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Montag, 15.06.2009
Open-Source-Friede im Kanton Bern

Der Kanton will künftig "intensiv" mit der Open-Source-Community auf höchster Verwaltungsebene zusammenarbeiten - ausserhalb der Microsoft-Betriebssystemumgebung. Open-Source-Firmen verzichten auf eine Beschwerde wegen der ausschreibungslosen Auftragsvergabe an Microsoft.
 
Der Open-Source-Verband /ch/open hat heute eine gemeinsame Medienmitteilung mit der Finanzdirektion des Kantons Bern verschickt. In den vergangenen Wochen waren die beiden Parteien eher mit divergierenden Meinungen aufgefallen. Hintergrund ist der Anfang Mai bekannt gewordene Entscheid des Kantons Bern, mehrere tausend Lizenzen für Betriebssystem und Bürosuite nicht auszuschreiben – es ist nämlich bereits beschlossene Sache, dass bei der Verlängerung der Lizenzen von 2011 bis 2017 Microsoft zum Zug kommen wird. Die Aufregung um diesen Fall folgte damals auf einen analogen Fall bei der Bundesverwaltung.
 
Fronten aufgeweicht
Im Gegensatz zum Auftrag des Bundes, der zurzeit das Bundesverwaltungsgericht beschäftigt, wird es beim Kanton Bern keine Beschwerde der Open-Source-Community geben. Man beabsichtige hingegen eine engere Zusammenarbeit, heisst es in dem Communiqué. Die Beschwerdefrist nach der Amtsblatt-Veröffentlichung Ende Mai ist mittlerweile abgelaufen. Zwar ist die Open-Source-Gemeinde nach wie vor überzeugt, dass freihändige Vergaben von Informatikaufträgen den Wettbewerb verzerren, doch der Kanton Bern konnte seine technischen, organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Gründe für die freihändige Vergabe an Microsoft offenbar "vertieft erläutern und darlegen".
 
Die Berner Informatikverantwortlichen hätten Interesse an einer engeren Kooperation mit der Open-Source-Community in den übrigen Bereichen der Kantonsinformatik signalisiert, heisst es in der gemeinsamen Mitteilung. Die Bereitschaft, auch in diesem Fall Beschwerde gegen die freihändige Vergabe einzureichen, war anfänglich offenbar hoch, doch durch "intensive Gespräche" zwischen der im Kanton zuständigen Finanzdirektion und den Open-Source-Dienstleistern konnten nun "die Fronten aufgeweicht werden." Der Kanton Bern habe zugesichert, dass er künftig intensiv mit der Open-Source-Community auf höchster Verwaltungsebene zusammenarbeiten und, wo zweckmässig, den vermehrten Einsatz von Open-Source-Lösungen ausserhalb der Microsoft-Betriebssystemumgebung fördern will.
 
Pendente Interpellation
Die Vereinbarung soll ebenfalls in der kommenden Antwort auf
die Interpellation von EVP-Grossrat Marc Jost thematisiert werden, die vom Grossen Rat in der Septembersession behandelt werden soll. (Maurizio Minetti)

Kommentare:
Joachim Wiedemann Irgendwie hört sich dieser Bericht nach korruptiver Diplomatie und Schmierentheater an… oder eben, nur niemandem weh tun.
 
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