BloggingToms Woche im Cyberspace XCIX
Die Musikindustrie ist ja nicht gerade bekannt dafür, auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern besonders innovativ zu sein. Man bedient sich lieber seit Jahren sorgfältig aufgebauten Drohkulissen und will den hintersten und letzten Musikkopierer hinter Gitter bringen (oder ihm zumindest einen saftigen Geldbetrag abluchsen). Sicher, wir älteren Jahrgänge kennen den Gang in den Plattenladen und das Ritual des Probehörens ("Chönd Sie d'Platte bitte mal umdrähe?") noch. Unsere Jugend aber hat davon keinen blassen Schimmer, wundert sich über die Daseinsberechtigung von CD-Läden und lädt darum eifrig via Tauschbörsen und P2P-Clients Musik herunter. Und was macht die Musikindustrie? Sie klagt und klagt und klagt und greift dabei auf zumindest
umstrittene "Fahndungsmassnahmen" zurück.
Natürlich ist unbestritten, dass der grösste Teil der über Tauschbörsen angebotenen Songs ohne Zustimmung der Rechteinhaber dort heruntergeladen werden kann und diese damit nichts an
ihrer Arbeit verdienen. Künstler wie zum Beispiel George Michael oder David Bowie andererseits haben aber frühzeitig das Potential des Internets erkannt, was Vertrieb und Vermarktung ihrer Songs via Netz betrifft. Viele Künstler wären auch bereit, zum Beispiel Live-Alben kostenlos im Internet anzubieten, was allerdings, wen wunderts, der Musikindustrie nicht gefällt. Schliesslich lässt sich auch mit Live-Mitschnitten viel Geld verdienen.
Beim Plattenlabel EMI scheint man die Zeichen der Zeit nun (endlich) langsam
zu erkennen und will den Fans mit dem Service "Abbey Road Live" nun Live-Mitschnitte eines Konzerts gleich am Ende des Events zum Verkauf anbieten. Noch diesen Monat soll also Schluss sein mit übersteuerten, nervigen Aufnahmen, die man mit dem eigenen Handy oder der Digicam vom Konzert gemacht hat (sofern einem das Ding nicht schon am Eingang abgenommen wurde). Ganz selbst auf die Idee dürfte EMI allerdings nicht gekommen sein, denn bereits seit April 2008 tourt zum Beispiel
Concert-Online durch die Konzerthallen unseres nördlichen Nachbarn und bietet Besuchern für rund 20 Euro einen USB-Stick mit dem Mitschnitt des gerade gehörten Konzerts. Und das nicht nur höchst legal, sondern auch professionell abgemischt. Concert-Online schickt nämlich jeweils zwei eigene Tontechniker zu den Konzerten. Wie es scheint, müssen immer erst kleine Start-Ups auf gute Ideen kommen...
Und zum Abschluss, wie immer, die Links in die grosse weite Welt des Internets: Die
Incredibox für angehende Musikmacher. - Oder vielleicht doch etwas
anspruchsvoller? - Und noch ein paar
Warnschilder für jede Situation. (
BloggingTom)
Kommentare:
Marcus