50 Tonnen Informatik für den Müll oder ein neues Museum

Das Mengengerüst: 50 Tonnen Material auf 130 bis 150 Euro-Paletten. Lose oder in nicht angeschriebene Kartonschachteln verpackt.
 
Die Objekte: Hardware, Software, Handbücher, Dokumentationen, Kabel, Stecker und Datenträger.
 
Und vieles muss raus und weg. Was ist los? Ist ein Disti pleite gegangen? Verlässt ein Hersteller die Schweiz? Nein. Robert Weiss, Computersammler und Journalist, räumt sein Winterthurer Lager.
 
Aktuell ist Weiss mit seinem Sohn und weiteren Helfern beim Sortieren, Zerschneiden und Entsorgen. Aber auch beim Auswählen und der Inventarisierung von sammelwürdigen Objekten der Computergeschichte.
 
Für diese Lagerräumung gibt es zwei Gründe, teilt Weiss mit: Zum einen ist es Kostenreduktion, zum andern aber soll, wenn alles klappt, ein Computermuseum entstehen. "Das grösste Museum wird nach Plänen in Solothurn, Museum ENTER, mit tatkräftiger Unterstützung durch die Stadt Solothurn neu entstehen", so Weiss.
 
Je nachdem, was Weiss und seine Mitstreiter heute im Lager entdecken, können sich auch diverse andere Museen über Neuzugänge ihrer Sammlungen freuen, (ebenso wie der Swico auf Sondermüll).
 
Solothurn? "In Zürich ist dies ein Ding der Unmöglichkeit, aber Zürich hat ja nichts mit der CH-IT-Industrie zu tun (!)", schreibt der im Kanton Zürich wohnhafte Weiss.
 
Ein Interesse des allgemeinen Publikums an Informatik vergangener Tage sei durchaus vorhanden, glaubt Weiss. Hingegen sei das Interesse der IT-Branche "sehr gering, eher gegen Null". Die Prognose von Weiss könnte man damit stützen, dass die britische Stadt Manchester ihrer verflossenen, bedeutenden Computergeschichte (der Ferranti Mark 1, der erste kommerziell erhältliche Computer, wurde 1951 dort gebaut), einen bemerkenswerten Teil im Industriegeschichtsmuseum gewidmet hat.
 
Weiss, einer breiteren Öffentlichkeit auch bekannt durch das Poster über die digitale Evolution, ist Erfolg bei seinem Projekt zu wünschen. (mag)