Cloudians neue Liebe zu den Files

Cloudian-CEO Michael M. Tso zu Besuch bei inside-channels.ch.
Der CEO des Object-Storage-Spezialisten Cloudian, Mike Tso, erklärte uns, warum sein Unternehmen eine kleine italienische Firma kauft.
 
Cloudian ist mit seinen knapp 200 Angestellten sicher noch kein IT-Riese. Aber das 2011 gegründete Unternehmen gehört zu den Aufsteigern im Storage-Business. Erst Ende Februar konnte der Object-Storage-Spezialist in einer Finanzierungsrunde weitere 125 Millionen Dollar Kapital einnehmen. 25 Millionen davon sind zur freien Verfügung, 100 Millionen spezifisch für den Aufbau eines neuen, auf dem Verbrauch basierenden Verkaufskonzepts bestimmt. Zu den Investoren in dieser und früheren Runden (die rund 100 Millionen Dollar einbrachten) gehören neben Investmentfirmen auch Lenovo, Intel und der Cisco nahestehende Fonds Digital Alpha.
 
Bei konkreten Deals, so erklärte CEO Michael M. Tso anlässlich eines Besuchs der inside-channels.ch-Redaktion, schlage man die grossen Konkurrenten regelmässig aus dem Feld. Besonders stolz zeigte sich Tso auch über die vom Marktforscher Gartner im Rahmen von Peer-Insights zusammengetragenen User-Reviews für den Bereich Distributed File Systems and Object Storage: Wenn User sowohl Systeme von Cloudian als auch von direkten Konkurrenten bewerten, werden seine Produkte überwiegend besser bewertet: Im Gesamtskore gegen Dell EMC, Scality, Hitachi Vantara, IBM und NetApp liegt Cloudian in diesem Vergleich mit lockeren 36 zu vier vorne.
 
Die Lösungen von Cloudian sind für die Speicherung von Daten konzipiert, auf die nicht sehr oft zugegriffen werden muss, und die andererseits in grossen Mengen anfallen können, also beispielsweise Langzeit-Archive oder Daten aus dem Internet-of-Things. Hier dominieren, neben der Cloud und Tapes, weiterhin Harddisk-basierte Storage-Systeme. Unternehmen wie Pure Storage, die sich ausschliesslich auf den heutzutage von Flash dominierten "schnellen" Storage-Bereich konzentrieren, betrachtet er deshalb nicht als Konkurrenz.
 
Für den Channel
Tso hatte bei seinem Besuch auch eine Message an den Channel: Cloudian habe beschlossen, seine Geschäfte irgendwann nur noch rein über Partner zu erledigen und sei diesem Ziel auch bereits sehr nahe. 2016 habe der Channel-Anteil am Gesamtumsatz noch 36 Prozent betragen, 2017 im Schnitt 70 Prozent, und im letzten Quartal bereits 89 Prozent. Der hiesige Distributor von Cloudian ist übrigens BCD-Sintrag. Zu den Partnern gehören WIRD, Lake Solutions, Informatio, Infoniqa und Itris. Zu den Kunden zählen unter anderem die Service Provider Hiag Data und Netstream.
 
Um es für den Channel geeignet zu machen, habe man ein Produkt entwickelt, das als einfach einzurichtende Appliance verkauft wird. Zudem habe man eine möglichst tiefe Einstiegshürde angestrebt, weshalb Kunden die Appliances bereits mit einer Minimalkapazität von 20 oder 30 Terabyte erwerben können. Trotzdem könne man ein Cluster auch locker bis 50 Petabyte skalieren. Und diese Skalierung sei die eigentliche Stärke von Objekt-Speichern, so Tso. Der Management-Aufwand nehme mit steigenden Datenmengen wesentlich weniger stark zu, als bei der Verwendung von NAS- oder SAN-Speicher.
 
Auf ins NAS
Der eigentliche Anlass von Tsos Besuch war aber die Übernahme des italienischen Unternehmens Infinity Storage, die heute offiziell bekannt gegeben wurde. Und die führt Cloudian nun doch auch in den NAS-Bereich. Beziehungsweise sie hat Cloudian schon in den NAS-Bereich geführt, denn Cloudian hat bereits im Dezember das auf der Zusammenarbeit mit den Italienern basierende Produkt HyperFile lanciert. HyperFile ermöglicht es, nun auch Files auf "Scale-Out"-Cloudian-Clustern zu speichern. Dies soll, so verspricht Cloudian, für viele Anwendungen deutlich geringere Gesamtkosten mit sich bringen, als die Verwendung traditioneller NAS-Server.
 
Not all good things are happening in Silicon Valley
Dass man neben der S3-basierten API für Objekte irgendwann auch eine API für Files brauche, so Tso, sei Cloudian schon vor Jahren klar geworden. Auch im "langsamen" Storage-Bereich, der insgesamt etwa 80 Prozent der gesamten Datenmenge ausmacht, wird weiterhin ein grosser Teil der Daten in Form von Files gespeichert werden. Die meisten Sensoren im IoT beispielsweise, unter anderem Kameras, liefern ihre Daten in Form von Files. Da man die API nicht selbst bauen wollte, habe Cloudian viele Unternehmen überprüft, die aber alle nicht genau das liefern konnten, was Cloudian wollte. Erst in Italien sei man dann nach langer Suche fündig geworden. Und dies unterstreiche, findet Tso, dass auch im infrastrukturnahen IT-Bereich "nicht alles Gute im Silicon Valley passiert."
 
Durch die Kombination der Technologie von Cloudian mit der von Infinity Storage will Cloudian die Integration der File- mit der Objekt-Storage-Welt in Zukunft noch weitertreiben. Ein Ziel sei es, dass als Files gespeicherte Daten auch als Objekte ausgelesen werden können (Stichwort "File in, Object out"). Dies sei wichtig, weil viele Analytics-Applikationen mit Objekten arbeiten. Ein weiteres Projekt ist eine Zusammenarbeit mit dem IP-Kamera-Hersteller Axis. In dieser Zusammenarbeit sollen Kameras entwickelt werden, die ihre Aufnahmen direkt in Form von Objekten liefern. (Hans Jörg Maron)