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Mittwoch, 29.04.2009
Auch Blogs können richtig was kosten…

BloggingToms Abenteuer im Cyberspace LXXIV
 
Die überraschende Nachricht, dass das "Aushängeschild" des Zürcher Startups Blogwerk, das medienkritische Blog medienlese.com, wegen mangelnder Werbefinanzierung eingestellt würde, kam am letzten Freitag. Und seither drehte sich in vielen Blogs und Twitternachrichten zwar nicht alles, aber immerhin vieles um das Schicksal des Blogs und dessen Autoren. Und kaum hatte Blogwerk-Chef Peter Hogenkamp via Twitter einen Hinweis auf die Kosten geliefert, startete die Spendenkampagne eines Lesers, der in nur 3 Tagen 62 Spender zusammentrommeln konnte, die die benötigte Summe von 2000 Euro locker machten.
 
Wenn man bedenkt, dass damit "nur" die tägliche Serie "6 vor 9" für sechs Monate gerettet ist (und von Blogwerk weiter zusätzlich mitfinanziert wird), ist das erstaunlich. "6 vor 9" besteht nämlich nicht aus eigenrecherchierten Artikeln, sondern "lediglich" aus einer Art "Linktipps aus der Medienbranche". Etwas also, was jeder geneigte Leser auch selbst machen könnte. Könnte, wenn er denn genügend Zeit finden würde, all die wichtigen und weniger wichtigen Seiten selbst abzusurfen. So gesehen ist "6 vor 9" tatsächlich ein Angebot, das einen Mehrwert generiert, in dem es einem das lästige Rumsurfen abnimmt. Andererseits: In Zeiten des Informations-Überflusses doch erstaunlich, dass sich soviele Leser von Medienlese genau für die Rubrik einsetzen, die am wenigsten Eigenleistung beinhaltet (wenn man mal vom Zusammensuchen der Links absieht).
 
Doch was passiert nach den nun spenden-gesicherten sechs Monaten? Das Problem der fehlenden Monetarisierung bleibt nämlich bestehen, da ändern auch ein paar fremdfinanzierte Monate nichts. Wurde der Tod des Angebots mit den Spenden nun einfach sechs Monate nach vorne verschoben oder denkt man bei Blogwerk anstelle eines Verkauf des Blogs gar über kostenpflichtige Abo-Modelle nach?
 
Beides dürfte wohl zum Scheitern verurteilt sein, denn auch Hogenkamp selber bezeichnet das vom Tod bedrohte Medienblog vor allem als Prestigeobjekt. Kaufen wird solch ein Prestigeblog wohl keiner, denn damit lässt sich, das hat Blogwerk eindrücklich bewiesen, offenbar kein Geld verdienen. Und auch ein Abomodell wird nach dem Aufbrauchen der Spendengelder wohl kaum funktionieren, denn: Wer zahlt schon auf Dauer für ein paar, pardon, zusammengesuchte Links. Selbst wenn es sich dabei durchaus ab und zu um Perlen handelt…
 
Gratis und ganz ohne Abo-Modell jetzt aber noch ein paar Links frei Haus: So viel Inhalt für so wenig Sandwich. – Der grosse Lauschangriff mit Mikrofonen hat längst begonnen, zum Beispiel am Zürcher Bahnhof Stadelhofen. – Und mal wieder ein Geschenk für Geeks: Der Sony Rolly – für schlappe 350 Euro. (BloggingTom)
 
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