Die 'Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit' haut einmal mehr in die Vista-Kerbe beim Bund.
Die 'Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit' nimmt den Knatsch um die Einführung von Windows Vista in der Bundesverwaltung
zum wiederholten Mal zum Anlass, für Linux zu trommeln.
Das Projekt zur Einführung eines Einheits-PCs (Windows Vista und Office 2007) in der Bundesverwaltung droht bekanntlich zu scheitern, da
einige Departemente Vista auslassen möchten. Die Parlamentarier der Pro-Open-Source-Fraktion warnen nun den Bundesrat in einem offenen Brief, dass bereits ein neues Windows erhältlich sein werde bis die Migration der PCs auf eine neue Windows-Version abgeschlossen sei.
"Nachdem bereits über 40 Millionen Franken für den Wechsel auf Windows Vista ausgegeben wurden, steht jetzt wegen den grossen Verzögerungen schon wieder die nächste Version des Microsoft-Betriebssystems zur Auswahl," heisst es in dem Schreiben. Nicht ohne Polemik stellen die
Parlamentarier die Frage:
"Und wollen Sie sich tatsächlich von einem amerikanischen Software-
Konzern die Schweizer Informatik-Strategie diktieren lassen?"
Sie fordern den Bundesrat auf,
"nicht gleich auf jeden Marketing-Hype der Technologie-Branche" aufzuspringen und finden, dass der vermehrte Einsatz von Open-Source-Software und offenen Standards
"künftige Windows-Debakel" verhindern könnte. Insbesonders fordert die Parlamentarier-Gruppe, dass der Bund einen Pilotversuch mit Linux-Clients durchführe, wie dies der
Kanton Basel-Stadt plant.
40 Millionen für was?Die Behauptung, der Bund habe 40 Millionen Franken
"für den Wechsel auf Windows Vista" ausgegeben, ist allerdings zumindest missverständlich. Denn der Bund hat zwar Microsoft tatsächlich einen
umstrittenen Auftrag über 42 Millionen Franken erteilt, dieser umfasst aber sehr viel mehr als nur PC-Betriebssysteme, nämlich auch Server-Software, so etwa Mail-Systeme und ein teures System für die Dokumentenablage (SharePoint).
Nachvollziehbar ist hingegen die Aussage der Gruppe, dass der Einsatz von Open-Source-Software die Abhängigkeit des Bundes von (US-)Software-Firmen verringern würde. Ob mit Linux als PC-Betriebssystem allerdings das IT-Paradies auf Erden beim Bund eintreten würde, muss man angesichts des
Linux-Knatsches im Kanton Solothurn bezweifeln. Schliesslich wollte Solothurn Linux
bis Anfang 2008 flächendeckend einführen. Von diesem Ziel ist man weit entfernt. Und auch im vielgehypten Münchner Linux-Projekt ist man
noch lange nicht so weit, wie man das ursprünglich geplant hat.
Gewichtige GruppeIn der Parlamentarier-Gruppe 'Digitale Nachhaltigkeit' sind heute über 25 VolksvertreterInnen organisiert. Darunter finden sich politische Schwergewichte wie Felix Gutzwiller, Geri Müller, Luc Recordon und Ständerätin Simonetta Sommaruga. (Christoph Hugenschmidt)
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