BloggingToms Woche im Cyberspace LIII.
Schon mal etwas vom
Streisand-Effekt gehört? Nein? Der deutsche Linkspolitiker Lutz Heilmann kannte den Begriff bis vor kurzem auch nicht, aber ich bin sicher, dass er ihm seit letztem Wochenende mehr als geläufig ist. Nachdem Heilmann nämlich Details
seiner Biografie auf Wikipedia sauer aufgestossen sind, ging er kurzerhand juristisch gegen den Verein Wikimedia Deutschland vor, der das Nachschlagewerk unter der .de-Domain zugänglich macht. Allerdings merkte er wohl zu spät, dass es um seine Medienkompetenz in Sachen Internet nicht zum Besten steht und erreichte mit der Sperrung der Domain wikipedia.de so ziemlich das Gegenteil von dem, was er eigentlich wollte. Der Eintrag war damit nämlich keineswegs vom Internet gewischt, im Gegenteil: Über de.wikipedia.org blieb der Eintrag nicht nur bestehen, er schwang sich kurzfristig sogar zum meisteditierten Artikel in der Enzyklopädie hoch. Plötzlich gerieten der Name Heilmann und sein Eintrag mitten
in die Berichterstattung von Blogs und anderen Medien, sogar im fernen Amerika berichtete Techchrunch, das als eines der bekanntesten Techblogs der Welt gilt, über die
seltsamen Vorgänge in Deutschland. Zwei Tage später gab Heilmann auf, versprach, auf weitere rechtliche Schritte gegen Wikimedia zu verzichten und sprach den Wikipedia-Nutzern sogar sein Bedauern aus.
Trotz der Widrigkeiten wird man sich bei Wikimedia am Ende über Heilmanns Aktion gefreut haben. Denn alleine am vergangenen Samstag, als die Sperre aktiviert wurde, gingen Spenden in der Höhe von rund 16'000 Euro ein. Im Vergleich zu den 3'000 Euro, die an normalen Tagen durchschnittlich gesammelt werden, ein doch sehr ansehnlicher Betrag.
Eine sich anbahnende Wirtschaftskrise fordert Taten, auch im persönlichen (finanziellen) Bereich. So wollte ein Österreicher vor kurzem sein Geld auf Ebay versteigern lassen, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtet. Er habe grosse Angst vor der Krise, weshalb er eine 50-Euro-Note anbiete, "garantiert echt und frisch aus dem Bankomat". Doch trotz dem Hinweis darauf, dass besonders Misstrauische die Note auch gerne überprüfen könnten, wurde nichts daraus. Denn nach Hinweisen überprüfte Ebay die Auktion und stoppte sie, denn Geld dürfe nur versteigert werden, wenn es einen Sammlerwert habe. Glück (oder Pech?) für den Österreicher, denn das neunte (und letzte) Gebot erreichte nur 42.50 Euro. Aber dieses Minus hätte wohl auch zur aktuellen Wirtschaftskrise gepasst...
Zum Schluss noch dies: In unruhigen Zeiten, wo es für UBS-Aktien bald
nur noch Spaghetti gibt, lohnt es sich, die Atmosphäre wieder mal ein wenig aufzulockern. Wie wärs mit ein bisschen
Stealth Disco in der Firma? Aber aufgepasst, dass das iPhone nicht
ungefragt Photos davon verschickt. Und übrigens, genau hinsehen lohnt sich: Nicht jeder, der ein Apple-Notebook sein Eigen nennt, hat auch
wirklich eins… (
BloggingTom)