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Donnerstag, 28.05.2009
Berner Amtsblatt-Veröffentlichung verursacht Wirbel

Open-Source-Community wehrt sich gegen ausschreibungslose Auftragsvergabe des Kantons Bern an Microsoft.
 
Der Kanton Bern hat gestern, wie zuvor mehrmals angekündigt, die Beschaffung von Microsoft-Lizenzen publiziert. Die Open-Source-Lobby "Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit" hat den Eintrag des Berner Amtsblatts auf der eigenen Homepage veröffentlicht. Da der Kanton der Ansicht ist, dass es für die Verlängerung der Lizenzen keine Ausschreibung braucht, wird es ein freihändiges Verfahren geben. Die Open-Source-Organisation /ch/open, die sich gegen solche freihändige Vergaben wehrt, schreibt nun heute in einer Mitteilung, der Kanton Bern habe gestern einen vier Jahre alten Auftrag sowie eine geplante freihändige Vergabe von 27 Millionen Franken an Microsoft Irland publiziert.
 
Das stimmt nur zur Hälfte. Reto Burn, stellvertretender Generalsekretär der Berner Finanzdirektion, sagt zu inside-it.ch, dass gestern nur die geplante Verlängerung des "Enterprise Agreements" (EA) mit Microsoft ab Januar 2011 veröffentlicht worden sei. Der erste Auftrag vom Januar 2005 sei damals publiziert worden und die Jahreszahl habe jetzt nur Erwähnung gefunden, weil es sich genau genommen um die Verlängerung dieses damals abgeschlossenen EA handle. Die 27 Millionen Franken stehen also für Microsoft-Lizenzen, die von Januar 2011 bis Januar 2017 bezogen werden. Gemäss Burn habe man den Auftrag bereits jetzt publiziert, damit man spätestens im Januar 2011 mit der Lizenzerneuerung beginnen könne.
 
27 Millionen Obergrenze
Der Kanton Bern scheint also mit einer Beschwerde seitens der Open-Source-Community zu rechnen. Diese – und auch andere Microsoft-Konkurrenten – haben nun zehn Tage Zeit für eine Beschwerde. Matthias Stürmer von /ch/open wollte auf Anfrage keinen Kommentar dazu abgeben, ob man auch in diesem Fall eine Beschwerde einreichen werde (wie im Fall der Bundesverwaltung).
 
Was die Lizenzkosten für die insgesamt 14'000 Kantons-PCs betrifft, betont Burn, dass der Betrag von 27 Millionen Franken eine grobe Schätzung sei. Man müsse einen Betrag veröffentlichen, den man sicher nicht übersteigen werde. Zurzeit sei der Kanton noch in Verhandlungen mit Microsoft. Burn rechnet damit, dass die neuen Lizenzen 3 bis 4 Millionen pro Jahr kosten dürften. Bisher bezahlt der Kanton lediglich 2,5 Millionen Franken jährlich für Microsoft-Lizenzen. Die Differenz ergibt sich laut Burn durch die neuen "Select"-Verträge, die es erlauben, bei Bedarf Lizenzen von zusätzlichen Microsoft-Produkten zu beziehen. (Maurizio Minetti)
 
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