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Montag, 07.12.2009
Parlamentarier kritisieren Windows-Salat beim Bund

Die "Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" verlangt stattdessen mehr Open-Source-Software und offene Standards in der Bundesverwaltung.
 
Die "Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" reagierte heute auf den am Freitag bekannt gewordenen Vista-Knatsch in der Bundesverwaltung. Einzelne Departemente wehren sich gegen die Migration auf Windows Vista – sie würden eine Migration auf das neuste Microsoft-Produkt Windows 7 bevorzugen.
 
Nach der bereits "skandalösen" Software-Beschaffung in der Höhe von 42 Millionen Franken manövriere sich der Bund in ein weiteres Informatik-Chaos, schreibt die Gruppe in der Mitteilung. Die Parlamentarier sind enttäuscht, denn sie erwarten von den Bundes-Informatikern einen "nachhaltigen Umgang mit digitalen Gütern". Sie stellen in Frage, ob mit der nun drohenden uneinheitlichen Desktop-Umgebung wie erhofft jährlich 15 Millionen Franken eingespart werden können. (Der Bund kurbelte das Einsparungspotenzial Anfang November sogar nach unten).
 
Open Source als Alternative
Edith Graf-Litscher, SP-Nationalrätin und Ko-Präsidentin der opensource-affinen Parlamentarier-Gruppe: "Überall muss gespart werden. Im Informatikbereich der Bundesverwaltung wird genau das Gegenteil gemacht. Jetzt werden mindestens vier Windows-Versionen in der Bundesverwaltung im Gebrauch sein: Windows 2000, Windows XP, Windows Vista und Windows 7. Wenn es so weitergeht, wird die Bundesverwaltung nie den Synergie-Effekt eines einheitlichen Systems haben, weil sie kontinuierlich upgraden muss, was mit sehr hohen Kosten verbunden ist."
 
Auch EVP-Nationalrat Walter Donzé lässt sich zitieren: "Die öffentlichen Verwaltungen werden mit Steuergeldern geführt. Da lässt sich schon schauen, ob man sich langfristig an einen Software-Lieferanten binden lässt oder ob man nicht besser Open-Source-Software und offene Standards verwendet und sich damit Handlungsspielraum verschafft."
 
Die Upgrade-Zyklen von Open-Source-Software seien von Natur aus stärker auf die Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet, heisst es in der Mitteilung. Quelloffene Lösungen würden typischerweise regelmässiger aber in weniger drastischen Schritten erneuert, sodass die Aktualisierung sanfter und ohne grosse "Hauruck"-Migrationsprojekte durchgeführt werden könne.
 
Die Parlamentarier glauben, dass man die kurzfristig anfallenden Wechselkosten von proprietärer auf Open-Source-Software durch die langfristigen Kosteneinsparungen der künftigen Updates kompensieren könnte. (mim)

Kommentare:
M. J. Schaffner Pfannenfertige Kaufsoftware (d.h. z.B. Microsoft, Adobe ...) ist in der Regel innerhalb des Pakets optimal auf sich abgestimmt. Hingegen zeigt die Vergangenheit, dass Patches und neuere Versionen dank ihrer nicht offenen und oft ändernden Schnittstellen zahlreiche Probleme mit den Umsystemen verursachen. Im Open-Source-Bereich sind Versionswechsel disebezüglich weniger dramatisch und mit einem Update statt einer Komplettmigration machbar - die Freiheit ist da also grösser und Abhängigkeit kein Killer-Thema.
 
Eine einigermassen standardisierte IT-Landschaft ist immer günstiger im Unterhalt - egal ob mit Microsoft oder OpenSource. Insofern gibt es da kaum einen Unterschied zwischen den beiden Welten.
 
Eine Vergabe, wie sie der Bund da gemacht hat, ist aus Sicht des Steuerzahlers eine Frechheit. Der Beweis, dass OpenSource nicht geht, wurde nicht mal testweise (SWOT, PoC) erbracht - jedoch aber der, dass Microsoft gewiefte Sales-Leute hat, die mit Strategieorganen umzugehen wissen.

Stephan Kunz Warum hat eigentlich jeder Mensch, der schon mal an einem PC gesessen ist, das Gefühl, er sei ein IT-Spezialist?
 
Der normale User ist erwiesenermassen häufig schon mit einem Wechsel von XP zu Vista oder Win7 überfordert. Was würde wohl passieren, wenn man diesen Leuten von heute auf morgen ein Open Source OS hinstellen würde? Und überhaupt: Mit dem Betriebsystem selber wird ja eigentlich nur indirekt gearbeitet. Die eigentlichen Applikationen/Anwendungen sind doch mindestens genauso wichtig. Solange die meisten dieser Programme auf Microsofts Windows ausgerichtet sind, ist jegliche Diskussion, breitflächig auf Open Source umzusteigen, blanke Theorie. Die Akzeptanz der User fehlt ganz einfach. Es gibt mehr als genug Beispiele, wo solche Aktionen nach hinten losgegangen sind. Und dass Open Source Programme unter dem Strich tatsächlich günstiger sind, wage ich ernsthaft zu bezweifeln.
 
