Vom Standardgerangel zum Informationsmanagement.
Die "Storage Networking Industry Association" (SNIA) war noch nie eine wirklich "laute" Organisation. In den ersten Jahren dieses Jahrzehnts stand die Herstellervereinigung aber als Gremium, das damit beauftragt war, Standards für das Storage-Management in Speichernetzwerken zu schaffen, im Zentrum einiger strategisch bedeutsamer und entsprechend harter Auseinandersetzungen unter Storage-Anbietern.
Inzwischen scheint dieses Gerangel stark abgeebbt, aber die SNIA bleibt deswegen nicht untätig, wie uns Matthias Werner, Mitglied im Direktorat der SNIA Europe, bei einem Redaktionsbesuch erklärte. Die Schwerpunkte haben sich aber in den letzten Jahren verschoben: "Die SNIA gibt es nun seit rund zehn Jahren. Die ersten fünf Jahre waren von den Themen Fibre Channel und Storage Area Networks und entsprechenden Standardisierungsdiskussionen geprägt", so Werner. "In den letzten Jahren haben sich aber einige Standards durchgesetzt – unter anderem auch, weil viele Hersteller, vor allem im SAN-Switch-Bereich, schlicht verschwunden sind." Die
bestehenden Standards werden trotzdem weiterentwickelt und -gepflegt. Vom SNIA-Management-Standard für heterogene SANs, der "Storage Management Initiative Specification" (SMI-S), ist zum Beispiel vor rund einem Jahr die Version 1.3 erschienen.
Das Hauptgewicht der SNIA liegt aber heute nicht mehr beim Speicherressourcen-Management, sondern hat sich in der Hierarchie nach oben verschoben, zum Management der Informationen als ganzes, mit Unterthemen wie Archivierung, Compliance, Information Lifecycle Management usw. Auch in diesem Bereich arbeitet die SNIA wieder an Standards. Werner hebt zum Beispiel den "XAM"-Standard (eXtensible Access Method) hervor, der Speicher "contentbewusst" machen soll. Durch eine Standardisierung der Metadaten, die Dokumente beschreiben, soll XAM Applikationen verschiedener Hersteller, vor allem Content-Management und Archivierungssysteme, interoperabel machen.
Neutralität: Hersteller überwachen HerstellerNeben der Arbeit an Standards will die SNIA heute aber vor allem eine herstellerunabhängige Quelle von Know-how und Ausbildung und ein Ort für Diskussionen zur Storage-Gegenwart und Zukunft zu sein. Zwei vieldiskutierte technologische Themen im Storage-Umfeld sind zum Beispiel gegenwärtig flash-basierte Solid-State-Drives sowie "Fibre Channel over Ethernet" (FCoE). Die SNIA versucht jeweils, so Werner, sich mit solchen aktuellen Themen zu befassen und dazu Strategieempfehlungen, White Papers und ähnliches zu verfassen.
Ein wichtiger Teil des Know-How-Angebots der SNIA sind ausserdem die eigenen Zertifizierungen für Storage-Experten und die "SNIA Academys". Die Durchführung der jährlichen Schweizer Ausgabe der Academy ist die Hauptaufgabe der hiesigen SNIA-Zweigstelle. Die Veranstaltung komme bei den angepeilten Besuchern, den Kunden, jeweils gut an, glaubt Werner. Das Konzept ist auf jeden Fall interessant: Die Vorträge werden zwar von Vertretern einzelner Hersteller gehalten, aber vorher von einem Gremium, das aus Leuten verschiedener Anbieter zusammengesetzt ist, überprüft. Diese sind untereinander Konkurrenten und wachen daher, so Werner, mit Argusaugen darüber, dass die Vorträge neutral und herstellerunabhängig bleiben. Das gleiche Konzept gilt übrigens auch für die "Grossen Brüder" der SNIA-Academys, die "Storage Networking World"-Events, die einmal im Jahr in Europa (das nächste Mal in Frankfurt vom 27.-28. Oktober 2009) und zweimal in den USA stattfinden.
Freiwillige gesuchtDer Löwenanteil der Arbeit der SNIA wird von Angestellten von Herstellern auf freiwilliger Basis geleistet, was natürlich auch eine gewisse Belastung mit sich bringt. Matthias Werner, selbst im Brotberuf bei IBM Schweiz tätig, betont denn auch, dass man bei der SNIA Schweiz immer gerne weitere Freiwillige aus Anbieterkreisen im Storage-Umfeld aufnimmt. Details findet man
hier.
(Hans Jörg Maron)
Einige SNIA-Links:
SNIA Tutorials/Ausbildung,
Solid State Storage Initiative,
Data Management Forum. Die
"long term Archive and Compliance Storage Initiative" und das
"100 Jahr Archive"-Projekt,
Data Deduplication und
Details zum XAM-Standard.