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Donnerstag, 03.09.2009
Open-Source-Lobby kritisiert Schulinformatik-Ausschreibungen mit Windows-Vorgabe

Die 'Parlamentarische Gruppe Nachhaltigkeit' verlangt mehr Open Source in der Schulinformatik und warnt vor "noch stärkerer Wettbewerbsverzerrung".
 
Nachdem im Kanton Bern auf Kantonsebene ein Waffenstillstand beschlossen wurde, schiesst die 'Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit' nun auf Ausschreiben auf Gemeindeebene. Die Open-Source-Lobbyisten kritisieren in einer Mitteilung insbesondere Ausschreibungen in der Schulinformatik, die von vornherein nur Angebote basierend auf Microsoft Windows zulassen und verlangen Änderungen.
 
Nach mehreren Beispielen aus der Vergangenheit beschaffe nun auch das bernische Jegenstorf ihre Schulinformatik neu und verlange in der Ausschreibung zwingend Windows als Betriebssystem, schreibt die Gruppe. Kritisiert wird auch die für die Gemeinde beratend tätige Firma SYTEQ, die "jedes Mal zum Schluss gekommen" sei, dass Open-Source-Software keine Alternative zu Windows darstelle und deshalb freie Software von vornherein ausgeschlossen sei.
 
Der aktuelle Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht zeige, dass eine derartige Vorwegnahme des Vergabeentscheids juristisch umstritten ist, so die parlamentarische Gruppe weiter. Zudem habe die Berner Regierung bereits vor fast zwei Jahren entschieden, den Einsatz von Open-Source-Software in Berner Schulen zu fördern, als sie eine Motion von Marc Jost (EVP) gutgeheissen habe.
 
Die Parlamentarier fordern nun, dass der "Wettbewerb im IT-Markt mit solchen Produktvorgaben nicht noch stärker verzerrt wird" und verweisen darauf, dass Open-Source-Software an Schulen millionenfach im Einsatz stehe - zum Beispiel an brasilianischen und Genfer Schulen sowie der Oberstufe Wynigen. (bt)

Kommentare:
Theo Schmidt In Steffisburg ist es genau gleich gelaufen. Diese meine Wohngemeinde bewilligte eine grosse Summe für eine Beratung durch die Firma SYTEQ, die von Open-Source-Betriebssystemen nichts wissen will und auch bei den Anwendungsprogrammen (Standard- und Lernanwendungen) mehrheitlich teure proprietäre Lösungen vorschlägt.
 
Der Gemeinderat sah es nicht gern, dass ich versuchte, die mir bekannten Alternativen vorzustellen, und blockte ab. Der Informatik-Verantwortliche der Gemeinde fand zwar Linux-Distributionen mit Lernsoftware auf Live-Basis (z.B. bootbare USB-Sticks) cool, aber ohne Einbezug im Gesamtprojekt wird da wohl nichts draus.
 
Das Parlament schliesslich bewilligte die ganze Sache einstimmig, weil die Mitglieder der relevanten Parteien zugeben, nichts davon zu verstehen und nicht gegen ihre Gemeinderäte stimmen wollen. Ausserdem werden bei solchen Schulinformatik-Geschäften keine Alternativen vorgelegt, sondern Gesamtpakete, und man kann doch nicht "gegen die Kinder" stimmen, oder?

Dorian Grau Herr Häfliger
 
Haben Sie schon mal Open Office angeschaut? Wenn ja hätte Ihnen auffallen müssen, dass es sich in seiner Anwendung und den Funktionen kaum von Microsoft Office unterscheidet - es sieht auf den ersten Blick nur leicht anders aus. Wer das eine kennt - kennt also mehr oder weniger auch das andere. Wir sind also bereit Millionen CHF von öffentlichen Geldern an Microsoft zu bezahlen, nur weil wir zu dumm, zu faul, zu bequem sind uns auch nur ansatzweise mit etwas zu beschäftigen, was wir nicht kennen? Ich denke man könnte mit dem vielen vielen (öffentlichen) Geld das wir für Lizenzen proprietärer Software verschleudern, besseres tun, als nur den ohnehin reichsten Mann der Welt noch reicher zu machen.

Häfliger Ruedi Wünsche den Schülern der Oberstufe Wynigen schon heute alles, alles Gute bei der Lehrstellensuche.
 
Bei sonst gleicher Qualifikation kann das nicht Beherrschen der weltweit gängisten Betriebssysteme und Office-Anwendungen entscheidend sein.
 
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