BloggingToms Woche im Cyberspace XXIII.
Unverlangte Werbemails für Viagra, Penisverlängerungen und allerlei sonstigem Mist sind wohl eines der grössten Ärgernisse im Internet. Seit der Versand von Spam auch in der Schweiz
unter Strafe steht, sind wenigstens Schweizer Spammer etwas ruhiger geworden und nerven nicht mehr mit den dubiosen Verkaufsangeboten von Swissair-Memorabilien wie Bestecke und Trolleys und ähnlichem. Trotzdem lässt der Anteil von Spammails gemessen am gesamten Mailaufkommen aufhorchen: Ganze 95,4 Prozent der versandten E-Mails im Jahr 2007 sollen unverlangte Werbemails gewesen sein.
Erstaunlich deshalb, dass Privatbankier Dr. Konrad Hummler,
Teilhaber der noblen Wegelin & Co. in der letzten SonntagsZeitung eine
Lobeshymne auf Spam zum Besten geben durfte und darin behauptete, dass Spam nicht schlecht sein muss. Schliesslich würde in Spammails auch durchaus
sinnvolles wie Herrensocken angeboten.
Mein lieber Herr Hummler: Spam wird weder weniger lästig noch legaler, nur weil darin manchmal auch sinnvolles angeboten gibt. Und: Für die meisten Dinge des Lebens gibts auch seriöse Anbieter!
Letzte Woche hatte ich in
meiner Kolumne ja bereits Web-2.0-Entwicklungen aufgegriffen, die niemand wirklich braucht. Diese Woche ist mir ein ganz eigenartiges Exemplar unter die Augen geraten, das hier einfach Erwähnung finden muss.
Lootogo, mit dem sinnigen Untertitel "Ich kann's nicht mehr halten", will allen Ernstes ein Bewertungsportal für öffentliche Toiletten aufbauen. Wie praktisch: Wenn ichs "nicht mehr halten" kann, dann suche ich mir bestimmt zuerst einen Internetzugang, um mir die Bewertungen der umliegenden öffentlichen WCs anzusehen. Ist doch klar, wenn es sich beim nächsten WC um ein schmuddeliges Exemplar handelt, suche ich mir mittels Lootogo ein weiter entferntes, nur um mich beim Wasserlassen rundum wohl zu fühlen (falls ich es bis dorthin "halten konnte"). Den Radfahrern, die Lootogo als Beispiel nennt, empfehle ich für einen solchen Fall dann noch eher den
Roadbag, der allerdings nur für Männer zugelassen ist.
Die Allgemeinbildung lässt gemeinhin ja immer mehr zu wünschen übrig. Im deutschsprachigen Europa wurde einem das ja spätestens seit
diesem Interview über den Irakkrieg vor Augen geführt. In anderen Ländern scheint das Niveau allerdings auch nicht viel höher zu sein. Obwohl: Amerikaner würden so etwas
nie zugeben. Briten allerdings
auch nicht. Da lob ich mir doch die Bulgaren:
Die singen wenigstens besser. Oder doch nicht? (
BloggingTom)