Erkennt Google bald, ob Sie krank sind?

… und lauscht Amazons Alexa bei einem Telefonat mit? Patentanträge zeigen weitgehende Ideen der Hersteller.
 
Die smarten Lautsprecher von Google oder Amazon verbreiten sich in immer mehr Haushalten. 22 Prozent der Amerikaner besitzen ein Gerät wie den Google Home oder Amazons Alexa. Aber Kunden haben auch Sicherheitsbedenken – denn schliesslich hören die smarten Geräte stets mit, um zu erkennen, ob sie über ein Audiosignal, wie "Ok, Google", zum handeln aufgefordert werden.
 
Die 'New York Times' ('NYT') hat nun die Patente der Hersteller unter die Lupe genommen, die eine Reihe von Möglichkeiten für diese Geräte aufzeigen. Sie könnten mehr von dem, was wir sagen und tun, überwachen und die Informationen verwenden, um die Interessen der User für Werbezwecke zu identifizieren, schreibt die Zeitung.
 
In einer Reihe von Patenten beschreibe Amazon einen "Stimm-Schnüffler-Algorithmus", der auch auf Tablets oder E-Book-Readern eingesetzt werden könne und die Stimme in der Umgebung praktisch in Echtzeit analysiere. Er soll etwa auf Äusserungen wie "lieben" oder "nicht mögen" ansprechen können und entsprechende Werbung unter seinen User verbreiten. In einer Stellungnahme betont Amazon, dass man die Privatsphäre sehr ernst nehmen und "keine Sprachaufnahmen der Kunden für gezielte Werbung verwendet", wie die Zeitung einen Sprecher zitiert.
 
Ein weiteres Beispiel der 'NYT' sind mehrere Google-Patentanmeldungen, die beschrieben, wie die Smart-Home-Geräte von Google Nest verwendet werden können, um komplexe Audio- und Video-Signale zu interpretieren. Mit einer Analyse soll etwa die Stimmung des Sprechers erkannt werden können oder gar die Gesundheit, indem Husten oder Niesen registriert werde. Eine Google-Applikation könnte über die Smart-Home-Kameras erkennen, dass ein T-Shirt mit einem Aufdruck von Will Smith im Raum liegt. Kombiniert mit dem Browserverlauf, so der Bericht, könnte Google schliesslich Filmempfehlungen anzeigen oder der smarte Lautsprecher sagt dem Nutzer (unaufgefordert): "Du scheinst Will Smith zu mögen. Sein neuer Film spielt in einem Kino in deiner Nähe", schreibt die 'NYT'.
 
Auch Google sagt gegenüber der US-Zeitung, dass man keine Roh-Audiodaten verwende, um die Stimmung, die medizinische Situation oder demographische Informationen der Nutzer zu extrapolieren. Auch wird im Bericht darauf verwiesen, dass Tech-Unternehmen eine Vielzahl von Patenten anmelden, die niemals verwirklicht werden. Die Hersteller betonen, dass Sprachaufnahmen nur gespeichert werden, wenn die Geräte absichtlich aktiviert werden.
 
Dennoch zeigt sich ein von der 'NYT' befragter Konsumentenschützer besorgt. "Wenn man die Patentanträge sichtet, ist es klar, dass es sich um Spyware und ein Überwachungssystem handelt, das man Werbetreibenden zur Verfügung stellt". Der Facebook-Datenskandal dürfte die Besorgnis der User schüren. (kjo)