BloggingToms Abenteuer im Cyberspace LXI
Glaubt man den in der letzten Woche verbreiteten Medienberichten, dann versetzt der Malware-Wurm Conficker/Downadup die IT-Branche in Angst und Schrecken. 6 Prozent aller Windows-PCs weltweit sollen vom Wurm befallen sein,
behauptet Panda Security und F-Secure
meldet 9 Millionen infizierte Rechner weltweit. Das wäre in der Tat eine bemerkenswerte Infektionhöhe. Nur:Stimmt das so?
Nimmt man die geschätzte Anzahl von einer Milliarde in Betrieb stehenden PCs als Referenz und berücksichtigt, dass davon etwa 89 Prozent mit Windows arbeiten, so würde die Anzahl infizierter Rechner bei Panda bei 53 Millionen Geräten liegen. Bei F-Secure hingegen sinds "nur" 9 Millionen. Haben die sich vielleicht einfach verrechnet?
Neue Zahlen bringt das deutsche Magazin 'Computerbild' ins Spiel und behauptet, weltweit seien höchstens
500'000 Computer befallen.
Diese Zahl hätte eine Untersuchung von AV-Test, dem "grössten unabhängigen Viren-Testcenter Europas", mittels
Honeypot-Verfahren ergeben. Und noch eine Diskrepanz ist auffällig: Während aus Sicht
von Symantec China und Argentinien am meisten betroffen sind, sind es bei F-Secure China, Russland und Brasilien und gemäss AV-Test die USA.
Ja, was stimmt denn nun? Sind die Zahlen der Virenjäger einfach nur masslos übertrieben und sollen den Absatz der Antiviren-Produkte ankurbeln? Das wissen wohl nur die Antivirenhersteller selbst. Zugute halten darf man ihnen aber immerhin, dass grosse Teile der unterschiedlichen Zahlen durch verschiedene Berechnungsweisen entstehen. So berechnet Panda seine Zahlen mit Infektionen, die via Online-Scanner gefunden wurden. Dass Online-Scans am ehesten bei Verdacht auf einen Virus gemacht werden, wird aber verschwiegen. F-Secure verwendet einen Multiplikator pro infizierte IP-Adresse, und Symantec wiederum verwendet eine Mischung aus IP- und Browser-String zur Zählung. Kein Wunder, dass so verwirrend widersprüchliche Zahlen herauskommen...
Trotzdem: Ob es nun 10 Millionen oder 500'000 infizierte Rechner sind - es sind immer zu viele. Erst recht, seit Conficker ein Krankenhaus in Österreich infizierte und wahrscheinlich sogar Computersysteme der britischen Marine kompromittierte. Dabei ist der Schutz vor Conficker für einmal wahrlich kein Hexerei: Wer erst mal den (auch über Windows-Update verteilten)
Microsoft-Patch vom Oktober letzten Jahres eingespielt hat, kann sich zurücklehnen und weiter über die Zahlen der Antivirenhersteller staunen.
Zum Schluss die Kurzmeldungen im Schnelldurchlauf:
Reparaturtipp für kaputte Plasma-Fernseher - Nie mehr neue
Visitenkarten drucken - Und die
transportable Raucherkabine, passend für das baldige Rauchverbot. (
BloggingTom)