Trotz unklarer Nachrichtenlage zum Stand der Verhandlungen zwischen SAP und Siemens zur Weiterführung des Wartungsvertrags: Das Geschäftsmodell der Hersteller von Business-Software steht zur Debatte.
Siemens und SAP verhandeln über eine allfällige Fortführung der SAP-Wartungsverträge, berichtete am Sonntag die deutsche Finanzzeitung 'Euro am Sonntag' unter Berufung auf Insiderkreise. Vor einer Woche hatte die deutsche 'WirtschaftsWoche' behauptet, Siemens habe den Wartungsvertrag mit SAP
auf Ende Jahr gekündigt und wolle einen Drittanbieter zum Zuge kommen lassen. Wie bei Verhandlungen zwischen Grosskonzernen üblich, gibt es keine Stellungnahme seitens der direkt involvierten Firmen.
Offensichtlich ist aber, dass sich Siemens vom langjährigen Partner SAP etwas zu entfernen scheint. Denn im Juni meldete der kalifornische Hersteller SuccessFactors, er habe einen weltweiten Vertrag mit Siemens für HR-Software gewonnen. Siemens werde die kalifornische Online-Lösung für alle der über 400'000 Angestellten einesetzen. SuccessFactors ist
Anbieter einer SaaS-Lösung (SaaS = Software as a Service) für die Steuerung und Verwaltung der Mitarbeiter-Beziehungen. Solche Lösungen sind auch wichtiger Bestandteil der Software von SAP. Gleichzeitig ist Siemens aber nicht nur SAP-Kunde, sondern auch ein wichtiger Reseller und Systemintegrator für den Walldorfer ERP-Anbieter.
Vorausgesetzt, das Rumoren in den deutschen Medien weist tatsächlich darauf hin, dass man sich in der Siemens-Chefetage überlegt, den SAP-Wartungsvertrag zu kündigen und einer Drittpartei wie etwa IBM oder Rimini Street zu übergeben, so könnte sich tatsächlich ein Paradigmen-Wechsel in der Art und Weise wie Business-Lösungen verkauft werden, ankündigen.
Denn immer öfter fragen sich Unternehmen, welchen Wert sie für die Software-Wartungsgebühren (17 Prozent der Lizenzkosten bei SAP für Standard-Support, 22 % für 'Enterprise Support', 22 Prozent bei Oracle) erhalten. Und logischerweise muss sich ein Industrieunternehmen, das bereits um eine einstellige Umsatzmarge kämpfen muss, fragen, ob es wirklich richtig ist, dass ein Software-Lieferant eine solche
von 35 Prozent anstreben kann.
Eine ziemlich gescheite, wenn auch etwas langfädige Analyse dazu lieferte Bob Evans vom
Global CIO Blog des Magazins 'Information Week'. (Christoph Hugenschmidt)