Die Business Software Alliance, ein Zusammenschluss von grossen Software-Herstellern, veranstaltet einmal jährlich eine Show, an der öffentlich Software-Raubkopien zerstört werden. Gestern fand diese in der Kehrichtverbrennungsanlage an der Zürcher Josefstrasse statt. Die Show (Bild) fand Anklang: Der Zürcher Tages-Anzeiger beispielsweise berichtete auf einer vollen halben Seite.
In der Schweiz soll 31% der eingesetzten Software gestohlen sein, was der Schweizer (!) Softwareindustrie einen Schaden von 400 Millionen Franken zufüge. Wenn man die Piraterierate auch nur um 10% senken könne, so würden 7'200 Arbeitsplätze geschaffen und der Staat hätte 1,3 Milliarden Franken mehr Steuereinnahmen.
Doch wieviel ist von den BSA-Zahlen zu halten? Zuerst stellt sich die Frage, ob wirklich ein knappes Drittel der eingesetzten Software gestohlen ist. Ist es nicht eher so, dass man vielleicht Software illegal kopiert - müsste man diese aber kaufen, eher auf deren Einsatz verzichten oder auf ein Open-Source-Produkt umsatteln würde?
Dann fragt sich, wo dieser Schaden tatsächlich entsteht. Schliesslich
ist nicht anzunehmen, dass Schweizer Firmen massenhaft Software von Abacus, Simultan, Netcetera oder Avaloq raubkopieren. Wenn, dann wird wohl eher welche von Microsoft, Adobe oder Quark geklaut.
Inside-it.ch rechnet für Sie nach: Gehen wir davon aus, dass von 400 Millionen Franken tatsächlich nur die Hälfte, also 200 Mio. Franken als Alternative zum Raub für Software ausgegeben würde. Von diesen 200 Millionen Franken dürften etwa (Schätzung!) 150 Millionen auf Microsoft entfallen. Microsoft erzielt eine Netto-Gewinnmarge von 80% auf Desktop-Software (auch .Net-Server-Software dürfte nicht allzu oft gestohlen werden). Von den
150 Millionen Franken würden also 120 Millionen nach Redmond fliessen.
Natürlich beruht unser Rechenbeispiel auf reinen Schätzungen (Methode: "educated guess"). Trotzdem verflüchtigen sich die angeblich verlorenen 7'200 Arbeitsplätze und 1,3 Milliarden Steuereinnahmen doch ziemlich schnell, wenn man nur ein bisschen nachrechnet. (Juan Widmer, Bild: BSA)