Bleiben T-Systems und Swisscom IT Services am Ball oder wählt die SBB andere IT-Provider? Auch ein Insourcing könnte möglich sein – beim SAP-Application-Management ist dies bereits geschehen.
Die SBB muss sparen und überdenkt deshalb auch die Informatik-Ausgaben. SBB-Sprecher Reto Kormann bestätigt gegenüber inside-it.ch, dass aus Spargründen das SAP-Application-Management wieder ingesourct wird. Diese Aufgabe wurde bisher von Swisscom IT Services (SCIS) wahrgenommen. Das Rückführungs-Projekt habe soeben angefangen und dauere noch ungefähr sechs Monate, so Kormann.
SAP-Betrieb bleibt bei SCISSCIS-Sprecher Martin Schweikert bestätigt gegenüber inside-it.ch den Sachverhalt und betont, dass der
Betrieb von SAP weiterhin bei SCIS bleibt. Schweikert will den Verlust nicht in Zahlen quantifizieren. "Der Verlust ist gemessen am Gesamtvolumen nicht erheblich, viel wichtiger ist der Gewinn von zusätzlichen Aufträgen, welche die SBB an Swisscom IT Services vergibt", relativiert er. Gemeint sind damit einzelne Projekte, die nichts mit dem bestehenden Outsourcing zu tun haben.
Allerdings
ist es gut möglich, dass die SBB bald auch die grösseren Verträge mit SCIS oder mit dem anderen Outsourcer T-Systems anpassen wird. Das uns zu Ohren gekommene Gerücht, wonach die SBB das Desktop-Management wieder komplett insourcen will, wurde allerdings sowohl von Swisscom als auch von der SBB dementiert – gemäss Kormann dauert der Vertrag noch bis 2012. SCIS hatte das Desktop-Management vor vier Jahren im Rahmen des
fast 300 Millionen Franken teuren "Sourcing 2006"-Projekts übernommen, nachdem diese Aufgabe zuvor von T-Systems wahrgenommen worden war. T-Systems blieb damals nur noch der Betrieb und der Support der Server und Plattformen (Mainframe & Middleware). Die Betreuung der SAP-Umgebung übernahm SCIS von HP.
Neuer CIO entscheidetErst vor wenigen Wochen gab die SBB bekannt, dass der Informatik-Chef Andreas Dietrich seinen Posten
per Ende Februar 2010 verlassen wird. Da er nur noch wenige Tage im Amt ist, dürfte die Frage, wie das Informatik-Outsourcing der SBB in Zukunft aussehen wird, eher von seinem Nachfolger beantwortet werden. "Die Suche läuft immer noch", sagt SBB-Sprecher Kormann.
Ginge es nach Dietrich, gäbe es in Zukunft noch mehr IT-Partner für die SBB. "Wer sich entschliesst, den Betrieb auszulagern, tut dies heute eher mit spezialisierten Anbietern. Wir glauben, dass der Mehrnutzen zusätzlicher Provider den Aufwand rechtfertigt", liess er sich vor einem Jahr
in der SBB-Hauszeitung zitieren. Der Citrix-Einsatz wurde ebenfalls in Frage gestellt.
Ob der neue CIO in die gleiche Richtung gehen wird, wird sich zeigen. Insourcing-Vorhaben scheinen auf jeden Fall ebenfalls möglich: Immerhin ist die IT-Abteilung der SBB in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen – mittlerweile arbeiten
fast 500 Personen in der SBB-IT. (Maurizio Minetti)