Die "Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" verlangt stattdessen mehr Open-Source-Software und offene Standards in der Bundesverwaltung.
Die "Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" reagierte heute auf den am Freitag bekannt gewordenen
Vista-Knatsch in der Bundesverwaltung. Einzelne Departemente wehren sich gegen die Migration auf Windows Vista – sie würden eine Migration auf das neuste Microsoft-Produkt Windows 7 bevorzugen.
Nach der bereits "skandalösen" Software-Beschaffung
in der Höhe von 42 Millionen Franken manövriere sich der Bund in ein weiteres Informatik-Chaos, schreibt die Gruppe in der Mitteilung. Die Parlamentarier sind enttäuscht, denn sie erwarten von den Bundes-Informatikern einen "nachhaltigen Umgang mit digitalen Gütern". Sie stellen in Frage, ob mit der nun drohenden uneinheitlichen Desktop-Umgebung wie erhofft jährlich 15 Millionen Franken eingespart werden können. (Der Bund kurbelte das Einsparungspotenzial Anfang November
sogar
nach unten).
Open Source als AlternativeEdith Graf-Litscher, SP-Nationalrätin und Ko-Präsidentin der opensource-affinen Parlamentarier-Gruppe: "Überall muss gespart werden. Im Informatikbereich der Bundesverwaltung wird genau das Gegenteil gemacht. Jetzt werden mindestens vier Windows-Versionen in der Bundesverwaltung im Gebrauch sein: Windows 2000, Windows XP, Windows Vista und Windows 7. Wenn es so weitergeht, wird die Bundesverwaltung nie den Synergie-Effekt eines einheitlichen Systems haben, weil sie kontinuierlich upgraden muss, was mit sehr hohen Kosten verbunden ist."
Auch EVP-Nationalrat Walter Donzé lässt sich zitieren: "Die öffentlichen Verwaltungen werden mit Steuergeldern geführt. Da lässt sich schon schauen, ob man sich langfristig an einen Software-Lieferanten binden lässt oder ob man nicht besser Open-Source-Software und offene Standards verwendet und sich damit Handlungsspielraum verschafft."
Die Upgrade-Zyklen von Open-Source-Software seien von Natur aus stärker auf die Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet, heisst es in der Mitteilung. Quelloffene Lösungen würden typischerweise regelmässiger aber in weniger drastischen Schritten erneuert, sodass die Aktualisierung sanfter und ohne grosse "Hauruck"-Migrationsprojekte durchgeführt werden könne.
Die Parlamentarier glauben, dass man die kurzfristig anfallenden Wechselkosten von proprietärer auf Open-Source-Software durch die langfristigen Kosteneinsparungen der künftigen Updates kompensieren könnte. (mim)
Kommentare:
Open Source (Linux) wird gerne als billiger und besser dargestellt, was sich aber in der Realität oftmals als einen extremen Irrtum raustellt. Oftmals sind die Folgekosten ein Vielfaches höher als geplant und die Akzeptanz derjenigen, die damit täglich arbeiten müssen, nicht gegeben. Gerade bei einer solch grossen IT- Infrastruktur wie beim Bund wäre eine Umstellung auf Linux mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe mit vorprogrammiert. Applikationen, die man heute braucht, würden da mit Sicherheit nicht mehr, oder eher schlecht als recht laufen. Neue würden zu weiteren Folgekosten führen, da das Personal zuerst umgeschult werden müsste. Dass es Open-Source-Alternativen gibt, ist auch nicht garantiert, was evtl. zu Notlösungen führen kann, die dann in der Effizienz und Unterhalt mehr als fragwürdig sind. Nicht zu vergessen: Das IT-Personal müsste ebenfalls wenn nötig nochmals umgeschult werden und einige würden wegen der Open-Source-Infrastruktur sicher ihren Job verlieren.
Open Source hat durchaus seine Vorteile, aber die Umsetzung verlangt nun mal sehr viel mehr Fachwissen und Fachkräfte, die leider nicht vorhanden sind. Man sollte auch niemals vergessen, dass der Beamte, der "Normalo", der täglich damit arbeiten muss, auch damit einverstanden sein muss, denn nur so kann man arbeitstechnisch auch die Effizienz steigern. Dass dies bei Open Source oftmals nicht der Fall ist, zeigt sich am Beispiel Solothurn. Viele sind damit unzufrieden und die Kosten sind viel höher als anfangs gedacht. Sowas muss man sich sehr gut überlegen und nicht einfach nur deswegen entscheiden, weil im Moment ein Trend gegen Microsoft besteht, hier steht einfach viel zu viel auf dem Spiel.
Roger Bochinski