BloggingToms Abenteuer im Cyberspace LXXII
"Pünktlich" auf Ostern war die deutsche Domain des Projekts 'Wikileaks' nicht mehr erreichbar und zeigt seither auf eine Seite der deutschen Registrierstelle Denic. "Pünktlich" deshalb, weil über Ostern weder der Provider, noch die Denic selbst für Stellungnahmen erreichbar waren. Und so geisterten tagelang die wildesten Spekulationen über den Grund der Abschaltung der Domain durch das Netz.
Wikileaks, das immer wieder durch die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten auf sich aufmerksam macht, war in den Tagen zuvor bereits in den Schlagzeilen. Nachdem auf deren Seiten eine Liste der in Dänemark gesperrten Internetseiten aufgetaucht war, wurde beim Inhaber der deutschen Wikleaks-Domain, Theodor Reppe, eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Grund: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des "Verdachts der Beihilfe zum Vertrieb von Pornographie" gegen Reppe, weil die dänische Liste über seine Domain einsehbar war.
Die Reaktion der Wikileaks-Betreiber folgte sofort. Diese warfen den Behörden vor, "eine ganze Presseorganisation wegen
einem von hunderttausenden Dokumenten zu schliessen, ohne den Herausgeber überhaupt zu kontaktieren". Wikileaks beschuldigte sowohl die deutschen Justizbehörden als auch die Domain-Registrierstelle Denic, die Domain gesperrt zu haben, was zumindest Denic umgehend dementierte.
Nun stellt sich heraus: Die Sperrung war gar keine, zumindest keine mit behördlichem Hintergrund. Vielmehr geht es um einen Streit zwischen Reppe und seinem Hamburger Provider 'Beast Associated'. Dieser hatte den Vertrag bereits im Dezember gekündigt, nachdem Reppe versucht hatte, die Domain des Deutschen Bundesnachrichtendienstes, bnd.de, per Domainübertragung in seinen Besitz zu nehmen. Per Ende März hätte Reppe nun also seine Domains zu einem neuen Provider umziehen müssen - und diese Frist ungenutzt verstreichen lassen...
Gerade in Zeiten, wo überall über URL-Sperrlisten diskutiert wird (obwohl sie eigentlich
ins Leere zielen), mag es zwar naheliegend sein, sofort die Behörden als Übeltäter ins Auge zu fassen. Ziemlich peinlich wird es aber, wenn das schlichte Unvermögen des Domaininhabers, die Domain rechtzeitig umziehen zu lassen, dazu führt, dass Wikileaks frontal gegen Behörden schiesst und einige Journalisten die Mitteilung dann auch noch ungeprüft übernehmen und als Tatsachen verkaufen.
Eines scheint zumindest klar: Wikileaks ist, einmal mehr, zwar im Gespräch, doch wurde der Glaubwürdigkeit des Portals mit dem österlichen Kommunikationsdesaster ein ziemlicher Bärendienst erwiesen.
Und falls Sie sich nun fragen, wieso in dieser Kolumne kein Link zu Wikileaks und deren Mitteilungen zum Thema zu finden ist: Wir wollen doch nicht, dass die Schweizer Justiz sich genötigt sieht, eine Hausdurchsuchung bei inside-it.ch wegen "Beihilfe zu einer Straftat" durchzuführen. Wer es trotzdem genauer wissen will, dem sei Google empfohlen. Mit dem Stichwort "Wikileaks" lässt sich die Suchmaschine einiges zum Thema entlocken. Bleibt die Frage, ob bei Google auch nächstens eine Hausdurchsuchung stattfindet...
Zum Schluss der Schnelldurchlauf: Falls ihre Suche via Google mal etwas mehr Zeit benötigt: Versuchen Sie es doch mal mit
Google Classic. Während dem Warten auf Antwort könnten Sie ja schon mal ein für einen neuen Weltrekord im
T-Shirt-Tragen trainieren, oder die neue
T-Shirt-Falt-Technik üben. Aber bleiben Sie bloss weg von sozialen Netzwerken wie Facebook, denn: Die löschen die menschliche Moral aus (sagen zumindest
irgendwelche Forscher). (
BloggingTom)