30-Millionen-Auftrag: Econis übernimmt den Finnova-Betrieb bei den Säntis-Banken. Swisscom IT Services zieht für einmal den Kürzeren.
Die fünf Kantonalbanken aus Appenzell, Glarus, Nidwalden, Obwalden und Uri ("Säntis-Banken") haben sich entschieden, den Dietiker IT-Dienstleister Econis mit dem Betrieb der Bankensoftware Finnova zu beauftragen. Der noch bis Ende 2011 laufende Vertrag mit dem bisherigen Partner Swisscom IT Services (SCIS) wird nicht mehr verlängert. Der Wechsel zu Econis wird im Verlauf des Jahres 2011 vollzogen.
Volumen: 30 MillionenAls erste der fünf Banken hatte die Nidwaldner Kantonalbank (NKB) Anfang 2006 die alte AGI-Plattform abgelöst und auf Finnova migriert. Der Entscheid für SCIS als Betreiber von Finnova war damals naheliegend, weil SCIS ein paar Jahre zuvor den von acht Kantonalbanken gegründeten Dienstleister AGI IT-Services übernommen hatte.
Wie NKB-Chef Markus Grünenfelder zu inside-it.ch sagt, ist die Leistung von SCIS nach wie vor gut, und es sei bei der Neuevaluierung von Anfang an klar gewesen, dass man einen Schweizer IT-Provider
als Partner wollte. Ausschlaggebend für die Wahl von Econis sei letztlich der Umstand gewesen, dass man "eigenes Blech" verwenden könne. Grünenfelder: "Wir kaufen die Hardware selber und verzichten auf virtuelle Server." Wichtig sei auch, dass Econis von der Grösse her besser zu den fünf Kantonalbanken passe.
Der Preis habe natürlich auch eine Rolle gespielt, sagt Grünenfelder, doch sei dies nicht ausschlaggebend gewesen. Der nun abgeschlossene Vertrag läuft fünf Jahre und hat ein Volumen (inklusive Projektkosten) von zirka 30 Millionen Franken.
Econis Gewinner, Swisscom VerliererEconis steht nun als grosser Gewinner da. Drei der fünf Banken (Appenzell, Nidwalden, Obwalden) sind Neukundinnen und es ist das erste Mal, dass Econis als alleiniger Betreiber einer modernen Bankenplattform auftritt. In bisherigen Fällen stand jeweils ein "Grosser" im Weg, wie etwa T-Systems. So betreibt Econis gewisse Elemente von Finnova bei der Migros Bank, der Hauptbetrieb liegt aber bei T-Systems. Der jetzige Deal ist deshalb ein Meilenstein in der Geschichte von Econis. Wie Econis-Chef Hans Blindenbacher zu inside-it.ch sagt, ist Econis schon seit mehreren Jahren schwergewichtig in der Finanzindustrie tätig. "Zwei Drittel des Umsatzes generieren wir mit Banken", so Blindenbacher.
Der Verlierer ist hingegen SCIS. Mediensprecher Martin Schweikert will denn auch nichts beschönigen: "Das ist für uns ein klarer Verlust. Wir sind dabei, die Gründe für diesen Wechsel zu evaluieren." Schweikert betont aber, dass SCIS in den vergangenen Jahren viele grosse Kunden gewonnen hat und in diesem Fall SCIS nur als Hoster der Plattform aufgetreten und nicht für die Pflege der Applikationen zuständig gewesen sei. Tatsächlich hatte der Hersteller Finnova bei den Säntis-Banken das Application Management inklusive Umsysteme selber inne und dabei soll es auch in Zukunft bleiben. (Maurizio Minetti)
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