten Zertifikate", so Cadisch, dazu zählen unter anderem Hermes und ITIL. Man will auch das Qualitätslabel eduQua erhalten, die Anerkennung sei anhand einer Pilotklasse eingeleitet, so Cadisch.
 
Wie will er sich aber von andern Anbietern abgrenzen? Durch einen Mix aus Fernstudium und Präsenzunterricht, der einzigartig sei, erklärt der Initiant. So muss man bei SIW nicht mehr jeden Samstag oder am Abend in die Schule fahren, sondern nur ein Mal pro Monat. Und auch dies primär für den Praxistransfer "und für den Klassengeist". Man biete damit viel mehr zeitliche und örtliche Flexibilität für Studenten, aber auch für Dozenten.
 
Entsprechend hat die Schule aus Zürich keine eigenen Klassenzimmer, sondern der Präsenzunterricht wird in Hotelräumlichkeiten an drei Standorten in der Deutschschweiz abgehalten.
 
Der grosse Rest der Ausbildung findet im virtuellen Klassenzimmer statt, wofür ein Student nur den Laptop und ein Headset benötige, so Cadisch. Dabei kommen keine Standardtools wie Skype zum Einsatz; Cadisch hat ein Tool lizensiert, das in Deutschland für Schulen entwickelt wurde und seit Jahren genutzt werde.
 
Ein weiteres Element dieses selbst entwickelten Lernkonzepts, so Cadisch, sind selbst gedrehte Lernvideos für das Basiswissen und Online-Tests. "Die Studierenden werden eng begleitet", sagt Cadisch, "und kontrolliert, ob sie die Videos bearbeitet haben."
 
Im Herbst starten die ersten Lehrgänge mit einer zwei-semestrigen Grundlagenvermittlung in maximal 18-köpfigen Klassen. Anschliessend sollen "ausschliesslich aktuelle Themen aufgegriffen werden". Weil sie aktuell sein sollen, ist auch noch nicht klar, welche Technologiethemen dann geschult werden. Er sei verankert in der Tech-Branche und werde das Know-how "an der Quelle finden".
 
Cadisch sagt, das SIW und sein Lernkonzept bündle sein Wissen aus 27 Jahren Arbeit als Dozent, Lehrgangentwickler und Schulleiter in der Erwachsenenbildung.
 
Höhere Fachschulen sind als solche nicht eidgenössisch anerkannt; die einzelnen Bildungsgänge sind durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI anerkannt. Die Kantone spielen eine Aufsichtsrolle.
 
Dabei gilt es an dieser Stelle an eine interessante Neuerung zu erinnern: Seit Januar 2018 können Absolvierende eines Vorbereitungslehrgangs auf eidgenössische Fachausweise oder Diplome vom Bund auf Antrag hin finanziell unterstützt werden, falls die Kurse auf einer SBFI-Liste fungieren. Die Details finden sich online beim SBFI. (Marcel Gamma)
 
Update (16.2.2018): Finanzielle Unterstützung gibt es für die Vorbereitungskurse auf eidgenössische Fachausweise und Diplome, nicht HF-Kurse, wie es in einer ersten Version des Artikels hiess.