Nitot: Mit einer kleinen Non-Profit-Community gegen Microsoft anzutreten, war rückblickend betrachtet natürlich ein verrücktes Unterfangen. Dass Firefox dennoch so erfolgreich geworden ist, macht mich daher ganz besonders stolz. Zwei unserer Hauptziele haben wir zudem schon erreicht: Die Wahlmöglichkeit und Innovationen im Web zu fördern.
Mit Google Chrome und Apple Safari sind Mozilla zwei gewichtige neue Konkurrenten erwachsen. Wird Firefox zum Opfer des eigenen Erfolgs?
Nitot: Der starke Wettbewerb macht unser Leben natürlich nicht einfacher, zumal Google im Gegensatz zu Microsoft ein Unternehmen ist, das komplett im Web aufgewachsen ist. Gleichzeitig ist das aber auch eine Entwicklung, die wir immer angestrebt haben und von denen in erster Linie die Web-User profitieren werden. Als eine Massnahme werden wir die Release-Zyklen von neuen Firefox-Versionen weiter verkürzen.
Nitot: Google hat unseren gemeinsamen Vertrag im Jahr 2008 um drei weitere Jahre verlängert. Darüber hinaus haben wir genügend Rücklagen gebildet, um auch bei einem unerwarteten Ende der Kooperation nicht zu straucheln. Davon ist derzeit aber keine Rede, der Deal ist lukrativ für beide Seiten. Google profitiert von unserem Traffic und wir können durch die Vergütung mehr Ressourcen in die Entwicklung von Projekten wie Firefox stecken.
Wie will Mozilla gegen Microsoft und Co auch in Zukunft punkten?
Nitot: Alle unsere Mitbewerber sind börsennotierte Unternehmen, Mozilla ist eine gemeinnützige Non-Profit-Organisation. Das bedeutet, dass bei unserer Entwicklung allein der Webuser und die Offenheit des Webs im Vordergrund steht und keine anderen strategischen Interessen.
Nitot: Angesichts der Vielzahl an Geräten, die ein einzelner User heute verwendet, wird das Thema zunehmend wichtiger. Mit Mozilla Weave haben wir daher eine Technologie entwickelt, mit der sensible Browser- und Userdaten bei der Synchronisation von diversen Geräten wie Mobiltelefon, Notebook und Standcomputer geschützt werden können.
Nitot: Bei Fennec handelt es sich um eine vollwertige Firefox-Adaption, die auf der Engine der kommenden Desktopversion 3.6 aufbaut. Das User-Interface wird um eine Touchscreen-Funktionalität erweitert, gleichzeitig sollen die von Firefox bekannten Erweiterungen und Add-ons verwendet werden können. Für den 1.0-Release planen wir zudem die Integration von Weave, das völlig neue Möglichkeiten in der Browser-Synchronisation erlaubt.
Nitot: Der bis Jahresende angestrebte 1.0-Release wird zunächst auf der Linux-Plattform Maemo laufen, die etwa bei Nokias Internet Tablet N900 zum Einsatz kommt. Gleichzeitig arbeiten wir an Versionen für Android und Windows Mobile.
Nitot: Der Browser ist und bleibt das Tor zum Internet und damit die wichtigste Software auf jedem Computer. Die Benutzung muss daher einfach sein und Spass machen. Gleichzeitig wollen die User das Gefühl haben, dass der Browser ihnen "gehört" und nach ihren Bedürfnissen personalisierbar ist - sei es bei seinen Funktionen als auch beim Aussehen. Diese Anforderungen werden wir daher auch bei den zukünftigen Firefox-Versionen besonders berücksichtigen.
(pte)