Alle schimpfen zwar über Microsoft, doch die allermeisten Anwender haben sich mit diesen Betriebssystemen längst engagiert, abgefunden und sogar angefreundet. Eine echte Alternative ist im Business-Bereich schlicht und ergreifend nicht da. Zuhause? Ein anderes Thema!
 
Open Source hat seine Daseinsberechtigung im produktiven Serverbereich. Im Desktop-Anwenderbereich kommen die Leute mit all den komischen Unix- und Linuxderivaten einfach nicht zurecht. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Apple? Schon mit dem Kauf eines iPhone begibt man sich in die Abhängigkeit und kommt nur noch mit Tricksereien um das iTunes Portal herum. Auf Apple zu setzen käme mit "den Teufel mit dem Belzebub austreiben" gleich.

Roger Bochinski Insoweit bin ich mit der Aussage einig, dass es nicht viel Sinn macht W2K, XP und VISTA zu unterhalten. Da sollte man sich schon auf ein OS einigen. Die drei genannten OS sind meiner Meinung nach schon wegen dem Support durch MS nicht sehr geeignet, da der Support bald beendet wird (W2K Juli 2010, XP 2014 und VISTA 2014). Im Weiteren ist es auch für die Admins einfacher, nur ein OS zu unterhalten und erspart deswegen schon viel Zeit und Geld. Warum man nicht gleich auf Windows 7 setzt und jetzt bei einer neuen Migration noch auf VISTA setzen will, ist für mich als Informatiker unverständlich.
Open Source (Linux) wird gerne als billiger und besser dargestellt, was sich aber in der Realität oftmals als einen extremen Irrtum raustellt. Oftmals sind die Folgekosten ein Vielfaches höher als geplant und die Akzeptanz derjenigen, die damit täglich arbeiten müssen, nicht gegeben. Gerade bei einer solch grossen IT- Infrastruktur wie beim Bund wäre eine Umstellung auf Linux mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe mit vorprogrammiert. Applikationen, die man heute braucht, würden da mit Sicherheit nicht mehr, oder eher schlecht als recht laufen. Neue würden zu weiteren Folgekosten führen, da das Personal zuerst umgeschult werden müsste. Dass es Open-Source-Alternativen gibt, ist auch nicht garantiert, was evtl. zu Notlösungen führen kann, die dann in der Effizienz und Unterhalt mehr als fragwürdig sind. Nicht zu vergessen: Das IT-Personal müsste ebenfalls wenn nötig nochmals umgeschult werden und einige würden wegen der Open-Source-Infrastruktur sicher ihren Job verlieren.
Open Source hat durchaus seine Vorteile, aber die Umsetzung verlangt nun mal sehr viel mehr Fachwissen und Fachkräfte, die leider nicht vorhanden sind. Man sollte auch niemals vergessen, dass der Beamte, der "Normalo", der täglich damit arbeiten muss, auch damit einverstanden sein muss, denn nur so kann man arbeitstechnisch auch die Effizienz steigern. Dass dies bei Open Source oftmals nicht der Fall ist, zeigt sich am Beispiel Solothurn. Viele sind damit unzufrieden und die Kosten sind viel höher als anfangs gedacht. Sowas muss man sich sehr gut überlegen und nicht einfach nur deswegen entscheiden, weil im Moment ein Trend gegen Microsoft besteht, hier steht einfach viel zu viel auf dem Spiel.
 
Mit freundlichen Grüssen
Roger Bochinski

Reto Agosti Meine Praxis läuft schlecht und recht mit Windows XP. Auf meinem Sony-Laptop ('vista compatible') gab's zwar ein paar neue und praktische Features, aber so viel Ärger und Abstürze, dass ich nun wieder auf XP gelandet bin - einige tausend IT-Franken später. Open-Source oder Mac wären die bitter nötigen Alternativen zur Bill-Gates-Diktatur. Wie kann man sich als grossen Philanthropen hinstellen, wenn Milliarden von Kunden unzufrieden sind? Teure IT-Ineffizienz. Vieles an Windows ist immer noch primitiv veraltet, z.B. merkt Windows erst WÄHREND des Kopiervorgangs, dass, huch, zuwenig Speicherplatz auf dem Zielmedium besteht.... Ist etwa so, wie wenn ich mit einem Messstab im Tank meines teuren Luxusautos den Benzinstand zu ermitteln hätte. Weg von Windows würde viel Ärger und Geld sparen.
 
Dr. med. Reto Agosti
 
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